Die Kinder von Estorea 02 - Der magische Bann
vorbei sein. Was du Mirron angetan hast, geht nie vorbei.«
Gorian sagte nichts, sondern starrte ihn nur an und hasste ihn. »Es wird nicht vergessen, Gorian. Sie werden dich nicht wieder aufnehmen. Dies hier ist jetzt dein Leben. Gewöhne dich daran.« Damit wandte er sich um und ließ Gorian zurück. »Ja«, sagte Gorian und nickte. »Ja.«
Die Truppe löste das Lager auf und machte sich marschbereit. Noch drei Stunden bis zur Morgendämmerung. Überall herrschte Lärm, Pferde schnaubten, Hämmer schlugen auf Metall, die Soldaten legten Teile der Palisaden auf die Wagen. Bald würde die Vorhut der Kavallerie und die leichte Infanterie abmarschieren. Die ersten Manipel würden eine Stunde später folgen.
Jhered und Roberto standen mit Dahnishev im Operationszelt des Arztes. Keiner von ihnen hatte auch nur eine Minute geschlafen. Der Arzt hatte auf Befehl von Roberto zuerst Arducius und Ossacer untersucht, dann aus ganz anderen Gründen Mirron auf Anweisung von Roberto. Schließlich hatte noch die schreckliche Aufgabe auf sie gewartet, Menas’ Leichnam zu untersuchen. Als der Arzt ein mit Blut beflecktes Tuch über sie zog und ihren Kopf bedeckte, biss Jhered sich auf die Lippe.
»Was kannst du uns berichten?«, fragte Roberto.
Dahnishev blies die Wangen auf. »Zum zweiten Mal an diesem Tag muss ich zugeben, dass ich so etwas noch nie gesehen habe. Wie alt war sie?«
»Vierunddreißig«, sagte Jhered. »Jung, stark und schnell.«
»Außerordentlich.« Dahnishev runzelte die Stirn. »Wenn ich raten müsste, dann würde ich sagen, dieser Körper war mindestens hundert Jahre alt. Sie ist an Altersschwäche gestorben. Ich habe ihre inneren Organe, die Haut, die Augen und die Haare untersucht. Nichts ist beschädigt, und nichts zeigt irgendwelche anderen Spuren als die eines hohen Alters. Das ist nicht möglich.«
»So etwas dürfte nicht geschehen«, sagte Roberto leise, und Jhered spürte den Blick des Generals auf sich ruhen. »Kannst du mir sagen, wie es dazu kommen konnte?«
»Arducius kann das besser erklären, aber im Grunde beruht ihre Gabe darauf, dass sie kleine Mengen Energie in sich selbst oder Quellen in der Nähe nutzen, verstärken und in eine andere Richtung wieder abstrahlen, um etwas wachsen zu lassen.«
»Wachsen?« Roberto deutete Zur Toten.
»Ah.« Dahnishev hatte es sofort erfasst. »Wenn sie etwas wachsen lassen, altern sie gleichzeitig selbst.«
»Genau«, bestätigte Jhered.
»Guter Gott, umfange uns«, keuchte Roberto.
»Es muss sehr anstrengend für ihn gewesen sein, er war sicher völlig erschöpft«, sagte Jhered.
»Nun, dann wollen wir dem Allwissenden danken, dass er nur ab und zu jemanden töten kann«, sagte Roberto.
»Hör mal, ich weiß, dass dies alles schwer zu verdauen ist.«
»Du hast wirklich eine Gabe zur Untertreibung, Schatzkanzler«, sagte Roberto.
»Welches Werk sie auch vollbringen, sie sind danach erschöpft. Je größer die Anstrengung, desto schlimmer die Nachwirkungen.«
»Ja«, bestätigte Dahnishev. »Ich habe die Anzeichen des Alters bei den anderen Aufgestiegenen gesehen. Sie altern offenbar in einem Verhältnis, das der Größe ihres Werks entspricht.«
»So ist es. Gorian muss in sehr schlechter Verfassung gewesen sein, wie Kovan ja auch erwähnt hat.«
»Aber seine Verfassung war lange nicht so schlecht wie die seines Opfers«, sagte Roberto. »Wir sollten ihn nicht ziehen lassen. Das war keine gute Entscheidung.« Er schüttelte den Kopf. »In dem Augenblick, in dem ich die Möglichkeiten erkenne und sogar akzeptiere, stoße ich auf einen Mörder, der nicht einmal eine Waffe, irgendein Gift oder eine Ausbildung braucht. Er muss die Opfer nur berühren und seinen Geist einsetzen.«
»Und dann braucht er direkt neben seinem Opfer ein Bett, um sich auszuruhen«, sagte Jhered. »Roberto, du übertreibst.«
»Er ist ein Mörder«, beharrte Roberto.
Jhered seufzte und blickte zu Menas. »Ja, das ist er. Mir gefällt es auch nicht. Aber die anderen wollen nicht, dass er durch unsere Hände stirbt.«
»Du bist der Schatzkanzler. Du bist nicht den drei Jugendlichen verantwortlich, so wichtig sie auch sein mögen. Ich bin es auch nicht. Wenn meine Leute ihn finden, werden sie ihn töten.«
»Folge mir doch bitte in dieser einen Sache. Irgendwie sind die Aufgestiegenen davon überzeugt, dass er seine Taten bereuen wird. Wenn wir ihn gehen lassen, dann bleibt ihm wenigstens diese Möglichkeit.«
»Der Dusas kommt, und er ist nicht einmal
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