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Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition)

Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition)

Titel: Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Markus Heitz
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angetrieben.
    Ein leises, kaum verständliches Glockenspiel erklang von der Stadt. Die Melodie rührte an Aiphatòns Seele, obwohl der Wind in seinen Ohren rauschte und die Töne verzerrte. Wie muss es erst sein, wenn ich es richtig vernehme?
    Runen wurden an den gewaltigen Verteidigungsmauern sichtbar, die Inàste priesen und ihren Schutz gegen Angreifer erbaten.
    Bewahre uns vor neuen Feinden und alten Herrschern, las Aiphatòn.
    Für ihn klang es nicht danach, als habe man die Rückkehr der Unauslöschlichen oder eines ihrer Nachfahren herbeigesehnt.

    Ishím Voróo, Albaestadt Dsôn Elhàtor, 5452.   Teil der Unendlichkeit (6491.   Sonnenzyklus), Sommer
    Irïanora stand zusammen mit Saitôra an der Kaimauer und umarmte ihre Freundin, dann setzte sie einen Fuß auf die Rampe, die zum Schiff hinaufführte. »Ich werde deine Nachrichten überbringen«, sagte sie traurig und hob zur Bekräftigung die Mappe mit den Briefen. Die Inhalte waren zuvor von Ôdaiòn geprüft worden, ob sich darin etwas fand, was Aufschlüsse über die Verteidigungsanlagen zuließ. »Wir werden dich nicht vergessen.«
    Schritt um Schritt erklomm sie rückwärts den Aufgang, näherte sich dem Deck.
    Irïanora ließ Saitôra, die trotz des prächtigen, silberblauen Kleids ein einziges Häufchen Elend war, nicht aus den Augen. Das Holz federte leicht unter ihr, es hob und senkte sich mit dem Schwanken des Schiffes und den Wellen. Gleich wird sie zusammenbrechen.
    Die Leinwände in den übergroßen Rahmen, die um die kleine Gruppe aufgestellt waren, spannten sich im Wind. Der Stoff verhinderte, dass sie einen Blick auf die Umgebung werfen konnten; die Sicht auf das Meer, die Ausfahrt und das große Schiff dagegen war nicht verwehrt.
    Ôdaiòn, wie stets in seiner aufwendig-raffinierten blauen Garderobe, und fünf leicht gerüstete Soldaten warteten ein wenig abseits und verfolgten die Verabschiedungsszene.
    Die schwarzhaarige Saitôra war den Tränen nahe. »Sag deinem Oheim, dass er niemals denen nachgeben darf, die den Krieg wollen«, bat sie erstickt. »Und du … bitte sende niemanden mehr den Tronjor hinab. Sonst …« Sie schlang die Arme um sich und senkte den Kopf, ihre Schultern zuckten. Die Beherrschung war dahin. »Irïanora! Ich will nicht sterben. Nicht hier. Und ich will nicht alleine sein, nicht ohne meine Familie«, schluchzte sie und sank auf die Knie. »Denkt an mich«, rief sie weinend. »Oh, Inàste!«
    Irïanora blieb auf der Rampe stehen, schluckte und kehrte rasch zurück. Sie nahm ihre Freundin in den Arm und drückte sie an sich. »Ich kann dir das nicht antun«, sagte sie ergriffen. » Du wirst nach Dâkiòn reisen und allen berichten, warum ich geblieben bin.«
    »Was?« Saitôra starrte sie aus verheulten Augen an, aus dem Unglaube wurde überbordende Freude. »Nein, das geht nicht! Du bist die Nichte des Regenten!«
    »Und damit ein umso größeres Hindernis für die Kriegstreiber, wenn sie unsere Stadt aufwiegeln wollen«, ergänzte Irïanora laut, damit es der Herrscherinsohn vernahm, und strich ihr über den schwarzen Schopf. »Ich bleibe. Meine Entscheidung ist gefallen.« Ihr Blick ging über Saitôra hinweg zu Ôdaiòn, der sie musterte und leicht lächelte. Dann umarmte sie ihre Freundin erneut, griff dabei in die Falte ihres dunkelroten Kleids, nahm heimlich zwei Briefe heraus und schob sie ihr zu. »Einer ist für Shôtoràs, der andere für einen guten Freund. Sein Name ist Anûras. Du findest ihn im Todestänzer «, flüsterte sie hastig. »Geh.«
    »Du … plantest dies hier?« Saitôra riss die Lider weit auf, die hellgrauen Augen glitzerten feucht. Auch sie nutzte die Tinktur, um das Weiß bei Tag zu erhalten.
    »Nur so konnte ich Nachrichten schreiben, die Ôdaiòn nicht prüfte. Erzähle unseren Leuten, wie grausam sie Gathalor und Iophâlor ermordeten. Die Tode müssen gesühnt werden«, raunte sie. Dann hob sie Saitôra vom Boden auf und schob sie auf die Rampe. »Sag meinem Oheim, dass ich ihn liebe«, rief sie laut und wischte hastig vorgetäuschte Tränen weg.
    Saitôra taumelte die Schräge hinauf und lachte erleichtert, während Irïanora die nutzlos gewordenen Nachrichten ihrer Freundin ins Hafenbecken warf. »Ich werde allen von deinem Heldenmut berichten! Sie werden Lieder über dich singen und Geschichten erzählen!« Sie warf ihr eine Kusshand zu und legte eine Hand auf ihr Herz. »Ich schulde dir mein Leben, Irïanora. Alles werde ich tun, damit dir nichts auf Elhàtor zustößt.«

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