Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition)
Tronjor hinab so eine unglückselige Wendung nahm, ohne dass Ihr, Irïanora, erahnen konntet, wie tragisch es endete, dachte ich mir, dass es eine gute Sache sei, dieses Mal die Entscheidung in Eure Hände zu legen.«
»Ihr brachtet sie um«, zischte Saitôra in Richtung der Herrscherin.
»Wir einigten uns auf …« Modôia sah hilfesuchend zu ihrem Sohn.
»Unglück«, sprang er sofort ein.
»Welche Entscheidung?«, fragte Irïanora verständnislos nach. »Ich dachte, ich darf bestimmen?«
»Wie der Fluss und Eure Entscheidung ein Unglück heraufbeschworen, das Opfer forderte, wird es auch dieses Mal nicht ohne ein Opfer gehen.« Modôia ließ sich vom Wein einschenken, Leïóva nahm eine Phiole und träufelte drei grünliche Tropfen hinein. » Eine von euch beiden darf nach Dâkiòn zurück.« Sie prostete Irïanora zu. »Ihr, die Nichte des Regenten, werdet als Ranghöhere entscheiden, wer das sein wird.« Sie leerte das Glas in einem Zug.
»Und die andere?«, hauchte Saitôra.
»Wird bleiben. Als Geisel. Sollte sich auch nur ein Boot aus Dâkiòn der Enge nähern, wird meine Peitsche so lange sprechen, bis von der Geisel nur noch kleine Stücke übrig sind, die ich an Shôtoràs senden werde.« Modôia sah auf ihren Teller. »Ich habe keine Lust mehr, mich vorführen und herausfordern zu lassen. Weder von Eurem Oheim noch von Euch oder einem anderen Alb, der in Dâkiòn regieren wird. Damit ist Schluss.« Sie räusperte sich und legte die Hände erwartungsvoll zusammen. »Also, meine Liebe: Wer wird gehen?«
Irïanora rauschten die Gedanken durch den Verstand, von der Drohung ihres Onkels, dem Hass auf ihn, dem Hass auf die Herrscherin bis hin zur leicht erkennbaren Begierde ihres Sohnes, das Fischlein ihn ihrem Netz, das sie ausnutzen wollte.
Neue Möglichkeiten taten sich auf, Altes fügte sich und wurde verworfen, und das innerhalb weniger Herzschläge.
Alles zusammen mündete in einen Plan, der exzellent zu ihrem Vorhaben passte.
» Wer « – Modôia gelang es, ihre Stimme wie ihre Peitsche knallen zu lassen – »wird gehen?«
Und Irïanora antwortete.
Tark Draan, Idoslân, 5452. Teil der Unendlichkeit (6491. Sonnenzyklus), Sommer
Carmondai legte eine Hand an die Säule, die schräg über einer zweiten lag, und drückte dagegen, um herauszufinden, ob sie hielte. Da kein Knarren oder Wackeln folgte, setzte er seinen Weg fort, der ihn gemäß den Anweisungen des Zhadár in die Mitte der Ruine führte.
Carâhnios hatte sich einen Spaß daraus gemacht, Carmondai vorzuschicken. »Damit das Schwarzauge denkt, es bekäme Unterstützung«, hatte er grinsend zum Abschied gesagt.
Also lief Carmondai in seiner zu klein geratenen, abgetragenen Kleidung aufrecht und gut sichtbar im Mondschein durch die Überreste des Tempels, während sich der Unterirdische lautlos wie ein Alb im Verborgenen bewegte und die Sicherung übernahm.
So stellte ich mir die Aufgabe nicht vor. Carmondais Hände waren immer noch gefesselt, was die Rolle als entflohener Gefangener wahrhaftiger aussehen ließ, wie Carâhnios befunden hatte. Gelegentlich stolperte er auch wie befohlen, damit man ihn hörte. Ihm erschloss sich der Sinn der großen Glasflasche nicht, die ihm der Zhadár in die Hand gedrückt hatte. Eine silbrige Flüssigkeit bedeckte dünn den Glasboden.
Schließlich stand Carmondai in der Mitte des Tempels, hinter sich den Rest einer vier Schritt hohen Wand, in der die bunten Glasfenster mit unbekannten Symbolen noch erhalten waren. Die Scheiben färbten das Mondlicht ein und gaben seiner braun gebrannten Haut eine unbekannte Tönung. Fünf mannsdicke, von Rissen durchzogene Säulen erhoben sich davor und bildeten ein Halbrund.
Was nun? Er hatte sich Mühe gegeben, laut und auffällig zu sein.
Carmondai wusste noch nicht, wie er sich verhalten sollte, falls es zum Kampf kam. Carâhnios hatte ihm sehr deutlich gemacht, was ihn erwartete, sollte er gegen die Anweisungen des Unterirdischen verstoßen. Doch wenn sich das Glück im Gefecht neigen sollte und es eine Gelegenheit gab, den Vorteil mehr in Richtung eines Albs zu verschieben … Und dann? Stehe ich mehr oder weniger in einem feindlichen Land.
Er zwang sich, trotz der Erniedrigungen, vorerst den alten Plan zu verfolgen und in der Nähe des Zhadár zu bleiben.
Hinter ihm klickte es leise.
Carmondai drehte sich um und wich vorsichtshalber zurück, weil er glaubte, eine der Säulen bräche ein oder ein abgesprengtes Trümmerstück gehe auf ihn
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