Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tereza Vanek
Vom Netzwerk:
Blut und Kot vom Boden. Adelind bewunderte ihr Durchhaltevermögen, obwohl ihr nun ein Satz einfiel, den Ursanne einmal über Rosa gesagt hatte: Sie liebt nur Gott, nicht die Menschen. Ebenjene Gleichgültigkeit gegenüber ihresgleichen aber machte es Rosa wohl möglich, den Anblick von Leid so standhaft zu ertragen.
    Nun schritt sie auf die Karre zu, in der Marcia lag, und wandte sich an den Jungen, der immer noch draußen stand, da ihm der Eingang versperrt war.
    » Schieb sie ein Stück auf die Straße, dann können wir sie hereintragen. «
    Er gehorchte ohne Widerrede. Rosa schob ihre Hände unter Marcias Schultern, Mabile, die soeben hinzugekommen war, packte die Oberschenkel. Adelind staunte, wie viel Kraft in dem Mädchenkörper steckte. Ohne das einstige Bettlerkind an ihrer Seite hätte sie diesen Tag kaum gemeistert.
    Sie trugen Marcia zu der schmalen freien Stelle auf einer bereits von Blut und Eiter getränkten Matte. Sie wimmerte leise, schrie kurz auf, als man sie niederlegte, doch schließlich begann sie ruhig zu atmen. Adelind wusch ihr das Gesicht, während Mabile ihr weiter die Kerze hielt. Hildegard begann, die blutigen Stofffetzen zu entfernen.
    » Sie blutet noch. Von… unten « , flüsterte sie.
    Adelind brauchte keine weiteren Fragen zu stellen, denn sie hatte an diesem Tag so viele zerfetzte weibliche Unterleiber gesehen, dass der Anblick sie nicht mehr erschreckte.
    » Wir brauchen Wasser, frische Binden und mehr Kerzen! « , rief sie niemand Bestimmtem zu. Im Hintergrund begannen Füße zu huschen, die ihr versicherten, dass fast alle sociae noch mithalfen. Bald schon wurde es heller, ein Eimer Wasser stand neben ihr, doch die Verbände blieben aus.
    » Wir haben keine mehr! « , stellte Rosa fest. » Sämtliche Stoffe, die wir in den letzten Monaten gewebt haben, sind bereits aufgebraucht. «
    Adelind überlegte einen Moment, dann zog sie ihre Sukenie aus und riss sie in Streifen. Nur mit dem Unterkleid bekleidet fühlte sie sich sogar etwas wohler, denn es war immer noch stickig heiß in dem Raum. Hildegard begann mit vorsichtigen Bewegungen, Marcias Körper zu waschen, während Mabile nun in beiden Händen Kerzen hielt. Bald schon hatte die Flüssigkeit im Eimer eine dunkle Färbung angenommen, da Hildegard immer wieder den blutgetränkten Lappen auswringen musste. Rosa lief los, um frisches Wasser zu holen. Daran wenigstens mangelte es nicht, denn die Brunnen von Carcassona spendeten großzügig. Als es Hildegard endlich gelungen war, Marcias Körper so weit wie möglich von getrocknetem Blut und Schmutz zu befreien, traten alle Schnittwunden und blauen Flecken mit gnadenloser Deutlichkeit hervor. Ein dünnes rotes Rinnsal floss hartnäckig aus jener Stelle, die am meisten geschunden worden war.
    Adelind legte rasch eine Decke über Marcia, denn sie ahnte, dass es der Gauklerin zuwider wäre, in diesem Zustand von anderen Frauen gemustert zu werden. Eine oft künstlich lächelnde und geschickt kokettierende Frau stieg in ihrer Erinnerung hoch, sie vermeinte sie vor sich tanzen, singen und unauffällig Geldbeutel von Gürteln entfernen zu sehen. Marcia hatte stets gewusst, wie sie Wölfe in dressierte Hunde verwandeln konnte, doch am Ende hatte dieses Talent sie nicht zu retten vermocht. Adelind fragte sich, wie viele Männer es gebraucht hatte, um diesen schönen Frauenkörper derart zu zerstören.
    » Also sehen wir uns doch wieder « , hörte sie plötzlich ein heiseres Flüstern. Marcia spuckte hustend Blut und wischte sich ein paar Spritzer von der Wange. Es erleichterte Adelind, dass sie noch zu solchen Reaktionen fähig war, die von Lebenswillen zeugten.
    » Warum wolltest du unbedingt zu uns? « , sprach sie ihren ersten Gedanken aus, während sie eine von Mabiles Kerzen ergriff und sich auf den Boden setzte. » Gab es keinen Medicus in der Nähe? Das wäre besser gewesen, als in deinem Zustand so einen langen Weg zurückzulegen. «
    Marcia lachte auf. Ihre Augen starrten völlig wach in Adelinds Gesicht.
    » Ich habe die letzten Jahre bei einem Medicus verbracht. Er war in Bezers sehr angesehen. Ein guter Mann, der beste, den ich jemals traf. Aber er ist tot. Alle sind tot. Ich wollte euch noch einmal sehen, bevor ich sterbe, um euch zu erzählen, welches Unheil ihr über uns gebracht habt. «
    Adelind schüttelte ratlos den Kopf. Marcia hatte vermutlich Fieber, auch wenn ihr Körper sich nicht heiß anfühlte.
    » Wir haben Bezers doch nicht überfallen « , sagte sie bemüht

Weitere Kostenlose Bücher