Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Die Orks 01 - Die Rückkehr der Orks

Titel: Die Orks 01 - Die Rückkehr der Orks Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Michael Peinkofer
Vom Netzwerk:
war es ihnen gelungen, die Pforte Farawyns zu öffnen?
    Hätte Alannah es nicht darauf angelegt, verschleppt zu werden, auch dieser Versuch, sie zu entführen, wäre gescheitert wie so viele zuvor. Schon mehrmals waren Barbarenkrieger in den Tempel eingedrungen, aber stets waren sie zurückgeschlagen worden. Die Orks jedoch hatten Erfolg gehabt. Weil die Priesterin ihnen geholfen hatte. Und das nicht nur bei der Flucht vor den Bärenreitern, nein, sie hatte ihnen anschließend auch noch verraten, wo die Südpassage zu finden war, die über den Nordwall führte. Überall entlang der Berge würde es schon bald von Elfenpatrouillen wimmeln, aber sicher nicht am Pass, dessen Lage geheim und nur wenigen Eingeweihten bekannt war.
    Wie es hieß, kannten die Zwerge einen eigenen Weg, um den Nordwall zu überwinden; angeblich benutzten sie einen geheimen Tunnel. Die Südpassage hingegen kannten die Elfen seit jenen Tagen, da sie nach amber gekommen waren und das Land erkundet und es sich unterworfen hatten.
    Am Bug des Eisseglers stehend, blickte Alannah nach Süden, wo die scharfen Zacken des Gebirges Eis und Himmel trennten. Trotz ihres dünnen Seidenkleids fror sie nicht. Der Fahrtwind spielte mit ihrem langen blondweißen Haar, doch ihre Miene war starr und ausdruckslos. Immerzu fragte sie sich, was sie dort im Süden erwartete, wohin man sie bringen würde. Zwei Orks waren sicher nicht die Gesellschaft, die sie sich ausgesucht hätte, wenn sie die Wahl gehabt hätte. Aber es war immer noch besser, als in Shakara die Gefangene einer Prophezeiung zu sein, an die Alannah längst nicht mehr glaubte. Die Unholde, denen sie ihre Freiheit verdankte, waren verschlagen und böse und noch dazu hässlich wie die Nacht, und Alannah war auch nicht wirklich frei. Aber im Verlauf ihres für Menschenbegriffe langen Lebens hatte sie gelernt, dass die Dinge selten vollkommen waren …
    Als die Planken hinter ihr knarrten, wandte sie sich um. Einer der beiden Orks – der kleine Dicke, der sich Rammar nannte – war zu ihr getreten, ein listiges Zähnefletschen in der dunklen Visage.
    »Nun, Priesterin?«, sagte er, dabei die Sprache der Menschen gebrauchend; dass sie seine Sprache beherrschte, überging er geflissentlich. »Wie schmeckt dir die Gefangenschaft?«
    »Sie würde mir besser schmecken, wenn ich nicht deine Gesellschaft ertragen müsste, Ork«, antwortete Alannah kühl. »Du stinkst wie ein ganzer Schweinekoben.«
    Der Ork hob die borstigen Brauen, schnupperte an seiner Rüstung und unter seinen Achseln und schüttelte dann verständnislos den Kopf. »Freundlich bist du nicht gerade«, stellte er fest. »Dabei solltest du mir dankbar sein. Ich könnte dich auch unter Deck sperren, in völlige Dunkelheit und ohne Essen und Trinken.«
    »Das wäre wohl nicht zu empfehlen, schließlich muss ich am Leben bleiben. Wenn ich sterbe, nehme ich das Geheimnis der Karte von Shakara mit in den Tod, vergiss das nicht.«
    »Keine Sorge.« Der Ork grinste über das ganze hässliche Gesicht. »Ich frage mich nur, was unser Auftraggeber mit dir anstellen wird, sobald du ihm erst verraten hast, was er wissen will.«
    »Euer Auftraggeber – wer ist das?«
    Rammar stieß ein heiteres Grunzen aus. »Das würdest du gern wissen, was? Aber ich werde es dir nicht verraten, Elfenweib. Ich will, dass du dir den Kopf darüber zermarterst, bis wir am Ziel unserer Reise angelangt sind.«
    »Verstehe. Und wo liegt dieses Ziel?«
    »Auch das werde ich dir nicht verraten.«
    »Warum nicht?«
    Wieder stieß der Ork grunzende Laute aus, die wohl ein Lachen sein sollten. »Glaubst du, ich merke nicht, was du im Schilde führst?«
    »Was meinst du?«
    »Ich meine, dass du uns in eine Falle locken willst. Zuerst hilfst du uns, vor deinen eigenen Leuten zu fliehen, und dann verrätst du uns auch noch großzügigerweise, wo sich der Zugang zur Südpassage befindet. Das ist ziemlich befremdlich, oder?«
    »Zugegeben«, gab Alannah zu, »aber ich habe meine Gründe dafür.«
    »Dann«, meinte der Ork, und plötzlich hatte Alannah die Spitze seines Speers an der Kehle, »wäre es nett, wenn du mir diese Gründe verraten würdest, Spitzohr!«
    »Du wirst mich nicht töten«, war sie überzeugt.
    »Warum nicht?«
    »Ich bin die Einzige, die das Geheimnis der Karte kennt. Schon vergessen?«
    »Nein, das habe ich nicht vergessen«, konterte der Ork zähnefletschend. »Aber bisweilen kommt es vor, dass ich mich vergesse, und darauf solltest du es nicht ankommen lassen.

Weitere Kostenlose Bücher