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Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition)

Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition)

Titel: Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Markus Heitz
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der Alb sich erhob und ohne sich umzuwenden aus ihrem Gemach ging, tauchte sie unter und hoffte, dass das Wasser mögliche Gefühle abwusch und ertränkte.
    Gegen Abend wurde sie von Ôdaiòn abgeholt und zum Mahl geleitet. Seine Vorliebe für Dunkelblau und Silber zeigte sich erneut, und bei aller Opulenz blieb das Gewand luftig.
    Vorher war jeder Versuch, den Palast zu erkunden, an zwei Wachen vor ihrer Tür gescheitert, die deutlich machten, dass Irïanora in ihrem Gemach warten sollte.
    Die meisten Fenster waren von außen mit Stoff abgehängt worden, sodass die Albin nur einen schmalen Strich der Küste und das Meer sah. Das prächtige Dsôn Elhàtor, die Erhabene, mit seinen Straßen, Häusern, dem Hafen und den Befestigungsanlagen blieb damit für sie weiterhin verborgen. Es konnten genauso gut schiefe Buden und hässliche Steinbaracken unter ihrem Zimmer liegen, sie würde es nicht wissen.
    Irïanora hatte die Zeit mit dem Betrachten der Wogen und dem Aufschreiben von Eindrücken verbracht. Zwischendurch waren zwei Heilerinnen erschienen, die durch Magie sämtliche Wunden und Male an ihrem Körper verschwinden ließen.
    »Ihr seht wundervoll aus.« Ôdaiòn küsste ihre Hand. »Wie kann man sich da nicht in Euch verlieben?«
    »Tut Ihr das gerade?«, neckte sie ihn und neigte sich leicht. In dem roten Kleid kam ihre Figur besonders gut zur Geltung, die langen, blonden Haare hatte sie zu einem breiten Zopf geflochten. Alles andere war bei der salzigen, feuchten Luft vergebliche Mühe.
    Er legte die freie Hand auf sein Herz. »Oh, spürt Ihr es denn nicht? Ihr seid darin eingezogen, von dem Splitter der Unendlichkeit an, als ich Euch aus der Kutsche half.« Ôdaiòn stieß die Tür zum Speisesaal auf, den sie bereits kannte. »Genießen wir den fröhlichen Teil Eures Besuchs. Ich hoffe sehr« – er machte einen Schritt zur Seite, um sie eintreten zu lassen –, »Ihr freut Euch über das bekannte Gesicht, nach dem Ihr nicht einmal fragtet. So wenig wie nach Euren beiden anderen Freunden.«
    Irïanora sah zur Tafel, an der die Regentin, eine ihr unbekannte, brünette Albin in einem kurzen, weißen Lederkleid und Saitôra saßen. Ihre Freundin aus Dâkiòn trug ein einfaches Gewand in verschiedenen Blautönen, durchwirkt mit Silber und Weiß, als wäre sie zwischendurch mit Ôdaiòn vermählt worden. Sie erhob sich beim Eintreten und nickte ihr zu.
    »Saitôra!«, rief Irïanora freudig und eilte heran, vergaß auch nicht die Verbeugung vor der Herrscherin, die nun ein schwarzes Kleid mit hellblauen Verzierungen angelegt hatte. »Ich war voller Sorge.«
    Ôdaiòn kam an die Seite seiner Mutter. »Nun sind wir vollzählig«, sagte er und gab ihr einen gehauchten Kuss auf den blonden Scheitel. »Möge das Mahl beginnen.«
    Saitôra lehnte sich zu ihrer Freundin. »Gathalor und Iophâlor sind tot«, haspelte sie leise. »Sie haben sie umgebracht. Noch an der Flussenge!«
    Irïanoras Mund trocknete mit jedem Herzschlag mehr aus – aber nicht aus Sorge. Um Iophâlor ist es schade, aber gut, dass es Gathalor erwischte … Das ist … wundervoll! Sie ließ sich ihre plötzliche gute Laune vor Saitôra nicht anmerken, sondern ergriff rasch deren Hand und drückte sie, um Bestürzung und Beistandssuche vorzutäuschen. Der Mord an Gathalor wird meinen Oheim so sehr verletzen, dass er in Furor gerät. Und schon wird aus einem friedlichen Gestirn ein brennender Komet, der auf Elhàtor stürzt. Ganz Dâkiòn muss von den Morden erfahren. Oh, ich …
    Ihre Pläne gerieten ins Stocken: Der Auftrag an sie hatte gelautet, alle drei Vermissten zurückzubringen. Lebend.
    Ihr Versagen machte den Alten auch für sie gefährlich.
    Modôia vollführte eine Geste zu den Bediensteten, die herantraten, um mit dem Servieren zu beginnen. »Wir haben zunächst eine Suppe aus Meeresfrüchten«, erklärte sie. »Die Einlage besteht aus bestem mariniertem Krebsfleisch, wie es sonst nirgends zu finden ist.« Sie nahm den Löffel und blickte in die Runde. »Auf dass es unseren Gästen munde.«
    Irïanora kostete vorsichtig und fand die Aromen von Fisch, Kräutern und Salz sehr angenehm. Auch der Geschmack des Fleischs kam ihr sehr entgegen. »Die Küche ist raffinierter als unsere«, befand sie laut und sah zu Saitôra, die etwas langsamer aß. »Ich finde sie köstlich.«
    Modôia lächelte. »Ich lasse es meinem Koch ausrichten.«
    Ôdaiòn lehnte sich plötzlich zurück. »Wie ungezogen«, rief er überrascht und klopfte mit zwei Fingern

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