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Die Quelle

Die Quelle

Titel: Die Quelle Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Larissa Cosentino
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stimmen.
    „Ich verstehe nicht ganz… Wenn du sagst, dass nur
Weisheit zu Macht führt, wie kommt es dann, dass es so viele mächtige
Menschen gibt, die, allem Anschein nach, keine Spur von Weisheit besitzen?
Anthalion oder Alienta sind das perfekte Beispiel dafür.“
    Der König schien die Unterhaltung zu genießen.
Er setzte sich wieder auf. Jede Spur von Traurigkeit war von ihm gewichen, als
habe er etwas gefunden, das er lange vermisst hatte.
    „Anthalion ist kein Mensch. Er ist ein Geist, der nie
hätte geboren werden sollen, daher kann man ihn kaum mit anderen
Lebensformen vergleichen. Was Alienta angeht: er ist womöglich weise.
Seine Seele ist es. Nach seinem Tod wird er sich seiner selbst wieder bewusst
werden, doch nun, da er in einem Körper geboren wurde, kann nur ein Teil
seiner Seele zum Ausdruck kommen. Das ist leider nicht immer der, der die guten
Eigenschaften enthält. Wenn man zum Beispiel im Körper eines Tieres
geboren wird, hilft es kaum etwas, wenn die Seele weise ist. Man kann nur den
Instinkten und restriktiven Gedanken des Wesens folgen, als welches man geboren
wurde,. Dennoch bleibt die Seele weise und mächtig. Die Hülle, in der
wir leben, schwächt uns und vermindert unsere Fähigkeiten.
Gleichzeitig schenkt das Leben unseren Seelen Erfahrung.“
    Leathan stutze.
    „Heißt das, Alientas Körper hindert ihn daran,
seine Weisheit auszuleben? Das würde ja bedeuten, dass kein Mensch jemals
zu Weisheit gelangen kann…“
    Der König wurde nachdenklich, doch seine Augen
leuchteten nach wie vor.
    „Vielleicht ist es so… Ein anderes Beispiel: Ich selbst
bin in dieser Hülle seit Jahrhunderten gefangen. Ich habe gelernt, sie so
gut es geht zu nutzen, daher habe ich etwas mehr Möglichkeiten als andere.
Dennoch kann ich es kaum erwarten, endlich diesen Körper abzulegen, um mir
meiner Seele wieder vollständig bewusst werden zu können. Vielleicht
ist alles, was ich sage und zu wissen meine ja völlig falsch. Das werde
ich jedoch erst erfahren, wenn ich tot bin... Das könnte allerdings sehr
bald eintreten, wenn mein Volk ausgelöscht wird.“
    Leathan konnte nicht verstehen, was der König genau
damit meinte. Die Erklärung die der König sogleich gab, gefiel ihm
nicht, denn sie zeigte einmal mehr, wie ernst die Lage war.
    „Ich habe den Weg zur Unsterblichkeit gefunden, indem ich
mich an mein Volk gebunden habe. So lange sich jemand von meinem Volk an mich
erinnert, werde ich weiter leben…“
    Dem König war damals nicht bewusst gewesen, dass er
diesen selbst auferlegten Fluch nicht rückgängig machen konnte. Nun
hatte er Unsterblichkeit zu erleiden, was zusammen mit dem Fluch der
Verbannung, der ihm von Anthalion und seinen göttlichen Geschwistern
auferlegt wurde, eine schwere Bürde war.
    „Damals schien es mir eine gute Idee zu sein, lange genug
zu leben, um mein Volk in eine neue Ära zu führen. Dass aber erst
dadurch die ewigen Geister richtig zornig wurden und ich es nicht mehr
rückgängig machen konnte, hatte ich nicht bedacht. Ich war damals
noch viel zu impulsiv und wahrscheinlich Serfaj ähnlicher als gut für
mein Volk und für mich war.“
    Der Ausflug in die Vergangenheit hatte des Königs
Laune wieder in düstere Gefilde versetzt und er wurde nachdenklich.
Allmählich verstand Leathan besser des Königs Leid…
    „Du solltest jetzt wirklich schlafen, ich brauche deinen
Geist im hellwachen Zustand, wir haben morgen noch einiges sehr anstrengendes
zu erledigen. Wir müssen einen Weg finden, um Anthalion daran zu hindern;
mein Volk zu vernichten, nur um mich endlich zu töten.“
    Leathan hätte gerne erfahren, was der König
damit meinte und wollte gerade antworten, dass er nicht die geringste Spur von
Müdigkeit empfand, als der König sanft seine Hand auf Leathans
Gesicht legte. Leise Klänge begleitet von einem warmen, angenehmen Gefühl
überfluteten Leathan und er fiel sofort in einen tiefen, ruhigen Schlaf.
     
    Der König legte eine Felldecke über seinen Gast
und blickte liebevoll auf ihn. Zärtlich streifte er Leathans Stirn und
leise Tränen füllten seine Augen. Der Schmerz, den er
jahrhundertelang in sich vergraben hatte, fand seinen Weg an die
Oberfläche.

Kapitel 17
    Leathan war in den Wald gegangen und darin verschwunden.
Ruvin und seine Krieger sahen ihm lange nach. So viel Hoffnung lag in diesem
Augenblick, so wichtig war Leathans Mission und doch konnten sie nichts tun, um
ihm zu helfen. Es lag das Schicksal ihres Volkes nicht länger in

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