Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition)
in ihm, ihre Haut schien glutheiß zu sein.
Aiphatòn wirbelte herum und griff dabei an.
Doch schon wieder stand sie nicht mehr da. Pfeifend zerteilte die Klinge Luft, Nodûcor sprang einen Schritt zurück.
»Ich«, raunte die Albin in sein rechtes Ohr, »bin Tanôtaï, die Todestänzerin. Niemand schlug mich bislang, und du wirst keine Ausnahme werden.« Sie lachte neckend.
Aiphatòn versuchte einen Ellbogenstoß, auch dieser Angriff zuckte ins Leere. Ich bin schneller als jeder Krieger. Wie gelingt ihr das? Er vermutete, dass die eingemalten Runen in ihrer Haut einen permanenten Zauber um sie woben, der sie übernatürlich schnell machte.
Die rothaarige Albin erschien vor ihm und stach mit dem gleißenden Dolch zu. »Hier bin ich, Kaiser!«
Er lenkte die glühende Spitze mehr in einem Reflex denn in einer durchdachten Parade ab.
»Ich habe noch eine für dich, kleiner Kaiser«, wisperte Tanôtaï.
Die zweite grell leuchtende Klinge konnte Aiphatòn nicht mehr blockieren: Sie traf genau auf eine seiner Platten, und orangefarbene Funken sprühten, als explodierte ein Vulkan in seiner Brust.
Die Eruption der Energien schleuderte Aiphatòn geblendet durch die Luft.
Als er nach vier Herzschlägen weder auf den Platten des Wehrganges noch auf dem Fels aufgeschlagen war, wusste er: Ich stürze die Klippen hinab!
»Bedenke, dass Entscheidungen stets Folgen nach sich ziehen. Auch ungewollte.«
Albische Weisheit,
gesammelt von Carmondai, Meister in Wort und Bild
Tark Draan, Idoslân, 5452. Teil der Unendlichkeit (6491. Sonnenzyklus), Herbst
Carmondai sah fasziniert zu, wie das Albblut frisch und flüssig an den Rändern der Glasflasche hinabrann, sobald er es schüttelte. Das muss der silbrige Zusatz sein. Er verhindert, dass es gerinnt.
Er saß am groben Tisch in der Küche eines verlassenen Gehöfts, dessen Besitzer entweder woanders neu beginnen wollten oder zu den bedauernswerten Opfern der Drillinge gehörten.
Der Zhadár schürte das Feuer in der mannshohen und zwergbreiten Kochstelle, warf noch vier Scheite hinzu. »Ich brauche große Hitze«, erklärte er.
Bei einer raschen Durchsuchung hatte Carmondai Kleidung gefunden, die ihm besser passte als die viel zu knappen, inzwischen sehr verdreckten Sachen. Nun sah er mehr wie ein albischer Bauer denn wie ein Künstler aus, aber die Lage nahm auf Befindlichkeiten keine Rücksicht.
Es kam ihm kindisch vor, sich über das Stück Ascheseife zu freuen, das er beim Waschgeschirr entdeckt hatte. Das war zwar nicht so gut wie ein Bad in der Wanne, aber die nächste Säuberung konnte gründlicher denn je ausfallen.
Aufgrund des Volkszornes vermieden sie Übernachtungen in Dörfern und Städten, weil man nie wissen konnte, ob die Bewohner nicht doch plötzlich gleichermaßen von Wut und Mut gepackt wurden. Carâhnios wollte seine Kräfte und die des Albs nicht gegen die Unschuldigen einsetzen.
Carmondai stellte die Flasche hin, griff zu seiner Feder, tauchte sie ins Tintenfass und schrieb seine Gedanken auf das bereitliegende Papier. Eine Ode an die Seife. O Zeiten, o Umstände.
Carâhnios erhob sich, um zum Tisch zu kommen, an dem Carmondai saß. Auf der fleckigen Holzplatte hatte er verschiedene Tiegelchen, Phiolen und Schatullen ausgebreitet. »Die habe ich aus ihrem Laboratorium gestohlen. In Bhará.« Er setzte sich und öffnete sie kichernd nacheinander. »Wie oft habe ich Sisaroth heimlich zugesehen.«
» Sahst du denn auch das Richtige?«
»Du denkst, ich kann das Mittel nicht anfertigen?« Carâhnios pochte mit einem Schatullendeckelchen aus Perlmutt gegen die Flasche, die dunkel klirrte. »Ich gebe zu, dass ich keine Erfahrung mit Albblut machte, weil Sisaroth es aus dem Lebenssaft der Elben destillierte. Ich bin sozusagen mein eigenes Versuchsobjekt.« Er betrachtete die verschiedenen Gefäße, aus denen mitunter absonderliche Gerüche und Düfte strömten. Hier und da stieg dünner, sich kräuselnder Rauch daraus auf. »Gut. Alles da.«
»Und was sind das für Ingredienzien?« Carmondai zeichnete auf dem Blatt daneben mit raschen Strichen die Küche. Die Spitze kratzte leise über das Papier und begleitete das Knacken des brennenden Holzes. »Darf ich die Namen erfahren?«
Zu seiner Verwunderung zuckte Carâhnios mit den Schultern. »Das blieb mir verborgen. Sisaroth besaß einen unüberschaubaren Vorrat an Zutaten für seine Tränke und dämonischen Elixiere. Ich bin froh, dass ich herausfand, was er überhaupt davon benutzte.«
»Aha.
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