Die Legende von Shannara 01 - Brooks, T: Legende von Shannara 01
ich, die Macht innehaben.«
»Dem kann ich schwerlich widersprechen«, sagte sie. Sie dachte nach, während er schwieg. »Du würdest Abstand von meinem Volk halten, außer du wärest eingeladen worden, mich zu besuchen? Du würdest von mir nichts weiter verlangen, als nur meine verbale Unterstützung, was deine Rolle als oberster Seraph betrifft? Habe ich dich richtig verstanden?«
»Das habt Ihr«, bestätigte er, während er gleichzeitig dachte, dass sie eine noch größere Närrin war, als er gehofft hatte.
Sie nickte langsam. »Ich möchte Königin sein«, sagte sie. »Kannst du dafür sorgen?«
Er lächelte. »Gewiss. Ich sage Euch, wie.«
KAPITEL 27
Deladion Inch erreichte das Droujlager am folgenden Tag kurz vor Sonnenaufgang. Er kam mit seinem Armeetransporter aus dem Hochland, wo er Sider Ament abgesetzt hatte, bevor er dann weiter zu den westlichen Steppen gefahren war. Ament hatte ihm so viel von dem Mädchen erzählt, dass er es erkennen konnte, falls er es erst gefunden hatte. Allerdings dürften sich auch kaum noch andere Gefangene im Trolllager befinden. Außerdem hatte Sider ihn mit einer groben Wegskizze zu dem Pass ausgestattet, über den er das Mädchen in Sicherheit bringen konnte. Inch hatte die Beschreibung des Mädchens und die primitive Skizze kommentarlos entgegengenommen. Ihm war klar, dass beide sich letztlich als nutzlos erweisen könnten, weil bei so gefährlichen Einsätzen wie diesem häufig alles über den Haufen geworden wurde.
Obwohl er dem vielleicht widersprochen hätte, erwartete er in Wahrheit nicht wirklich, dass sie einander wiedersahen. Die Chancen standen schlecht, und Chancen wog er für gewöhnlich immer sehr genau ab.
Aber er mochte Sider Ament, mochte ihn wirklich, und das reichte, um die Hoffnung zu nähren, dass er sich irrte und sie sich unter besseren Bedingungen erneut begegnen würden. Hätte Inch den anderen nicht gemocht, hätte er sich ohnehin niemals auf ein solches Himmelfahrtskommando eingelassen. In ein Lager von mehr als fünftausend bewaffneten Trollen hineinzuspazieren, und zwar mit der festen Absicht, ihnen etwas wegzunehmen, auf das sie nicht zu verzichten beabsichtigten, war einfach hirnrissig.
Und wie gut er seine Absichten auch verschleiern mochte oder wie geschickt er sich anstellte, er hatte trotzdem das Gefühl, als legte er seinen Kopf in eine stählerne Schlagfalle und drückte seinem Feind den Auslösemechanismus in die Hand. So etwas tat man nur für jemanden, den man als wirklich guten Freund ansah.
Gelegentlich jedoch ließ man sich auch aus persönlichen Gründen auf so etwas ein, was in diesem Fall zumindest zum Teil zutraf. Einmal abgesehen von seiner Freundschaft mit Sider Ament… die Vorstellung, Taureq Siq und seinen Jungs das Mädchen vor der Nase wegzuschnappen, um ihnen mal so richtig eins auszuwischen, übte einen ungeheuren Reiz auf ihn aus.
Das Droujlager kam näher, und er drosselte sein großes Kettenfahrzeug auf Schritttempo. Es schlingerte und hievte sich durch das unwegsame Gelände wie ein gewaltiges Tier. Vor ihm traten die ersten Wachen aus ihren Verstecken. Sie erkannten Fahrzeug und Besitzer, griffen ihn nicht an und erlaubten ihm, näher zu kommen. Die Meldung von seinem Eintreffen war wahrscheinlich schon auf dem Weg zu Taureq Siq, und nachdem man ihn ins Lager eskortiert hatte, würde der Maturen seinen Besuch bereits erwarten. Er sah dem Treffen mit gemischten Gefühlen entgegen, einerseits erwartungsvoll, aber eine leise Stimme in seinem Hinterkopf raunte, es wäre eine verdammt gute Idee, auf der Stelle umzukehren. Taureq Siq war unberechenbar und hegte keine besonderen Sympathien für Inch. Er tolerierte ihn und machte gelegentlich sogar von seinen Fähigkeiten als Söldner Gebrauch, weil der Hüne über Kenntnisse und Waffen verfügte, die den Trollen nicht zu Gebote standen. Solange Siq Inch nützlich fand, würde er darauf verzichten, ihm etwas anzutun. Aber das konnte ziemlich schnell ins Gegenteil umschlagen. Es war immer ein Glücksspiel, dem Droujführer so nahe zu kommen, dass er einem an die Gurgel gehen konnte.
Sei’s drum, dachte Inch und grinste ironisch, ich hatte ja heute ohnehin nichts Besseres vor.
Manchmal, in seinen finsteren, wilderen Stimmungen, die sich immer in ihm regten, wenn er es sich leisten konnte, über Aktionen nachzudenken, die so verwegen waren, dass sie an Idiotie grenzten, malte er sich aus, wie er seinen Panzerwagen mit voller Geschwindigkeit ins Droujlager
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