Die Legende von Shannara 01 - Brooks, T: Legende von Shannara 01
Er brauchte eine ganze Weile, und als er die Strecke zurückgelegt hatte, war seine Kleidung schmutzig und zerrissen.
Von seinem Versteck auf den Carolanischen Höhen aus konnte er die Serpentinen des Elfitch auf ihrer ganzen Länge überblicken. Nichts wirkte anders als sonst. Die Wachen versahen ihren Dienst, die Fackeln, die die Bastionen beleuchteten, brannten, und ansonsten war auf der Rampe nichts und niemand zu sehen. Er schaute an der Kante des felsigen Abgrunds vorbei nach links und rechts. Aber er konnte in beiden Richtungen niemanden erkennen.
Er atmete tief ein und überlegte sich, was er jetzt tun sollte.
Plötzlich registrierte er eine Bewegung. Hinter dem Elfitch, nicht weit von dort, wo der nördliche Saum der Vegetationsgrenze begann, glitt eine einsame Gestalt durch die Schatten.
Der Troll.
Xac Wen beobachtete ihn, bis er außer Sicht war, dann stand er auf, starrte in die Dunkelheit und überlegte, wem er wohl davon erzählen sollte.
KAPITEL 26
Phryne Amarantyne war noch keine sechs Stunden zurück in Arborlon, als sie von ihrer Großmutter erneut vorgeladen wurde. Inzwischen war Arik Sarn, wenn man denn Xac Wen Glauben schenkte, bereits seit mehr als zwölf Stunden aus der Stadt verschwunden, hatte zwei tote Wachen der Heimatgarde und einen Haufen wütender Elfen zurückgelassen. Sie war mit den Orullians im Schlepptau zurück in die Stadt geeilt, um genau so eine Tragödie zu verhindern, denn sie war fest davon überzeugt, dass ihr Geistesblitz, was den Troll anging, keine Einbildung gewesen war. Wie sich herausstellte, hatte sie Recht gehabt, war jedoch zu spät gekommen, um noch irgendetwas ausrichten zu können.
Ihr war, wenn auch viel zu spät, der Grund aufgegangen, weshalb sich die Trolle nicht die Mühe machten, einen Weg ins Tal zu suchen. Musste man da nicht argwöhnen, dass sie den Weg bereits kannten? Nur schien das ausgeschlossen zu sein, da ja schließlich keiner von ihnen jemals im Tal gewesen war. Keiner, abgesehen von Arik Sarn, hatte sie sich rasch korrigiert. Und er war im Tal, weil sie und ihre Freunde ihn ganz offen hereingebracht hatten. Zog man jetzt noch den Umstand in Betracht, dass er etwas zeichnete, das auf den ersten Blick Bildern von Blumen glich, was aber genauso gut auch raffiniert getarnte Landkarten gewesen sein konnten, war die Wahrscheinlichkeit, betrogen worden zu sein, ziemlich groß. Schließlich wusste man von dem Troll nicht mehr als das, was ihnen Pan erzählt hatte. Hinzu kam das wenige, das sie selbst beobachtet hatten, was aber auch nicht sehr viel gewesen war. Als ihr diese Möglichkeit durch den Kopf schoss, sah sie sich mit der furchtbaren Aussicht konfrontiert, dass sie alle ihre Augen vor der Wahrheit verschlossen hatten und dass Arik Sarn zu den Feinden gehörte, die darauf aus waren, sie zu vernichten.
Es tröstete auch niemanden, dass Sider Ament ebenfalls überstürzt zurückkehrte. Er hatte die Wahrheit durch eine Verkettung von Umständen erfahren, über die er nicht sprechen wollte.
Phryne fühlte mit ihm. Sie wollten beide die gleiche Kunde überbringen, wurden beide von der Enthüllung der wahren Identität und Absichten des Trolls schockiert, und beide waren wütend auf sich, weil sie das nicht früher erkannt hatten. Es war zwar nicht nachvollziehbar, wie ihnen das früher hätte gelingen sollen, trotzdem fühlte sich keiner von ihnen besser.
Der Graue war fast umgehend wieder aufgebrochen. Er folgte dem Spion in Richtung Norden, um zu versuchen, ihn einzufangen, bevor er aus dem Tal entwischen konnte, obwohl er sich bewusst war, dass dieser Versuch wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt war. Denn der Troll konnte über jeden beliebigen Pass aus dem Tal fliehen, bevor irgendjemand von den anderen die Wahrheit über ihn erfuhr. Dennoch war Sider fest entschlossen, ihn aufzuhalten. Phryne haderte mit sich, weil sie, bevor sie den Aphalionpass verlassen hatte, nicht auf die Idee gekommen war, die Elfenjäger, die an den Barrikaden arbeiteten, davor zu warnen, dass der Troll auftauchen könnte. Sie hatte nur daran gedacht, ihren Vater zu informieren, so dass ihr diese Möglichkeit gar nicht in den Sinn gekommen war. Die Orullians sagten, sie sollte die Verantwortung dafür nicht nur auf sich nehmen, denn man hätte sie alle genarrt; sie alle waren getäuscht worden, und man konnte jetzt nichts mehr dagegen unternehmen. Sie mussten weiterhin ihre Pläne zur Verteidigung des Tals umsetzen.
Trotzdem dachte sie unablässig darüber
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