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Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tereza Vanek
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Tropfen ihres Speichels auf seinen glatten Wangen gelandet waren. Er beachtete dies nicht, wischte sein Gesicht nicht einmal ab.
    » Dòna, Ihr müsst eine Vertraute der Gräfin sein, da sie Euch bei sich behielt, als all die anderen Frauen bereits hinausgegangen waren. Ich bitte Euch, erzählt ihr von dem Kloster, dass Seine Exzellenz, der Bischof, und ich in der Nähe von Fanjau gründeten. Bereits neunzehn weise fromme Frauen haben dort die Möglichkeit zu einem gottgefälligen Leben gefunden. Es wäre eine Ehre für uns, eine so edle Dame wie Esclarmonde des Foix zur Äbtissin ernennen zu dürfen. «
    Adelind erstarrte, dann verspürte sie, wie spöttisches Gelächter in ihrer Kehle hochstieg. Sie schluckte es, um keinen Streit zu provozieren.
    » Die Gräfin de Foix weiß bereits von diesem Kloster « , entgegnete sie nur. » Wenn sie den Wunsch hätte, mehr darüber zu erfahren, hätte sie es mit Sicherheit bereits besucht. Und nun verzeiht mir bitte, meine Gefährtinnen warten auf mich. «
    Entschlossen, sich nun nicht mehr aufhalten zu lassen, erklomm sie wieder ein paar Stufen der Treppe.
    » Ihr müsst mir glauben, ich verabscheue Krieg und Gewalt « , rief Dominique de Guzmán ihr nach. Widerwillig blieb sie stehen, um ihn noch einmal anzusehen.
    » Die Kirche, der ich angehöre, verabscheut dies ebenso. Verzichtet einfach auf Krieg und wendet keine Gewalt an, dann kann Frieden zwischen uns herrschen « , entgegnete sie schnippisch. Ihre letzte Erinnerung an dieses Gespräch sollte Dominique de Guzmáns tief unglückliches Gesicht bleiben.
    Der Winter verlief milde im Languedoc. Adelind hatte die beißende, jedes Leben vernichtende Kälte ihrer Heimat in Erinnerung, sodass sie es genoss, ohne Felle und mehrere Schichten schützender Wolle ins Freie treten zu können. Gelegentlich fiel Schnee, doch schmolz er dahin, bevor er Straßen und Dächer bedecken konnte. In der domus sorgte ein Kamin im Gemeinschaftssaal für angenehme Wärme. Die Kammern der sociae waren unbeheizt, doch reichten ein paar Decken, um alle Frauen friedlich schlafen zu lassen. Vier Wochen nach Beginn des Jahres1208 stand Adelind im Kellerraum, um den Rest an Vorräten in Augenschein zu nehmen. Bis die Fastenzeit begann, wollte sie den sociae genug Möglichkeiten zu nahrhaftem Essen geben, soweit es die Vorschriften zuließen. Es herrschte in Carcassona auch jetzt kein Mangel an Getreide und Fisch, sodass sie nicht allzu viel lagern mussten, doch gingen das getrocknete Obst und gesalzene Gemüse allmählich zur Neige. Sie wandte sich gerade an Mabile, die mittlerweile alle Besorgungen für sie erledigte, als das Gebrüll einer Männerstimme den Frieden zerstörte.
    » Cadichona! Wo zum Teufel steckst du? «
    Mabile ließ die Schiefertafel, auf der sie alle nötigen Besorgungen notierte, mit einem Grinsen sinken.
    » Ist das der Wurstbrater, bei dem sie bereits Schulden hat? « , fragte sie. Im Hintergrund begannen einige der Bediensteten zaghaft zu kichern. Adelind stieg zur Eingangstür hoch, gegen die mit Gewalt gehämmert wurde. Lutz kam mit empörtem Maunzen angerannt, um sich dann hinter einer Kiste zu verstecken.
    » Cadichona! «
    Adelind öffnete, und ein breites, sonnengegerbtes Gesicht schob sich ihr entgegen. Der Mann trug zerschlissene Beinlinge und einen Kittel aus grober Wolle, doch deuteten seine breit in den Boden gestemmten Beine Selbstvertrauen an.
    » Ich will meine Tochter nach Hause holen « , erklärte er, um sich erst nach einer kurzen Pause für sein plötzliches Eindringen zu entschuldigen. Adelind hatte ihm bereits Platz im Eingangsraum gemacht.
    » Eure Tochter lebt bei uns, wie es ihr Wunsch ist « , erklärte sie so freundlich wie möglich. Der Mann erinnerte sie an einen aufgebrachten Hammel, der nur auf eine Gelegenheit wartete, spitze Hörner in jeden zu bohren, der sich ihm entgegenstellte. Vielleicht gab es eine Möglichkeit, ihn mit den richtigen Worten zu beruhigen. Sie konnte Mabile beauftragen, schnell in die domus der Männer zu laufen und den Diakon zu holen, doch war sie sich nicht sicher, wie viel dies nützen würde. Allen Perfachs war die Anwendung von Gewalt verboten.
    » Ich weiß, dass sie hier lebt « , erwiderte der Mann, immer noch heftig schnaufend, aber allmählich ruhiger, als habe das Auftauchen mehrerer in würdevolles Schwarz gehüllter Frauen ihn etwas zur Besinnung gebracht. » Ich habe es geduldet, weil es ihr Wunsch war. Doch nun ist es genug, ich will mein Kind in Sicherheit

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