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Die Landkarte der Zeit

Titel: Die Landkarte der Zeit Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Félix J. Palma
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des ersten Streichs überlassen. Shackleton
     nahm das Angebot an. Mit einer raschen, fließenden Bewegung sprang er vor, hob das Schwert mit beiden Händen, zog es in einem
     Bogen durch die Luft und schlug es dem Maschinenmenschen in die linke Hüfte. Der Hieb hatte jedoch nur ein misstönendes metallisches
     Klirren zur Folge, dessen Widerhall noch einige Sekunden lang zu hören war. Nach dem enttäuschenden Ergebnis seines Angriffs
     wich Hauptmann Shackleton sichtlich verärgert einige Schritte zurück. Der beidhändig geführte Schlag hatte Salomon ins Wanken
     gebracht, ihm selbst jedoch beinahe die Handgelenke gebrochen. Als müsse er sich seines Nachteils gegenüber dem Maschinenmenschen
     vergewissern, startete er einen zweiten Angriff, diesmal auf dessen rechte Hüfte. Das Ergebnis war das gleiche, doch diesmal
     fand der Hauptmann nicht einmal Zeit, sich zu ärgern, weil |340| er dem Hieb ausweichen musste, mit dem Salomon zum Gegenangriff überging. Nachdem er der Schwertspitze, die nur knapp seinen
     Helm verfehlte, mit Not ausgewichen war, ging er wieder auf Distanz und beobachtete seinen Gegner, schüttelte langsam den
     Kopf, eine Bewegung, die seine Verzweiflung verriet.
    Salomons Angriffe waren langsam, er konnte ihnen leicht ausweichen, doch wenn er getroffen würde, das war ihm klar, würde
     seine Rüstung den Hieb nicht so ungerührt wegstecken. Er musste so schnell wie möglich den Schwachpunkt seines Gegners finden,
     denn wenn er weiterhin nur auf dessen Eisenskelett einschlug, würde er nichts gewinnen, seine Arme würden erlahmen, seine
     Schnelligkeit und Kraft und auch seine Wachsamkeit nachlassen, und er würde sich unweigerlich der Gnade des Maschinenmenschen
     ausliefern. Bevor es dahin kam, schlug Shackleton eine Finte, brachte sich mit einer schnellen Bewegung in den Rücken seines
     Gegners, und bevor dieser reagieren konnte, stieß er das Schwert mit aller Kraft in dessen lebenspendenden Dampfmotor. Unter
     lautem Scheppern flogen Rädchen und Gestänge durch die Luft, aber es entwich auch eine unerwartete Qualmwolke, die Shackleton
     einhüllte und ihm die Sicht nahm. Salomon wirbelte mit erstaunlicher Behändigkeit herum und ließ sein Schwert beidhändig auf
     den benommenen Gegner niedergehen. Der Schlag traf den Hauptmann mit solcher Wucht an der Seite, dass metallische Splitter
     aus seiner Rüstung sprangen. Shackleton stürzte zu Boden.
    Claire drückte sich die Faust auf die Lippen, um keinen Schrei auszustoßen, und hörte zugleich das unterdrückte Stöhnen der
     anderen in ihrer Nähe. Shackleton versuchte, |341| wieder auf die Beine zu kommen, hielt eine Hand auf die Wunde gedrückt, aus der das Blut quoll und an seiner Hüfte hinunterlief,
     doch seine Kräfte versagten. Er lag auf den Knien wie in Demutshaltung vor dem König der Maschinenmenschen, der gemächlich,
     seinen offensichtlichen Sieg auskostend, auf ihn zuschritt. Salomon schüttelte sekundenlang den Kopf und zeigte seine Enttäuschung
     über den kläglichen Widerstand des Feindes, der sich jetzt nicht einmal traute, zu ihm aufzusehen. Er hob sein Schwert mit
     beiden Händen, um es auf den Helm des Hauptmanns zu schmettern und ihm den Schädel zu spalten. Einen besseren Abschluss dieses
     grausamen Krieges, der an der Überlegenheit der Maschinen über die Menschen keinen Zweifel gelassen hatte, konnte es für ihn
     nicht geben. Mit aller Kraft ließ er das Schwert auf sein Opfer niedersausen, doch zu seiner Überraschung warf sich Shackleton
     in letzter Sekunde zur Seite. Sein Ziel verfehlend, krachte das Schwert des Maschinenmenschen scheppernd in einen Steinhaufen.
     Salomon zerrte an seinem Schwert und versuchte erfolglos, es zwischen den Steinen hervorzuziehen, als Shackleton sich trotz
     seiner Wunde majestätisch wie eine Königskobra neben ihm aufrichtete. Ohne Hast, als genieße er es, hob der Hauptmann sein
     Schwert und stieß es in den Spalt, der Salomons Kopf vom Rest seines Körpers trennte. Man vernahm ein unangenehmes Knirschen,
     dann fiel der Kopf und rollte in kurzen Hüpfern klackernd über das Pflaster, bis er gegen die goldene Krone stieß, die er
     zu Lebzeiten getragen hatte, und dort liegen blieb. Kein Laut war jetzt zu hören. Der kopflose Maschinenmensch stand in einer
     grotesken Haltung über sein Schwert gebeugt, das noch immer zwischen den Steinen feststeckte. |342| In einer letzten endgültigen Geste hob der tapfere Hauptmann Shackleton seinen Fuß und stieß ihn dem

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