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Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition)

Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition)

Titel: Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Markus Heitz
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was diese Ähren an Ertrag bringen, reicht nie und nimmer, um die Bewohner einen ganzen Zyklus zu ernähren. Sie müssen Handel treiben oder greifen auf Zwangsabgaben zurück.«
    Nodûcor deutete auf die Worte Gold und Edelstein .
    »Ja, sie sind sicherlich reich«, stimmte Aiphatòn zu und schulterte den Speer. »Wir werden wohl mit unseren Gebeinen zahlen müssen, falls sie uns aufgreifen.« Er lachte und ging los.
    Nodûcor folgte ihm zögerlich. Er schleppte die Klammer, die einst um seinen Oberkörper gelegen hatte, noch immer mit, obwohl es ihn anstrengte. Sie ragte leicht aus dem Rucksack heraus.
    Aiphatòn hatte zunächst mit dem Gedanken gespielt, den bleichen Alb in einem Versteck anzuketten und zurückzulassen und eine erste Erkundung alleine vorzunehmen. Doch Nodûcors Schwäche und die nahenden Botoiker ließen ihn davon absehen. Am Ende würde Nodûcor von einer Bande Orks aus Hunger oder Hass erschlagen, ohne dass er das Rätsel um die Halbmaske und dessen Herkunft gelöst hätte. Die Überzeugung, der bleiche Alb wäre ihm irgendwie von Nutzen, hatte sich festgesetzt.
    Gegen Nachmittag hatten sie ein Drittel der Strecke bis nach Dâkiòn zurückgelegt und waren durch ein erstes größeres Dorf gelaufen, das sich in Bauweise und Kleidungsart der Bewohner nicht wesentlich von den Siedlungen im Geborgenen Land unterschied. Menschen schienen überall gleich auszusehen. Aiphatòn sah an den Behausungen albische Runen aufgemalt oder eingeschnitzt, aber keinen Hinweis auf Götteraltäre oder Statuetten, die man zum Schutz in Hausnischen aufstellte. Es schien deutlich, wessen Gunst man rund um Dâkiòn bevorzugte.
    Keiner schenkte ihnen besondere Beachtung. Nodûcors Maske sorgte für den einen oder anderen verwunderten Blick, doch kein anhaltendes Interesse.
    »Sie halten uns entweder für Städter oder wissen, dass sie unter Dâkiòns Schutz stehen und wir ihnen nichts anhaben werden«, sagte Aiphatòn zu Nodûcor und freute sich, dass es keine Blicke gab: weder ängstliche noch scheue noch hasserfüllte. Das Zusammenleben verlief weit im Nordwesten Ishím Voróos anders, nahezu entspannt.
    Die Bewohner rissen nicht vor ihnen aus oder verfolgten sie. Hätten sie Aiphatòns plattenübersäten Körper erkennen können, wäre die Begegnung vielleicht anders verlaufen. Doch da er ein Gewand darüber trug, sah es niemand. Es ist ungewöhnlich. Unglaublich.
    Bei Anbruch der Nacht erreichten sie ein weiteres Dorf, das ebenfalls von Menschen besiedelt wurde.
    Die beiden Albae liefen die Durchgangsstraße entlang. Nodûcors Haltung verriet seine Anspannung. Er traute dem Frieden nicht.
    Kurzerhand blieb Aiphatòn vor einem Fachwerkhaus stehen, über dessen geöffneter Tür ein Krug baumelte. Der Geruch von zubereiteten Speisen und das Gemurmel von Unterhaltungen drangen zu ihnen heraus.
    »Das wird eine Schenke sein. Und ich verspüre Lust auf ein Getränk, das nicht nach Wasser schmeckt.« Er packte Nodûcor am Arm und zog ihn hinter sich her, während er den Speer senkte und in den Gastraum trat.
    Erneut staunte Aiphatòn, weil sich niemand um die Neuankömmlinge scherte. Die Gespräche der Männer und Frauen gingen unverdrossen weiter, es brach keine Unruhe aus.
    Der Wirt, ein dicklicher, kleiner Mann mit zerzaustem Bart und Schopf, sah auf, nickte ihnen zu und deutete nach rechts, wo noch ein kleiner Tisch frei war.
    Die Albae durchquerten den Raum und setzten sich; Gepäck und Speer wurden auf den Boden gelegt.
    Die Balken im Innern des Hauses waren dunkelbraun gestrichen, die Wände hingegen weiß. In verschiedenen Nischen brannten Kerzen und Lampen, schlecht gemalte Bilder der Stadt hingen zur Zierde ebenso an den Mauern wie unterschiedliche Fahnen. Zwei Tische weiter sangen einige Männer eine wilde Weise, eine Frau tanzte dazu. Tabakrauchschwaden zogen umher und reizten die Nasen der Albae.
    »Ich mag es kaum glauben.« Aiphatòn erinnerte sich an das Geborgene Land. Wären er und Nodûcor dort zu den Herrscherzeiten seines Volkes in ein Dorf gekommen, hätten sich alle auf den Boden geworfen und nach ihren Wünschen gefragt sowie sogleich um Gnade gefleht, um nicht für Kunstwerke ausgebeint zu werden.
    Der Wirt, dessen ledernde Schankschürze einen überwältigenden Geruch von Bier und Schweiß in sich barg, brachte ihnen zwei irdene Becher und eine Karaffe mit Wein. »Möge es munden«, grüßte er sie auf Albisch, das mit starkem menschlichem Zungenschlag und einer unbekannten Betonung

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