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Die Kuppel des Himmels: Historischer Roman (German Edition)

Die Kuppel des Himmels: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Die Kuppel des Himmels: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sebastian Fleming
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sie die Hoffnung auf Erlösung verließe und wenn es an Männern und Frauen fehlen würde, die für diese Hoffnung eintreten würden, ungeachtet der drohenden Konsequenzen. Und dann überraschte ihn ein Wunder, unauffällig, fast wie nebenbei. Er konnte sich nicht daran erinnern, in den letzten zehn Jahren eine solch lange Erektion gehabt zu haben. Als er die Augen wieder aufschlug, saß Ecclesia auf ihm und ließ ihr Becken kreisen, während Evangelista ihn küsste und dabei aus ihrem Mund eine Auster in den seinen gleiten ließ. Sie war wie das Leben. Frisch, salzig und nicht zu halten.

33

    Rom, Anno Domini 1506
    Als Bramante wieder zu sich kam, lag er zu Hause in seinem Bett, und Imperia rüttelte ihn heftig an den Schultern. Er schlug die Augen auf und blinzelte zum Fenster. Der Himmel hatte sein schönstes Blau angezogen, und der Helligkeit nach zu urteilen, stand die Sonne im Mittag. Bramante wunderte sich und versuchte mühsam, sich daran zu erinnern, wie und wann er in seinen Palazzo zurückgekehrt war.
    »Wo ist Lucrezia?«, schrie Imperia mit angstverzerrtem Gesicht. Bramante rieb sich die Augen und bemühte sich, einen klaren Kopf zu bekommen. Wovon sprach sie? Die Bilder des letzten Abends und der Nacht zogen an seinem inneren Auge vorüber, der Triumph und die Genüsse. Ascanio hatte ihn in einer Sänfte nach Hause gebracht, ihn bis aufs Hemd ausgezogen und ins Bett gelegt. Der Architekt hatte sich in jeder erdenklichen Weise verausgabt. Sein Körper fühlte sich an wie durchgeprügelt und ausgesogen. Beinahe wäre er wieder eingeschlafen, doch Imperia wusste das zu verhindern, indem sie ihm eine kräftige Ohrfeige gab.
    »Verdammter Kerl, sag mir endlich, wo meine Tochter ist!«, schrie sie außer sich. Langsam begriff Bramante, dass etwas Furchtbares geschehen sein musste. Eine drückende Unruhe breitete sich in ihm aus. Er setzte sich im Bett auf und rieb sich mit seinen schweren Fäusten die Schläfen. »Was ist mit Lucrezia?«
    »Als ich sie heute Morgen im Kloster besuchen wollte, sagte man mir, dein Diener habe sie abgeholt, um sie zu dir zu bringen.«
    »Mein Diener?« Bramante schüttelte fassungslos den Kopf. »Giorgio!«, brüllte er so laut, dass man es bis auf die Straße hören konnte. Schon im nächsten Moment kam dieser ins Zimmer gestolpert.
    »Ja, Herr?«, sagte er mit hochgezogenen Schultern und trat ängstlich von einem Fuß auf den anderen.
    »Warst du heute Morgen im Kloster San Silvestro?«, fragte Bramante stirnrunzelnd.
    »Weder in San Silvestro noch in einem anderen Kloster, Herr«, stotterte Giorgio und schaute dabei so überrascht, dass sich jeder Zweifel an seiner Aussage erübrigte.
    Imperia sank wie eine Marionette auf das Bett. »Dann ist sie entführt worden! Aber aus welchem Grund?«, sagte sie kraftlos. Wer konnte es auf ihr kleines Mädchen abgesehen haben und warum? Lucrezia hatte doch niemandem etwas getan.
    In einem Anfall von Übelkeit sprang Bramante auf, rannte zum Fenster, riss es auf und erbrach sich auf die Straße. Er spuckte und spuckte, bis nach dem Gemisch aus Rindfleisch, Austern und Wein nur noch Galle kam. Dann wischte er sich den Mund mit dem Ärmel seines Hemdes ab und wandte sich mit kreidebleichem Gesicht um, ohne Imperia anzusehen. Sein Herz raste und drohte zu zerspringen. Millionen kleiner heißer Nadeln stachen in seinen Körper. Wenn es bei diesem Verbrechen nun um ihn ging? Wenn Lucrezia in Gefahr war, weil man ihn treffen wollte, wenn er schuld an dem war, was man dem Mädchen antun würde? Er ballte die Fäuste und schaute zum Himmel. »Das sieht dir ähnlich, Gott, dich an Unschuldigen zu vergreifen!«, murmelte er finster.
    »Hundsfott, bring mir sofort meine Sachen und mein Rapier, und vergiss die beiden Dolche nicht«, brüllte er den armen Giorgio an. Eine Wut, wie er sie noch nie in seinem Leben gefühlt hatte, drang ihm in die Adern. Während er seine Kleidung achtlos über das beschmutzte Hemd streifte, schwoll sein Kopf rot an, und die Ohren überzog ein tiefes Lila.
    »Ich komme entweder mit Lucrezia zurück oder nie wieder!« Damit stürzte er aus dem Zimmer. Im Flur trat Ascanio an seine Seite.
    »Du musst nicht mitkommen«, sagte er kurz. Was er vorhatte, fiel nicht unter die Verpflichtung des Leibwächters.
    »Doch«, sagte Ascanio lächelnd und legte den Kopf zur Seite.
    »Damit hast du wirklich nichts zu tun!«
    »Meine Klinge hat mit allen Händeln der Welt etwas zu tun.«
    »Gut, aber wenn es schiefgeht, finden wir uns

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