Die Quelle
darüber mit
dem König zu beraten.“
Ruvin lächelte über den Scherz und auch Miren
hatte vermutlich das Gespräch belauscht, denn Leathan bemerkte, wie er
sich über die unbekümmerte Zuversicht von Leathan zu freuen schien.
Trotz der Prophezeiung war sich bisher niemand sicher
gewesen, ob der Bote den König tatsächlich finden würde. Das war
Leathan längst klar geworden. Immerhin war der König seit
Jahrhunderten von den Göttern verbannt worden und keiner konnte mit
Sicherheit sagen, ob seine Unsterblichkeit Wirklichkeit war oder nur Legende.
Allein die Prophezeiung hatte ihnen etwas über den Verbleib ihres
Königs verraten, doch Prophezeiungen konnten auch missdeutet werden, wie
Leathan inzwischen wusste.
Als erste brachte Aladrie ihr Pferd zum Stillstand. Sie
blickte wie erstarrt hinter sich. Nicht nur Ruvin folgte ihrem Beispiel und
drehte sich um. Der gesamte Trupp sah angsterfüllt zurück, doch
keiner von ihnen schien in der Lage zu sein, zu reagieren. Leathan versuchte zu
erkennen, was ihm entgangen war, doch er entdeckte nichts Ungewöhnliches.
Diesmal zögerte er nicht, in den Gedanken seines Freundes nach dem Grund
für die plötzlich sorgenvollen Gesichter seiner Begleiter zu suchen.
Ein eiskalter Windstoß hatte Aladrie gestreift und in Ruvins Geist war
der Gedanke an einem Unwetter aufgeflackert. Leathan war erstaunt, wie sehr die
Gedanken der einzelnen Krieger miteinander verwoben waren… ‚Waren sie ständig
miteinander verbunden?’ dachte er und bemerkte zu spät, dass er diesen
Gedanke Ruvin mitgeteilt hatte.
„Ein Volk, ein Gedanke…“ sagte Ruvin laut, um Leathan zu
antworten. „Kannst du erkennen, was auf uns zukommt?“
Leathan konnte hören, wie jeder der Krieger Macht in
sich rief. Ihre Klänge hallten sanft durch die nähere Umgebung, auf
der Suche nach Antworten. Leathan konzentrierte sich, um es ihnen gleich zu
tun. Leise Klänge erfüllten ihn, als er gen Himmel blickte und
gleichzeitig wie alle anderen, die Antwort plötzlich deutlich vor Augen
hatte. Für Worte war nicht genug Zeit. Seine Befehle erteilte Ruvin
telepathisch, während er selbst von seinem Pferd sprang.
Leathan hatte kaum Zeit zu reagieren, als der Wirbelsturm
bereits über sie hereinbrach. Wie aus dem Nichts war er am Horizont
aufgetaucht und schob eine breite Hagelfront vor sich her.
Leathan folgte dem Beispiel seiner erfahrenen Begleiter.
Er sprang von seinem Pferd und brachte es dazu, sich hinzulegen. Niemand kümmerte
sich um die Packpferde, die panisch über die Prärie davon
galoppierten. Währenddessen rannte Ruvin einige Meter weiter zu einem
kleinen Erdhügel und rammte sein Schwert auf den höchsten Punkt, um
es als Blitzableiter dienen zu lassen.
Es gab weit und breit kein Versteck und als die ersten
faustgroßen Hagelkörner auf sie einschlugen, waren sie ihnen hilflos
ausgeliefert. Sie hockten bei ihren Pferden und versuchten, so gut es ging,
sich und die Tiere vor den Naturgewalten zu schützen, während Ruvins
Schwert von unzähligen Blitzen getroffen wurde. Leathan kauerte
furchterfüllt auf dem Boden. Allein seine Aufgabe, das Pferd beruhigen zu
müssen, hielt ihn davon ab, selbst in Panik zu geraten. Schließlich
suchte er telepathisch Hilfe bei seinen Freunden. Er betrat ihre vereinten
Gedanken und befand sich plötzlich in einer gedanklichen Oase, in der der
Lärm keine Macht mehr hatte, in der Angst keinen Anhaltspunkt finden
konnte… Es war, als könne nichts die Krieger berühren. Leathan atmete
erleichtert auf und richtete seinen Blick auf den näher kommenden
Wirbelsturm… Wie es seine Begleiter taten, versuchte er die Klänge der
Macht zu nutzen, um das Unwetter gedanklich zu erfassen und es kühl und
beherrscht zu analysieren…
Jeder von ihnen wusste, dass sie verloren waren, wenn die
gewaltige Windhose nicht bald ihre Richtung ändern würde. Erdklumpen
wurden vor ihren Augen in die Höhe gerissen und kilometerweit
geschleudert. Der Wirbelwind hatte genug Kraft, um das gleiche mit ihnen zu
machen!
Ruvin zog sich plötzlich von der Verbindung
zurück. Sein letzter Gedanke war erschreckend.
‚Das ist keine Naturgewalt! Wir werden angegriffen!’
Schlagartig zog sich auch Leathan aus der Verbindung
zurück und richtete sich kampfbereit auf. Sein Pferd sprang ebenfalls auf
und galoppierte panisch davon, doch Leathan kümmerte sich nicht
länger darum. Der ohrenbetäubende Lärm war auch über ihn
eingebrochen, der Lärm, der Furcht erzeugte… Auch der Lärm
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