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Die Macht der Drei

Titel: Die Macht der Drei Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Hans Dominik
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schließlich gerade vor jene Öffnung. Vor ihm schwebte das Flugzeug. In langsamer vorsichtiger Wendung kehrte es seine Spitze der Öffnung zu. Jetzt tauchte es in die Dunkelheit und war verschwunden. Silvester folgte ihm, während Erik Truwor einen Handscheinwerfer einschaltete und die Höhle mit blendendem Licht erfüllte.
    Noch etwa hundert Meter Weg in der geräumigen, hier von Natur in das Urgestein gesprengten Höhle. Eine kurze Schwenkung nach links, und das Flugzeug verschwand hinter gewaltigen Basaltsäulen. Seine Räder berührten den Boden, und das Flugzeug stand sicher auf dem ebenen, mit trockenem Sand bedeckten Untergrund der Höhle. Silvester Bursfeld setzte die Drehknöpfe seines Apparates auf Nullstellung und ließ ihn wieder an seiner Hüfte hinabgleiten.
    »So! Hier wird es niemand entdecken! Wenigstens nicht, wenn die Leute in der Gegend noch dieselbe Scheu vor der Odinshöhle haben wie früher.«
    »Sie haben sie. Die Schäfer und Waldläufer hier glauben immer noch, daß allerhand Geister in der Höhle hausen.«
    Erik Truwor sagte es lachend.
    »Selbst am lichten Tage machen sie einen Bogen um die Höhle. So leicht wagt sich niemand hinein, so breit und offen ihr Eingang auch daliegt. Sie haben Furcht davor, und sollte sie nachlassen, so haben wir das Mittel, sie wieder aufzufrischen.«
    Er deutete dabei auf den Strahler an Silvesters Seite. Aus dem Dunkel der Höhle traten die drei wieder an den sonnigen Tag, folgten dem Pfade flußabwärts und erreichen das alte Stammhaus der Truwors, das hier aus Birken und Föhren hervor auf den Torneaelf hinabschaute.
    *

»Britannia rules the waves, Britannia rules the winds.« Aus Hunderttausenden von Kehlen drang die alte Melodie mit neuem Text und brauste über die blauen Wasser des Solents. Die Flotte der leichten englischen Luftstreitkräfte war plötzlich am Himmel sichtbar geworden. Ihr Erscheinen bildete den Auftakt und Anfang der großen Wettbewerbe, die von der Aeronautical Federation of G. B. und dem Imperial Aero Club über dem Meeresarm zwischen der Insel Wight und der englischen Küste veranstaltet wurden. In Geschwader zu je 120 kamen die Flugzeuge angeschossen. Tauchten irgendwo in der Ferne aus dem Blau des Himmels oder des Ozeans auf. Bildeten in der Luft ein lateinisches V, das bekannte Victory-Zeichen, und hielten die Figur genau geschlossen, während sie allerlei Schwenkungen ausführten.
    Geschwader auf Geschwader tauchte auf, bis es schließlich fast Tausende waren – bis über hunderttausend Flugzeuge in einer dichten Wolke den Azur des Firmaments mit dem silbernen Schimmer blanken Leichtmetalls durchsetzten.
    Die Menge, welche schwarz die Ufer und Klippen des Solents umsäumte, sang spontan das alte Lied. Unbekümmert von aller politischen Spannung waren die Massen hierher gepilgert, um ein sportliches Schauspiel zu sehen. Aber der Anblick der fast unüberwindlichen englischen Luftflotte führte zu diesem elementaren Ausbruch patriotischen Gefühls. Geschickt hatten es die Regierenden verstanden, dem Empfinden der Menge Rechnung zu tragen und sie gleichzeitig von der Schlagfertigkeit und Alarmbereitschaft der Luftflotte zu überzeugen. Die Begeisterung nahm kein Ende, solange noch ein Flugzeug zu sehen war. So plötzlich wie die Flotte auftauchte, war sie auch wieder verschwunden. Von Yarmouth bis zum Atlantik, von den Orkneys bis zu den Kanalinseln stand sie wieder über den Küsten wie ein geschlossener Hornissenschwarm, bereit, jeden Gegner auf dem Wasser und in der Luft mit giftigem Stachel anzufallen und zu vernichten.
    Ein Teil des Uferfeldes war von der Menge freigehalten worden. Hier lagen die Luftjachten, in denen die vornehmen Mitglieder der veranstaltenden Klubs zu dem Schauspiel gekommen waren. Dort lagen die wundervollen Luxusjachten der Norfolks, Sommersets, der Cecils und vieler anderer. In der Mitte von allen diesen schimmerte der gestreckte Leib einer eleganten Regierungsmaschine. Sie gehörte dem britischen Luftfahrtminister Lord Horace Maitland auf Maitland Castle.
    Lord Horace gehörte auch dem Präsidium des Imperials Aero Club an, und die große Empfangskabine seines Klippers bildete den Treffpunkt für die hohen Gäste.
    Diese Kabine bot durch große Zellonspiegelscheiben nach drei Seiten hin freien Ausblick. Nur die vierte Wand war massiv. Zwei schmale Türen führten zu den Privat- und Wirtschaftskabinen des Flugzeuges. Den mittleren Teil der Wand nahm eine Gruppe von Palmen und Blattpflanzen ein. Ein

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