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Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition)

Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition)

Titel: Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Markus Heitz
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nicht zu übersetzen vermocht hatte, doch es war von großem Verderben die Rede gewesen.
    »Ich weiß es nicht«, malte Nodûcor in den Sand.
    Aiphatòn bedauerte es, seine Stimme nicht zu hören. Eine Lüge gelang einfacher, wenn man sie schrieb. »Der Sarkophag trug albische Runen und Worte, bei deinen Fesseln verhält es sich ebenso. Ich denke nicht, dass sie von Cushròk angefertigt wurden. Also zogen sie im Auftrag eines Albs hinter dir her?«
    Nodûcor unterstrich seinen stehen gelassenen Satz zweimal.
    »Lebtest du in einer der Städte?«
    »Nein. Ich wanderte umher und suchte nach einem Ort, an dem ich Schönheit finden könnte. Schönheit und Ruhe. Am besten Einsamkeit und nichts anderes als die Gesellschaft der Winde«, antwortete Nodûcor. »In den Bergen, dachte ich, finde ich das alles am ehesten. Dann bemerkte ich die albischen Runen und folgte ihnen.« Er sah Aiphatòn erkundend an. »Wieso kamst du von dort auf diese Seite?«, schrieb er in die weiche Erde.
    »Auch ich folgte den Runen«, erwiderte Aiphatòn knapp und umging damit eine Lüge ebenso wie die Wahrheit, während er abrupt den Kopf drehte. Da ist jemand! Er hatte eine Bewegung auf der Wiese ausgemacht und eilige Schritte vernommen; leise knatterte eine Fahne im Wind.
    Nodûcor spähte ebenso in die Dunkelheit, die für Albaeaugen leicht zu durchdringen war, solange ein Stern funkelte.
    Beide sahen einen sehr muskulösen, übergroßen Mann in einer dunkelbraunen Lederrüstung, die dank der Nacht fast schwarz erschien; die weißen, präzise gezeichneten Runen darauf leuchteten im Gestirnenschein.
    Die Stiefel hoben und senkten sich in beständigem Trab, eine lange Hose aus Leder schützte seine Beine vor Schmutz und Witterung.
    Die Zeichen trugen die Scheusale und der Alb, den wir an der Turmruine trafen. Aber zu deuten vermag ich sie nicht. Aiphatòn sah das helle Banner, das der einsame Läufer an einer langen Stange trug, die wiederum am Rückenteil der Rüstung befestigt war. Der Kopf des breit gebauten Mannes verschwand unter einem einfachen, polierten Helm, der einen intensiven metallischen Schimmer besaß; in Höhe von Augen, Mund und Nase waren schmale Schlitze eingelassen.
    Ist das nicht der Krieger vom Schlachtfeld, der sich an vorderster Spitze hindurchkämpfte?
    Der Läufer hielt schnurstracks auf das Dorf zu, die Arme schwangen gleichbleibend im Takt vor und zurück.
    Nein. Der andere Krieger trug kein Banner mit sich herum. Auch die Runen auf der Rüstung fehlten.
    Plötzlich blieb der Gerüstete stehen, Staubwölkchen stiegen von den Sohlen auf.
    Ganz langsam wandte er den Kopf, die Augenschlitze richteten sich auf die Albae unter dem Baum, als könnte der Gerüstete sie in der Dunkelheit sehen.
    Aiphatòn nahm den Speer zur Hand. Was tut er? Noch bevor er sich zum Wurf entscheiden konnte, drehte der Mann das Gesicht wieder nach vorne und setzte seinen Weg fort. Erkannte er uns?
    Er überlegte, ob er Nodûcor noch benötigte, da er nicht aus den Städten stammte. Aber ein Alb ohne Familie? Ohne eine Herkunft? Das gab es nicht. Sein Begleiter barg noch zu viele Geheimnisse, denen er auf den Grund gehen musste. Er kann mir noch nützlich sein, und seine Dankbarkeit werde ich einfordern .
    »Wir ziehen weiter«, raunte er Nodûcor zu und half ihm auf. »Ich denke, es ist ein Späher oder ein Unterhändler. Ich will nicht hier sein, wenn das Heer nachfolgt.«
    Nodûcor nickte und erhob sich. Die Nahrung und die kurze Rast schienen ihm gut getan zu haben, er machte einen frischeren Eindruck.
    Sie nahmen noch einige Früchte für unterwegs mit, verließen den Schutz des Apfelbaums und gingen zügig und lautlos nach Nordwesten.
    Nach einer halben Meile musste Aiphatòn jedoch feststellen, dass sie Verfolger hatten: Als er über die Schulter schaute, erkannte er zehn Schemen, die ihnen an den Fersen hingen und rasch zu ihnen aufschlossen. Gleichzeitig schien sich eine ausgefranste, schwarze Wolke in breiter Front über die Grasebene zu schleppen und auf das Dorf zuzuschweben.
    Die Vorhut des Heeres. Er blieb stehen und schob Nodûcor hinter sich.
    Den Menschen in der Siedlung wünschte er Glück. Befände er sich im Geborgenen Land, hätte er zu ihren Gunsten eingegriffen, aber nicht in Ishím Voróo. Für ihn gab es nur eine Pflicht: die Albaestädte zu vernichten.
    »Ich schaffe uns rasch die Schatten vom Hals«, sprach er ruhig und ging auf die Schemen zu. Es würde nicht lange dauern.

»Die Endlichkeit bezwingt alles. Nur nicht

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