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Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tereza Vanek
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Mädchen stieg sie wieder in den Keller hinab. Sie war erleichtert über diese Ablenkung, und bald schon war die kurze düstere Stimmung verflogen.
    In den folgenden Monaten wurden drei weitere Mädchen von ihren Familien zurückgeholt, Töchter des ansässigen Kleinadels, die nun vermählt werden sollten oder aus anderen Gründen zu Hause gebraucht wurden. Die Angst vor einem bevorstehenden Angriff sprach niemand offen aus, und Adelind gab es allmählich auf zu grübeln, ob sie trotzdem der Grund für dieses sich häufende Verhalten war. Die Fastenzeit verging, die Katholiken von Carcassona feierten ein prächtiges Osterfest mit Prozessionen und Hymnen, während in der domus ein Diakon erschien, um gemeinsam mit den sociae zu beten. Nach Meinung der Katharer war Jesus Christus nicht von den Toten auferstanden, da er niemals wirklich Mensch geworden war und daher auch nicht hatte getötet werden können, doch trotzdem war dies ein wichtiges Fest, da Jesus als Lichtgestalt ein Sendbote Gottes auf Erden gewesen war. Seine Kreuzigung bedeutete allerdings das Scheitern der Mission.
    Nach dem Ende der Osterzeit stand die domus immer noch. Zwar kehrte Cadichona nicht zurück, doch hatte auch niemand ernsthaft damit gerechnet. Es lag an der Liebe zu ihrer Familie, erklärte Adelind und überhörte geflissentlich Mabiles Hinweis, dass es vielleicht auch die Vorliebe für herzhafte Fleischgerichte gewesen sein konnte.
    Das Jahr1208 verging, ohne dass feindliche Krieger vor den Stadtmauern aufgetaucht wären. Als der katholische Bischof von Carcassona während einer Predigt zur Vernichtung der Ketzer aufrief, musste er anschließend aus der Stadt fliehen, da selbst kirchentreue Anwohner sich über ein derartiges Stiften von Unfrieden empörten. Kurz vor dem Pfingstfest des Folgejahres erschien Esclarmonde nochmals zu einem Besuch in der domus und zeigte sich sehr angetan von dem erweiterten Spital und der Schule, die Adelind für Mädchen aus armen Familien eröffnet hatte. Der Umstand, dass dort auch die Töchter einiger Katholiken und gar eines Juden aufgenommen worden waren, störte sie nicht, obwohl sie Adelind ermahnte, sich um deren Bekehrung zu bemühen. Von der Gräfin erfuhr Adelind, dass die Hintergründe der Ermordung von Pierre de Castelnau weiterhin ungeklärt waren. Der Comte de Tolosa wies jede Verantwortung von sich und beteuerte seine Unschuld. Er war sogar nach Rom gereist, um vor einem Gericht zu erscheinen, doch war ihm nicht gestattet worden, sich selbst zu äußern. Trotz der ungerechten Behandlung verhielt er sich weiter demütig und suchte Versöhnung.
    » Das ist seine gewohnte Taktik « , versicherte Esclarmonde beim gemeinsamen Abendmahl. » Er unterwirft sich nur scheinbar, um den Frieden in unseren Ländern zu wahren. Den Gesandten hat er mit Sicherheit nicht auf dem Gewissen, denn er ist kein Mensch, der zu impulsiven, unüberlegten Handlungen neigt. Ich vermute fast, dass da ein gewisser Arnaud Amaury dahintersteckt, ein anderer päpstlicher Legat, der die ganze Zeit einen Vorwand sucht, um den Rest der Welt gegen uns aufzuhetzen. «
    » Das dürfte ihm dadurch gelungen sein « , gab Adelind zu bedenken, aber Esclarmonde winkte energisch ab.
    » Für uns wird sich nichts ändern, keine Sorge. Wir haben hier unsere eigenen Sitten und Traditionen. Jede Einmischung Roms wird unser Adel entschlossen abwehren. «
    Adelind beschloss, daran zu glauben, denn die Gräfin kannte die wichtigen Herren auf ihren Burgen viel besser als sie selbst. Sie sah ein erfülltes, gottgefälliges Leben vor sich, das sie mit dem Verlust einstiger Träume versöhnte.
    Nach endlosen düsteren Regentagen brach der Sommer des Jahres1209 mit glühender Hitze über die Stadt herein. Adelind tauschte ihr wollenes Gewand gegen ein dunkelgrünes Unterkleid und eine Sukenie aus dünnem schwarzem Leinen. Statt den schweren Schleier aufzusetzen, wickelte sie ihr Haar in ein Tuch, das sie im Nacken festband. Rosa beharrte auf der züchtigen schweren Kleidung, Hildegard quälte sich ebenfalls, da es ihr so frommer schien, doch Mabile folgte Adelinds Beispiel, und nach einigem Zögern tat Olivette es auch. Esclarmondes Tochter hatte in dem Bettelmädchen eine Freundin gefunden, mit der sie ihre Kammer teilte und nach deren Verhalten sie ihr eigenes ausrichtete, denn Mabiles Neigung zu frechen Bemerkungen und eigenwilligem Denken schien ihr zu imponieren. Nun stand der wöchentliche Weg zum Backofen an. Adelind hatte Platz für das

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