Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)
Infirmarium gebraucht und die Küche deshalb in einem kleinen Raum einrichten lassen, sodass sie den gekneteten Teig stets in das Haus eines Gewürzhändlers brachten, der seinen großen Ofen gegen Entgelt auch anderen Leuten zur Verfügung stellte. Es war Mabiles Aufgabe, den Schubkarren mit in Tüchern gewickelten Teigklumpen zu schieben. Olivette hatte freiwillig angeboten, sie zu begleiten, und schließlich schloss auch Adelind selbst sich an. Das Kloster hatte sie ohne Erlaubnis von Mutter Mechtildis niemals verlassen dürfen, und nun genoss sie die Freiheit, sich die Beine vertreten zu können, wann immer ihr danach war.
Die drückende Schwüle verlangsamte alle Bewegungen. Zwar waren Carcassonas Straßen niemals völlig leer, doch statt geschäftigem Eilen gab es nur ein träges Schleichen, das Rempeln war seltener, wenn auch nicht weniger heftig, und selbst den Bettlern fehlte wohl die Kraft, krächzend ihre Hände nach den Füßen oder Gewandsäumen der Vorbeigehenden auszustrecken. Die Frauen schlichen im schützenden Schatten der Gebäude dahin. Der Gewürzhändler wohnte in unmittelbarer Nähe der Grafenburg, wohin auch seine Waren meist geliefert wurden. Adelind überlegte, mit den Mädchen einen Ausflug vor die Stadtmauern zu machen, während das Brot gebacken wurde, denn im Grünen war die Luft stets frischer, und es stank nicht nach Unrat. Mit bis zu den Knöcheln hochgezogenem Gewand stapfte sie durch Schlamm, der von der Sonne allmählich zu einem festen Fladen gebacken wurde, und wehrte Fliegen von ihrem schweißnassen Gesicht ab. Als das grün bemalte Haus des Gewürzhändlers vor ihr auftauchte, seufzte sie vor Erleichterung. Im Innenhof befand sich ein kleiner Garten, wo es vielleicht kühler wäre.
» Dòna, da steht ein Mann und starrt in Eure Richtung. Ich glaube, er kennt Euch, auch wenn er nicht wie einer von unseren Brüdern aussieht. Er war jedenfalls zu lange in der Sonne, so verbrannt wie er aussieht. «
Mabile stieß ihr übliches Kichern aus. Adelind blickte verwirrt auf. Sie wollte nicht glauben, was sie sah, doch zeichnete sich Peyres’ Gestalt sehr deutlich im flirrenden Sonnenlicht ab, das ungehemmt von Häuserwänden auf einen größeren Platz stach. Er trug wieder farbenfrohe, saubere Kleidung, und der rote Ohrring glänzte wie ein Funken von Glut zwischen den schwarzen Locken.
» Adelind, bitte, ich will einen Augenblick mit dir reden. «
Unaufgefordert kam er näher. Sie spürte, wie der Schweiß nun in Bächen über ihren Rücken floss, und fluchte innerlich. All die Gespräche mit Ursanne hatten ihr noch immer nicht genug inneren Frieden geschenkt, um mit ihren zerstörten Hoffnungen abschließen zu können.
» Worum geht es? « , fragte sie so gefasst wie möglich. Peyres winkte sie zu einem schattigen Winkel an einer Häuserecke. Als er dicht vor ihr stand, bemerkte sie ein paar Falten unter seinen Augen. Eine breite Narbe riss seine rechte Wange entzwei. Sie musste von der Gerte des Ritters stammen, doch nun war er glatt rasiert, was ihn weniger elend aussehen ließ. Seine Gestalt wirkte kräftiger.
» Adelind, ich will es kurz fassen, um dich nicht unnötig aufzuhalten. Aber ihr solltet diese Stadt verlassen. Geht nach Dun zu Biatris. Ein winziges Dorf wird nicht so schnell angegriffen werden wie diese Stadt. «
Sie zog die Schultern zurück. Was sollte dieses Gerede?
» Wir leben hier in Carcassona. Die domus ist unser Zuhause. Die Stadt hat Mauern, und niemand redet von einem Angriff. «
» Aber er wird kommen, glaub mir! « Peyres wollte nach ihrer Hand greifen. Sie entzog sie ihm im letzten Moment und spürte zu ihrem Ärger, wie ihr Herz raste. Es schien immer noch selbstverständlich, diesen Körper zu berühren, der ihr näher gewesen war als irgendein anderer. Ihre Handflächen sehnten sich nach seiner braunen, einst samtweichen Haut. Adelind schlug den Blick nieder, damit er ihr dieses Verlangen nicht ansehen konnte. Zu ihrer Erleichterung nahm er ihr abweisendes Verhalten hin und setzte sich auf eine umgefallene Kiste, die jemand einfach liegen gelassen hatte.
» Wir sind durch den Norden gezogen, waren in den Gebieten des französischen Königs « , begann er. » Ein Legat des Papstes namens Arnaud Amaury, der sich weiterhin bester Gesundheit erfreut, rief dort zum Kreuzzug auf. «
Adelind hob abwehrend die Hände.
» Das wissen wir bereits. Der Comte de Tolosa will Buße tun, um den Papst zufrieden zu stimmen. Zudem gab es auch früher Aufrufe
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