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Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tereza Vanek
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doch lagen tiefe Falten um ihre Mundwinkel. Ohne große Worte der Begrüßung packte sie Adelind am Arm und schob sie hinauf in den Speicher, wo sie für einen Augenblick ungestört waren.
    » Es ist ein Heer von Kreuzfahrern « , erzählte sie. » Sie haben den Segen des Papstes. Der Comte de Tolosa hat sich ihnen angeschlossen, da er Angst hatte, sonst seine Ländereien zu verlieren. Darum geht es hier nämlich. Wer uns unterstützt, der wird enteignet. «
    Adelind setzte sich auf einen Getreidesack.
    » Kommen sie nun hierher? «
    » Vermutlich. Aber das in Bezers geschah zur Abschreckung. Sie wollen dieses Land erobern, nicht zerstören. Es wird Verhandlungen geben. «
    Adelind atmete tief aus und ein, um sich zu beruhigen.
    » Wenn sie wollen, dass wir ausgeliefert werden, dann müssen wir gehen « , flüsterte sie. » Die Menschen dieser Stadt haben es nicht verdient, wegen uns niedergemetzelt zu werden. «
    Rosa nickte nach einer Weile mit völlig unbewegter Miene.
    » Aber wir haben die Tochter von Esclarmonde des Foix unter uns. Der Vescomte wird sie nicht ausliefern wollen « , warf sie ein.
    Adelind versteifte sich.
    » Dann bleibt Olivette eben zurück. Aber wir werden gehen müssen. «
    Rosa versetzte einem Sack zu ihrer rechten Seite einen Tritt.
    » Ja, da hast du wohl recht. Aber wir könnten schon vorher verschwinden. In diese Festung, die Esclarmonde bauen lässt. «
    Für einen Moment empfand Adelind tiefe Erleichterung. Ja, es war ganz einfach. Sie brauchten nur ihre Truhen zu packen, ein paar Karren und Maultiere aufzutreiben, so wie Peyres es ihr noch vor ein paar Wochen vorgeschlagen hatte, und dann konnten sie der drohenden Gefahr erst einmal entkommen. Wieder fragte sie sich, wo Peyres in diesem Moment wohl sein mochte. Bisher hatten ihre Aufgaben sie völlig beansprucht, doch allmählich begann ihr das volle Ausmaß von Hildegards Geständnis bewusst zu werden. Sie empfand eine quälend dringliche Sehnsucht, Peyres zu sehen, mit ihm zu reden und die unseligen Lügen aufklären zu können, auch wenn er eine gemeinsame Zukunft vielleicht nicht einmal mehr wünschte. Rastlos rutschte sie auf dem Sack, nur noch von dem Wunsch beseelt, aufbrechen zu können. Erst als sie die Abreise im Detail zu planen begann, wurden ihr sämtliche Folgen von Rosas Vorschlag bewusst.
    » Was ist mit all den Verletzten hier? Sie vertrauen auf unsere Hilfe « , stellte sie fest, niedergeschlagen, enttäuscht, aber auch in dem Wissen, dass eine Flucht unter diesen Bedingungen nicht möglich wäre.
    Rosa sah für einen Moment überrascht aus.
    » Schick einfach Esclarmonde eine Nachricht und dann warte ab, was sie uns anweist « , sagte sie schließlich und hielt die Angelegenheit damit für erledigt, denn sie ging die Stufen in den Gemeinschaftssaal hinab.
    Am nächsten Morgen traf der Diakon aus der domus der Brüder ein, um die neuesten Ereignisse zu besprechen. Auch bei ihnen waren Verletzte eingetroffen, die so gut wie möglich versorgt wurden, doch hatten sie kein so großes Spital wie die Frauen und baten daher, einige ihrer Patienten übergeben zu können. Adelind stimmte zu, obwohl sie nicht wusste, wo weitere Verletzte untergebracht werden sollten. Doch irgendwie musste es gehen. Sie erfuhr, dass die Einnahme von Bezers schon über eine Woche zurücklag, nur hatten die Verletzten erst den Weg hierher zurücklegen müssen. Das Heer hingegen wurde wohl durch weitere Plünderungen aufgehalten. Daran, dass Carcassona sein nächstes Ziel war, zweifelte niemand, denn der Angriff richtete sich zunächst gegen die Ländereien des Vescomte de Trencavel. Was Esclarmondes Bruder, der Comte de Foix, zu tun gedachte, war unklar. Adelind wollte als Allererstes wissen, warum die drei großen Fürsten der Region sich nicht mit vereinten Kräften daranmachten, das Heer der Kreuzritter zurückzuschlagen. Der Diakon und sein Stellvertreter konnten ihr keine klare Antwort geben, meinten nur, es gäbe Rivalitäten, die ein Bündnis vereitelt hätten. Bernard de Simorre, der katharische Bischof von Carcassona, dessen Hauptwohnsitz sich allerdings in Cabaret befand, hatte ihnen hierzu auch keine genaueren Berichte geschickt. Er mahnte lediglich, den Geboten Gottes und dem wahren Glauben treu zu bleiben, ganz gleich, was noch geschehen mochte.
    Adelind dachte an Esclarmondes Überzeugung, der ansässige Adel würde die Religion der Katharer auf jeden Fall schützen wollen. Erstmals begann sie zu zweifeln, ob die edle Dame die

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