Die Quelle
war
unnatürlich! Leathan konnte deutlich hören, wie Ruvin versuchte, Macht
in sich zu sammeln, um die magisch erschaffene Windhose von der kleinen Gruppe
fernzuhalten. An seinem verzweifelten Gesichtsausdruck war jedoch leicht zu
erkennen, wie chancenlos er selbst seinen Versuch einschätzte. Der Magie,
die hier im Spiel war, fühlte er sich anscheinend nicht gewachsen.
Leathan versuchte nun ebenfalls sich auf den Windwirbel
zu konzentrieren.
Jetzt konnte er tatsächlich deutlich die magische
Schallwelle hören, die ihre furchterregenden Klänge in eine
Naturgewalt verwandelt hatte. Er hatte keine Vorstellung davon, wie er es
anstellen konnte, sie zu bekämpfen, als ihm plötzlich die Lösung
einfiel. Wie er es bereits einmal getan hatte, sammelte er um sich so viel
magische Kraft, wie es ihm in der kurzen Zeit, die ihm noch blieb, möglich
war.
Als plötzlich der Hagel aufhörte, war die
Windhose fast über sie gekommen und die ersten Erdklumpen schlugen auf sie
ein, während andere in die Höhe gerissen wurden.
Leathan ließ die geballte Energie in ihm in Ruvin
einfließen und hoffte dabei, seinem Freund nicht zu schaden.
„Jetzt!“
Leathans Schrei erreichte ihn nicht, doch Ruvin
spürte, wie plötzlich eine Macht über ihn kam, wie er zuvor
für unmöglich gehalten hätte. Sein Körper fühlte sich
an, als könne er jederzeit zerreißen, doch er sprang
kämpferisch auf und streckte seine Hand aus, um die Energie abzuleiten.
Die Klangwoge, die aus seiner Hand der Windhose entgegen stürmte,
vollbrachte ein Wunder. Die so widersprüchlichen, mächtigen
Klänge vereinten sich, wandelten sich in einem Schallchaos und lösten
sich gegenseitig auf... Die Windhose verschwand mit einem Schlag, alle
Erdklumpen fielen zu Boden und Ruhe kehrte plötzlich ein.
Der Himmel war friedlich und blau wie zuvor, als
wäre nichts passiert, als hätten alle nur ein Trugbild gesehen, aus
einem Albtraum geboren. Allein der aufgerissene Boden zeugte von dem, was
geschehen war. Ruvin war außer Atem. Er konnte noch nicht fassen, was
gerade geschehen war, doch langsam erholte er sich vor seinem Schock und er
spürte zum ersten Mal in seinem Leben wahren Zorn, so mächtig, dass
er nicht einmal versuchte ihn zu beherrschen. Herausfordernd ballte er eine
Faust und schrie gen Himmel.
„Anthalion, du kannst uns nicht besiegen!“
Leathan atmete erleichtert aus. Sie waren dem Tod
entkommen… Noch nie hatte er sich lebendiger gefühlt! Die Krieger
rückten näher zusammen, sie wirkten, als würden sie sich am
liebsten erleichtert umarmen, vermutlich hielt sie allein ihre anerzogene
Zurückhaltung davon ab. Dankbar blickten sie zu Ruvin, der plötzlich
lachend den Kopf schüttelte und auf Leathan deutete.
„Er war es! Oder glaubt ihr wirklich ich bin
plötzlich zu einem der Mächtigen mutiert! Leathan, warum hast du es
nicht selbst vollbracht? Ich wusste gar nicht was mir geschieht, als du mir
deine Energie geschickt hast! Es war kaum auszuhalten!“
Ruvins Augen leuchteten jedoch während er sprach und
Leathan wusste, dass er keine Antwort hören wollte.
Es war geschehen, sie hatten überlebt. Das reichte
vorerst.
Ihre Freude währte jedoch nicht lang. Weit am
Horizont, einen guten Tagesritt entfernt, über Ker-Deijas, braute sich am
Himmel ein gewaltiger Sturm zusammen. Aus dieser Entfernung konnten sie das
Ausmaß dessen, was sie sahen, nicht richtig einschätzen, doch es
wirkte um einiges gewaltiger als der Sturm, welchen sie gerade überlebt
hatten.
Die kleine Gruppe starrte bedrückt auf den Horizont
und hoffte darauf, die schwarzen, eisernen Wolken würden sich
auflösen, doch sie taten es nicht. Leathan erschauderte, er
befürchtete das Schlimmste. Sie waren jedoch zu weit entfernt, um
irgendetwas dagegen unternehmen zu können. Leathan konnte nur darauf
hoffen, Mehana würde eine Lösung kennen, um ihre Stadt zu
schützen. Doch er hatte Angst um sie…
„Wir müssen zurück!“, verkündete Leathan
plötzlich.
Ruvin näherte sich ihm, jede Freude über seinen
kleinen Sieg schien aus ihm gewichen zu sein.
„Nein, Leathan, lass Mehana diesen Kampf führen,
unsere Aufgabe liegt in der anderen Richtung.“
*
Eile war geboten. Ruvins Befehl war klar und
unumstößlich.
„Wir dürfen keine Rast mehr einlegen, wir
könnten jederzeit erneut angegriffen werden. Ruft die Pferde zurück,
werft das Gepäck von den Packpferden. Wir behalten nur, was wir zum
Überleben brauchen. Los, Beeilung! Vielleicht weiß unser
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