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Die Kuppel des Himmels: Historischer Roman (German Edition)

Die Kuppel des Himmels: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Die Kuppel des Himmels: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sebastian Fleming
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auf dem Rad oder in der Hölle wieder«, warnte Bramante.
    »Dann befinde ich mich wenigstens in guter Gesellschaft«, gab Ascanio zurück. Es war Zeit, eine alte Rechnung zu begleichen.
    Schweigend und staunend schritt der Papst einige Male um die Laokoon-Gruppe herum, die in der Stanza della Segnatura auf dem großen Eichenholztisch stand. In Julius’ Augen glomm ein stilles, aber intensives Feuer. Der Heilige Vater trug nur einen weißen Mantel und den weißen Pileolus, die Mozetta hatte er weggelassen. So bekam die Audienz etwas Inoffizielles, ja fast Privates.
    »Ohne Laokoon wären wir nicht hier«, sagte er schließlich ergriffen. »Die Götter hatten die Vernichtung Trojas beschlossen. Der Priester Laokoon warnte die Trojaner, doch sie hörten nicht auf ihn. Weil er aber gegen den Willen der Götter rebelliert hatte, ließen Zorn und Rache der Gewaltigen nicht auf sich warten. Sie schickten die todbringenden Schlangen. Als Äneas sah, wie Laokoon und dessen Söhne qualvoll starben, wusste er, dass Troja dem Untergang geweiht war. Dieses Bild, das die Schöpfer der Skulptur festgehalten und verewigt hatten, stand Äneas vor Augen, mehr noch, er wurde Zeuge dieser grausamen Szene. Danach schiffte er sich mit den Seinen ein und verließ das dem Untergang geweihte Ilion. Er landete weiter südlich von ihr bei Ostia und sein Sohn Julus gründete das Geschlecht der Julier.«
    Bei diesen Worten lächelte der Papst feinsinnig, als würde er seines Ahnherrn gedenken, und seine blauen, tief liegenden Augen begannen zu glänzen. Wie jung dieser alte Mann wirken konnte, dachte Michelangelo staunend.
    »Deshalb habe ich die Skulptur erworben, weil ich das allergrößte Interesse an ihr habe«, erklärte Julius II.
    Dann fasste er die beiden Künstler ins Auge und bat sie, ihm alles zu erzählen, was sie über die Plastik herausgefunden hatten. Michelangelo zeigte auf der Rückseite auf zwei kaum erkennbare Nähte. »Hier und hier hat man das Ensemble zusammengefügt.«
    »Also hat Plinius unrecht, wenn er behauptet, dass die Skulptur in einem Stück gefertigt wurde?«, fragte Julius nachdenklich und besah sich genauer die Stellen, auf die der Bildhauer gezeigt hatte.
    Michelangelo hob die Hände. »Heiliger Vater, man kann das dem großen Gelehrten nicht vorwerfen, denn die Nähte sind so gut verborgen, dass auch Giuliano und ich Mühe hatten, sie zu entdecken.«
    »Das kann man mit vollem Recht behaupten. Meine alten Augen sehen sie jedenfalls nicht mehr«, sagte der Papst mürrisch. Sein Kammerdiener betrat den Raum und verneigte sich. Als der Papst ihn zu sich winkte, folgte er der Aufforderung mit schnellen Schritten. Julius bot ihm das Ohr, und der Domestik flüsterte ihm etwas zu. Das Gesicht des Stellvertreters Christi verdüsterte sich.
    »Du musst zum Hafen, mein Sohn. Rasch!« Er legte Michelangelo die Hand auf die Schulter und schaute wie ein Vater auf ihn hinab. Der Bildhauer erstarrte. Was hatte man ihm nun wieder angetan? Er fühlte sich verfolgt. Jemand behinderte ihn auf Schritt und Tritt und fügte ihm gezielt und ausdauernd Schaden zu, um ihn zum Aufgeben zu bringen.
    »Folg mir zum Hafen«, sagte er mit unheilverkündender Miene zu Francesco, der draußen auf ihn gewartet hatte. Auf dem Vorplatz des Petersdomes, in der Nähe der Kirche Santa Caterina, trafen sie auf Bramante, gefolgt von einer verwegenen Gestalt. Dieser Schurke kam nach vollbrachter Schandtat vom Ripetta-Hafen, durchfuhr es Michelangelo. Er trat dem Architekten in den Weg, um ihn zur Rede zu stellen. Bramante starrte ihn verständnislos und, wie Michelangelo glaubte, feindselig an.
    »Was habt Ihr mit meinem Marmor gemacht?«, fragte der Bildhauer barsch.
    »Was geht mich Euer Marmor an?«, knurrte Bramante und wollte schon an dem Florentiner vorbeigehen. Hätte es für Michelangelo eines Beweises bedurft, dann wäre es die Eile gewesen, mit der Bramante versuchte, ihm aus den Augen zu kommen. Das konnte doch nur das schlechte Gewissen sein. Er packte den Baumeister am Arm. »Hiergeblieben, ich bin noch nicht fertig mit Euch!«
    »Ich aber mit Euch«, schrie Bramante und riss sich mit jähem Ruck los. Bevor Michelangelo erneut zufassen konnte, schob ihn Ascanio zur Seite.
    »Besser, Ihr lasst meinen Herrn zufrieden. Er hat Wichtigeres zu tun. Noch einmal werde ich nicht so rücksichtsvoll zu Euch sein.« Der Bildhauer sah in das finstere Gesicht des Leibwächters. Er kannte ihn nicht und wusste deshalb auch nicht, dass Ascanio immer

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