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Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tereza Vanek
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Esclarmondes Stimme, ruhig und angenehm melodisch.
    » Aber meine Herren, wenn es Gott war, der diese Welt erschuf, dann schuf er damit auch die Kriege, das Morden, Hinrichtungen und Leid. Weshalb hätte ein liebender Gott dies tun sollen? «
    Adelind hielt dies nun endlich für eine sinnvolle Frage, die weitaus gewichtiger war als alle möglichen Auslegungen einzelner Worte. Gespannt musterte sie die Gesichter der katholischen Bischöfe. Diego von Osma drehte an seinem Krummstab und schien tatsächlich eine Weile nachzudenken, während Dominique de Guzmán in einer ausladenden Geste beide Arme hob.
    » Eine Frage, die ein jeder Christ sich manchmal stellt, Dòna, doch bedenkt, dass alle diese Dinge nicht von Gott verursacht werden, sondern von Menschenhand. «
    Der Bischof von Osma nickte anerkennend. Esclarmonde lächelte beide Männer an, so wie sie vielleicht einst als Burgherrin auch die Feinde ihres Gemahls höflich angelächelt hatte, obwohl sie wusste, dass eine Schlacht bevorstand.
    » Dennoch ist Gott mächtiger als wir Menschen und duldet das Leid Unschuldiger. Wie mag dies sein, wenn wir uns in einer von ihm geschaffenen Welt befinden? Warum sollte er so eine Welt in ihrer Schlechtigkeit und Grausamkeit denn überhaupt erschaffen haben? «
    Nun war es der Bischof selbst, der Luft holte und zum Reden ansetzte. Sein Gesicht wirkte recht entspannt, als habe er sich bereits die richtigen Worte zurechtgelegt, um Esclarmondes Frage zu beantworten, doch erhielt er keine Gelegenheit dazu.
    » Es reicht « , schrie eine heisere, zornige Stimme in Adelinds Nähe auf. » Das Weib soll endlich schweigen! «
    Der Mann mit der hochgezogenen Kapuze war aufgestanden. In dem spärlichen Licht, das durch die Fenster in den Saal strömte, schien sein Gesicht bleich wie das eines Schwerkranken.
    » Geht an Euer Spinnrad, Dòna, in einer Versammlung wie dieser steht es Euch nicht zu, zu sprechen. «
    Die Stimme war recht leise gewesen, aber vernichtend kalt. Jene Stille, nach der Adelind sich noch vor einer Weile gesehnt hatte, trat nun ein. Jedes Hüsteln, Räuspern, ja das Fallen eines Knochens aus einer Bischofshand auf die Tafel schienen auf einmal so laut wie Gewitterdonner. Adelind ließ ihren Blick die Reihe stummer Gesichter entlangwandern. Die meisten der Mönche wirkten erschrocken, nur hie und da vermeinte sie ein belustigtes Zucken von Mundwinkeln zu erkennen. Die Bischöfe musterten einander etwas ratlos, als wüssten sie nicht, wie mit der Situation umzugehen sei. Diego von Osma drehte wieder den Krummstab. Dominique de Guzmán flüsterte ihm etwas zu, doch diesmal ergab der Bischof sich nicht dessen Drängen, sondern schüttelte nur abwehrend den Kopf.
    » Meine Herren, soeben wurde hier eine der angesehensten Damen des Landes beleidigt « , verkündete Guilhabert de Castres in einem abwartenden Ton, der noch Raum für Versöhnung zuließ, wenn das erwähnte Übel behoben wurde. Esclarmondes eben noch begeistert glühende Wangen waren erblasst, aber auch sie wahrte die Fassung und blickte mit hoch erhobenem Kinn in die Runde. Doch bis auf ein gelegentliches Räuspern blieb es still.
    Dann lachte Durand de Huesca laut auf.
    » Na endlich mal ein Katholik, der sich nicht vor den Mächtigen dieser Welt ducken will « , rief er dem blassen Mönch anerkennend zu und griff dann nach seinem Weinpokal. » Lasst uns die Debatte fortsetzen, worauf warten wir denn? «
    Adelind wurde endgültig klar, dass sie diesen Waldenser noch weitaus weniger mochte als die Katholiken, die immerhin erkannt hatten, welche Unverschämtheit ein kleiner Mönch sich gegenüber der Gräfin de Foix erlaubt hatte. Gleich darauf erzitterte die Tafel, als der Graf mit zur Faust geballter Hand auf sie einschlug.
    » Ich dulde keine öffentliche Beleidigung der Mitglieder meiner Familie unter meinem Dach. Diese Debatte ist nun beendet. Wünschen die Exzellenzen sie fortzusetzen, so mögen sie sich hierfür einen anderen Ort suchen. «
    Durand de Huesca blickte erwartungsvoll in die Runde, doch blieb aller Widerspruch aus. Die katholischen Bischöfe zogen bereits aus dem Saal, gefolgt von Diakonen und Mönchen. Esclarmonde redete mit Gaucelin und Guilhabert de Castres. Adelind bemerkte einen weiteren heftigen Hustenanfall der Gräfin, den sie hinter vorgehaltener Hand verbarg, um dann schnell ihren Becher zu leeren. Das Gesicht des Grafen war immer noch zornig verzerrt.
    » So ziehen alle Aussichten auf eine friedliche Einigung von dannen « ,

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