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Die Kardinälin: Historischer Roman (German Edition)

Die Kardinälin: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Die Kardinälin: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Barbara Goldstein
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sprengen würde, denn er war durch einen Splitter schwer verletzt worden.
    Wo war Giovanni? In San Marco! Er ist bei Savonarola, dachte ich. Mit letzter Kraft hat er sich zu seinem Freund geschleppt. Savonarola hatte in Ferrara Medizin studiert, er konnte mit dem Skalpell umgehen und den Splitter entfernen. Aber an diesem Morgen war Fra Girolamo noch nicht wieder in Florenz gewesen!
    Während ich mir die Tränen mit dem Ärmel meines Hemdes trocknete, stand mir immer noch dieses Bild vor Augen: die Skizze von Giovanni und mir in ekstatischer Umarmung. Doch dann verschwamm es und machte einem furchtbareren Gedanken Platz: Giovanni blutend, sterbend …
    Hastig ließ ich eine Hand voll des schillernden Staubes aus Giovannis Alambic in ein Taschentuch rieseln, das ich sorgfältig verknotete. Dann rannte ich nach draußen zu meinem Pferd, stopfte die Concordia, Giovannis Notizbuch und das Pulver in meine Tasche und schwang mich in den Sattel.
    Ich musste zurück nach Florenz!

    Die Porta San Gallo war noch immer unbewacht – und sobald ich sie durchquert und die Ecke der Via Larga erreicht hatte, wusste ich auch, warum: Der Palazzo Medici wurde geplündert. Schon von weitem sah ich den Feuerschein der Fackeln auf der Straße und die wogende Menschenmenge vor dem Palazzo.
    Einen Augenblick blieb ich stehen und dachte an Ginevra, die hinter uns zurückgeblieben war: »Herr, erbarme Dich ihrer!«
    Dann überquerte ich die Via Larga und verschwand in den tiefen Schatten einer unbeleuchteten Seitenstraße, die nach Süden, zum Garten von San Marco, führte. Das Tor war nicht verschlossen, und ich band mein Pferd an einen der Kirschbäume, unter denen Giovanni und Fra Girolamo ihre endlosen Disputationen abgehalten hatten. Dann schlich ich zum Konvent an der Piazza San Marco, wo ich am Brunnen einige Schlucke Wasser trank. Ich hatte keinen Hunger, schon seit Tagen nicht mehr, aber einen unstillbaren Durst. Ich ließ mir das kalte Wasser über das vom scharfen Ritt erhitzte Gesicht laufen und bändigte meine langen Haare mit einem Seidenband. Dann schlich ich an den Mauern des Konvents entlang zur Kirche, aus der leiser Gesang erklang: die Mitternachtsmesse der Mönche.
    Das Portal der Kirche war nicht abgeschlossen – Savonarola hatte noch nie Kirchenportale verschlossen und sich dahinter verbarrikadiert – und so trat ich leise in die Kirche, um die Messe nicht zu stören.
    Es war sehr dunkel in der Basilika. Nur auf dem Altar brannten ein paar Kerzen, deren Licht nicht einmal bis in die letzte Reihe der betenden Dominikaner reichte. Wie ein Schatten verschwand ich zwischen den Weihrauchschwaden im linken Seitenschiff – dort, wo Angelo begraben sein musste. Ich kauerte mich hinter eine Säule und wartete, bis Fra Girolamo das »Ite, missa est« sprach und die verschlafenen Mönche in ihre Zellen zurückschlichen, um ein paar Stunden zu schlafen, bevor die Glocke sie im ersten Morgengrauen aus den Betten riss und zur Frühmesse rief.
    Wie wird Fra Girolamo mich aufnehmen?, fragte ich mich unruhig. Der Frater empfing selbst seine Feinde. Aber wie würde er mir gegenübertreten, der Tochter der Medici? Würde er überhaupt mit mir sprechen oder mich gleich aus seiner Kirche hinauswerfen?
    Während Savonarola die Kerzen auf dem Altar löschte, strich ich zärtlich über Angelos Grabplatte in der Kirchenwand. »Ich bin jetzt auch hier in San Marco, Angelo! Am Ende kommen wir alle hierher … um zu sterben«, flüsterte ich. Wie zum Abschied küsste ich den Marmor, der seine sterbliche Hülle bedeckte.
    Die Schritte hinter mir hörte ich nicht.
    Und so erschrak ich, als er mich ansprach: »Signore, die Messe ist beendet. Bitte geht jetzt, die Nacht ist gefährlich …« Er hielt inne, hob die Kerze, um mir ins Gesicht zu leuchten. »Caterina!«, rief er überrascht aus, als er mich erkannte. »Um Gottes willen! Ich hatte gehofft, dass Ihr mit Giulio aus Florenz geflohen seid … der Palazzo wird geplündert …«
    »Ich bin zurückgekommen«, sagte ich. »Wo ist Giovanni? Er ist doch hier, nicht wahr?«
    »Er kam heute Morgen, als ich noch im Palazzo della Signoria war. Sein Majordomus hat ihn hierher gebracht. Giovanni ist schwer verletzt.«
    »Ich weiß, Prior. Ich war in der Villa und habe das Blut gesehen. Wie geht es ihm?«
    »Das kann ich erst sagen, wenn ich morgen Früh den Splitter entfernt habe. Eine Glasscherbe steckt tief in seiner Brust, und bei Kerzenschein kann ich nicht genug erkennen, um sie zu entfernen. Wenn

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