Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)
zu einem Kreuzzug, die im Nichts verhallten. «
» Diesmal ist es anders. In Lyon hat sich bereits ein riesiges Heer versammelt « , gab er sogleich zurück. Einen Lidschlag lang fröstelte sie in der glühenden Hitze.
» Aber warum… «
» Weil der Krieg auch gegen den ansässigen Adel geführt werden soll. Der Papst hat den Kreuzrittern die Ländereien all jener Fürsten versprochen, die Häretiker dulden, und auf einmal wollen die Ritter scharenweise den einzig wahren Glauben verteidigen. «
Er stieß ein heiseres Lachen aus und trat gegen einen Stein zu seinen Füßen, der im hohen Bogen durch die Luft flog.
» Kommt jetzt bitte alle mit mir. Fünf Leute müssten auf unserem Wagen Platz haben. Ich werde weitere Gefährte auftreiben, denn ihr seid vermutlich mehr. Wartet morgen zur Mittagszeit auf mich, ich bringe euch in die Pyrenäen. «
Wieder streckten seine Hände sich nach den ihren aus. Diesmal gelang es Adelind nicht zurückzuweichen, und sie überließ ihre Handgelenke seinem Griff.
» Aber… ich kann nicht einfach alles stehen und liegen lassen. Ich muss zuerst mit Esclarmonde reden, denn ihr gehört die domus. Weiß sie bereits von diesem Kreuzzug? « , stammelte sie verwirrt.
» Ich selbst ließ ihr noch keine Nachricht zukommen, aber vermutlich weiß sie es. Eine Angehörige des Hochadels wird sicher Möglichkeiten finden, sich zu retten. Mir geht es um dich. Und auch um deine Schwester. Ihr sollt nicht einfach abgeschlachtet werden, nur weil es niemanden gibt, der euch beschützt. «
Der Druck seiner Finger wurde stärker. Für einen Augenblick fühlte Adelind sich in ein vergangenes Leben versetzt, da sie als Sängerin mit ihm hatte herumziehen wollen, und trat einen Schritt näher.
» Du hast dich gut gemacht. Bist du immer noch mit Antonius unterwegs? «
Er schüttelte den Kopf.
» Antonius hat ein Weib gefunden und lebt mit seiner Familie in Bordeaux. Er ist ein angesehener Zahnkünstler geworden, dem es an Kundschaft nicht mangelt. Ich bin mal hier, mal dort. Du hast mich das Schreiben gelehrt, und nun kann ich meine Lieder an Troubadoure verkaufen. Es ist kein schlechtes Leben, aber niemand hat jemals so gut für mich gesungen wie du. «
Er zog sie näher an sich heran. Adelind gab dem Drängen nach, denn seine Nähe schien ihr immer noch so vertraut, als sei er ein Teil ihrer selbst. Sogar seinen Geruch hatte sie nicht vergessen, er biss bei der schweißtreibenden Hitze scharf in die Nase, doch lockte er auch zu einer Umarmung. Vielleicht würde ihr beider Schweiß sich nun zu einem Strom vereinen. Ihre Gedanken entglitten ihr, führten sie auf abwegige Pfade. Als die golden gesprenkelten Bernsteinaugen auf sie herabsahen, überkam sie der sehnliche Wunsch, diesen Mann noch einmal in ihrem Leben küssen zu können, bevor welches Unglück auch immer über sie hereinbrach. Ein zaghaftes Ziehen an ihrem Ärmel holte sie in die Wirklichkeit zurück.
» Dòna, bitte verzeiht, dass ich Euch störe, aber Olivette geht es nicht gut. Sie hat sich bereits heute Morgen übergeben, und nun ist ihr schwindelig « , sagte Mabile, plötzlich ohne jeden Spott in ihrer Stimme. Adelind fuhr herum. Esclarmondes Tochter kauerte an einer Hauswand und hatte ihre Hände zu Fäusten geballt, als wolle sie dadurch Schmerzensschreie zurückhalten. Ohne Zögern lief Adelind an ihre Seite, streckte ihre Hand aus, um die Stirn des Mädchens zu befühlen. Das heiße Glühen ließ sie alle anderen Sorgen vergessen.
» Wir müssen sie in die domus bringen, schnell! «
Zu ihrer Erleichterung kam Peyres auf der Stelle herbei und hob Esclarmondes Tochter hoch, so wie er vor sechs Jahren auch einmal Adelind aus einer feindseligen Umgebung getragen hatte. Im Eilschritt hasteten sie alle zur domus, wo Adelind Peyres anwies, das Mädchen in seine Kammer zu bringen. Dann weckte sie die nun meist bettlägerige Ursanne, deren heilenden Fähigkeiten sie mehr vertraute als ihren eigenen. Olivette wurden feuchte Tücher auf die Stirn gelegt, die man vorher im Keller hatte kühler werden lassen. Als das Fieberglühen nicht nachließ, flößte Ursanne ihr einen Aufguss aus Kamille und Lindenblüten ein, der aber nur weiteren Brechreiz auslöste. Mabile lief schließlich los, um den jüdischen Medicus zu holen. Ein Aderlass ließ Olivette endlich in erlösenden Schlaf fallen, doch nachdem sie bei Sonnenuntergang wieder erwacht war, konnte sie immer noch keine Nahrung aufnehmen, ohne sich sogleich zu erbrechen.
Als Peyres
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