Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die Liebe der Baumeisterin: Roman (German Edition)

Die Liebe der Baumeisterin: Roman (German Edition)

Titel: Die Liebe der Baumeisterin: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Heidi Rehn
Vom Netzwerk:
überallhin.«
    »Presst das darauf«, forderte sie ihn auf und reichte ihm den Stoff. »Ich bin gleich wieder da.«
    Rasch erhob sie sich und eilte zu ihrer Stute. Brav weideten die Pferde am Waldsaum. Sah man die Tiere so friedlich im Mittagssonnenlicht stehen, schien der Überfall unwirklich. Nichts auf der Lichtung außer dem stark blutenden Urban deutete darauf hin, was vor wenigen Augenblicken erst geschehen war. Selbst Hubart tat unbeteiligt. Bei seinem Anblick erfasste Dora Wut. Er aber lächelte. »Kann ich Euch helfen?«
    »Zu Euch komme ich später«, zischte sie und entnahm dem Felleisen, das an ihrem Sattel festgebunden war, das Werkmeisterbuch von Laurenz Selege. Ein schlecht geschnürtes Bündel weiterer Papiere nebst einem kleinen Oktavband fielen ihr dabei entgegen. Achtlos stopfte sie sie zurück in die Tasche und verschloss sie mit der Schnalle. Zurück bei Urban, holte sie vorsichtig die gepressten Heilpflanzen der litauischen Kräuterfrau aus dem Buch, schob Urbans Hand von der Wange und legte stattdessen die Pflanzenblätter darauf. Flink riss sie einen weiteren Stoffstreifen von ihrem Rock und band ihn um Urbans Kinn. Widerwillig ließ er es geschehen. Der Verband störte ihn. »Das wird fürs Erste reichen. Sobald wir in Insterburg sind, werdet Ihr besser versorgt werden.«
    »Nehmt einen Schluck auf den Schreck.« Einer der Wachleute tauchte neben ihr auf und reichte ihr einen Schlauch. Fragend sah sie zu ihm auf.
    »Das ist nur Wein«, erklärte er. Dankbar nickte sie, trank und reichte den Schlauch weiter an Urban.
    »Was ist mit Hubart? Habt Ihr gesehen, wie er …«, fragte er seinen Wachmann.
    »Der elende Verräter!«, brauste der auf. »Ich habe Euch gleich gesagt, dem ist nicht über den Weg zu trauen.«
    »Dafür gibt es keinen Grund«, erwiderte Urban verärgert. »Ich arbeite schon lange mit ihm zusammen.«
    »Warum habt Ihr ihn mitgenommen?«, platzte Dora heraus. »In der letzten Zeit schien er mir mehr als seltsam. Seit Göllner der neue Hausvogt bei Hofe ist, hat sich Hubart sehr verändert.«
    »Da täuscht Ihr Euch«, verteidigte Urban seinen Schreiber. »Er steht nahezu ebenso lang wie ich in Diensten des Herzogs, davon sehr viele Jahre schon direkt in meiner Kanzlei.«
    »Ich wette, er steckt mit den Strauchdieben unter einer Decke.« Der Wachmann tat sich nach wie vor schwer, seine Wut zu zügeln. »Mit eigenen Augen habe ich gesehen, wie er ihnen ein Zeichen gegeben hat. Gewiss hat er sie die ganze Zeit über unsere Route unterrichtet.«
    »Denkt Ihr, er hat uns absichtlich an diese Stelle geführt?« Dora wurde bang.
    »Ich wollte hier rasten und habe Euch in den Wald der tanzenden Bäume geführt. Das war das Zeichen für …«
    »Das ist nicht Euer Ernst! Ihr selbst steckt mit den Räubern unter einer Decke? Wie könnt Ihr nur …?« Fassungslos schlug sie die Hände vors Gesicht. Übelkeit stieg ihr in die Kehle.
    »Das habt Ihr gerade völlig falsch verstanden. Wie könnt Ihr nur solches von mir denken?« Urban legte seine blutverschmierte Hand auf ihre Schulter. »Der Wald der tanzenden Bäume sollte Euch ein Zeichen unserer frisch aufgeblühten Liebe sein, das wollte ich sagen.«
    Sosehr er sich bemühte, seinen Worten einen zärtlichen Ton zu verleihen, so hohl klangen sie ihr doch in den Ohren. Klopfenden Herzens schaute sie in sein versehrtes Gesicht. Schwerlich nur erkannte sie darin die geliebten Züge wieder, die sie während der letzten Wochen endlich gefunden zu haben glaubte. Dabei war kaum eine Stunde vergangen, seit sie mit ihm vor Glück getanzt hatte. Die innige Vertrautheit, das Gefühl, bis zum Grund seiner geheimnisumwitterten Vergangenheit vorgedrungen zu sein, war nur ein törichter Trug gewesen. Urban war ihr fremder denn je.
    »Natürlich habe ich nichts mit den Räubern zu tun. Nie dürft Ihr solches von mir denken!«, setzte er nach. »Wenn ich will, dass mir wichtige Unterlagen geraubt werden, dann lasse ich mir dafür wohl kaum das Gesicht aufschlitzen. Wollte ich Papiere des Herzogs verschwinden lassen, stehen mir ganz andere Mittel zur Verfügung. Hubart ist ein alter Hasenfuß. Natürlich hätte er sich vorhin den Angreifern mutiger entgegenstellen können, doch Tapferkeit ist eben nicht jedem gegeben. Er wäre viel zu feige, etwas hinter meinem Rücken anzuzetteln, geschweige denn, gegen mich vorzugehen. Die Papiere sind übrigens nach wie vor in Sicherheit.« Er hielt inne und zwinkerte ihr aufmunternd zu. »Oder glaubt Ihr, ich

Weitere Kostenlose Bücher