Die Quelle
mehr Vertrauen
in meine Visionen zeigen… Doch möglicherweise hast du Recht, die Zukunft
ist im ständigen Wandel, die einstige Vision hat hoffentlich keine
Gültigkeit mehr... Was denkst du? Wie wollen wir vorgehen? Würde es
helfen, Anthalion zu töten?“
Wie von Leathan erwartet, runzelte der König
unzufrieden dir Stirn, als er den rücksichtslosen Vorschlag hörte.
„Das ist zu riskant, außerdem möchte ich aus dir keinen Mörder
machen.“
Sowohl durch seine Worte als auch durch ein
gleichgültiges Schulterzucken versuchte Leathan seinen mörderischen Vorschlag
zu verharmlosen. „Ich töte ja nur eine Hülle, so lange ich der Seele
nichts antue, ist es doch nichts Schlimmes…“
Der König wirkte fast verärgert, als er
Leathans Worte vernahm. Er stand ungeduldig auf und sah ihn eindringlich an,
während er antwortete. „Nein, das ist falsch. Du bist eine Seele, die
fähig ist, sich auch ohne Körper weiterzuentwickeln, doch unsere
Seelen sind anders beschaffen. Wir brauchen einen Körper, um zu existieren
und um uns weiter zu entwickeln, wir sind an diese Existenzebene gebunden.
Jedes Leben, das zu früh beendet wird, ist ein Hieb in die Seele. Jedes
Leid, das wir in unseren Körpern durchleben, verändert unweigerlich
und für ewig die Beschaffenheit unserer Seele.“
„Anthalion ist eine göttliche Seele, er hätte
nie geboren werden dürfen… Er und ich auch, wir haben das Gefüge des
Universums betrogen und uns dadurch Zugang zu einem Körper verschafft.
Einen von uns zu töten, ist kein Mord.“, versuchte Leathan den König
zu beschwichtigen, doch er sah in seinem Antlitz, dass es ihm nicht gelungen
war.
Zärtlich und besorgt zugleich klang die Stimme des
Königs, als er sich zu Leathan zurücksetzte. „Was passiert, wenn du
getötet wirst? Wirst du wie wir in einem sterblichen Körper
wiedergeboren werden oder wirst du wieder als Kind der Quelle existieren?“
Die Vorahnung legte sich erneut wie ein dunkler Schleier
um Leathans Gedanken, als wolle sein Unterbewusstsein ihm etwas verraten, doch
fürchtete es sich gleichzeitig vor der Erkenntnis dermaßen, dass es
sein Geheimnis wahrte. Leathan bemühte sich, die Frage zu beantworten,
ohne seine aufgewühlten Gefühle zu zeigen… Er konnte selbst
hören, wie kühl und distanziert seine Stimme dabei klang und er
verfluchte plötzlich seinen menschlichen Körper, der ihm seinen
Seelenfrieden nahm und ihn gleichzeitig in seinen visionären
Fähigkeiten einschränkte.
„Ich weiß es nicht. Wenn ich vorhin zu
meinesgleichen zurückgekehrt wäre, hätte ich meinen Platz wieder
einnehmen können. Aber wenn mein Körper getötet wird oder
stirbt, dann weiß ich nicht, was mit meiner Seele passiert…“
Leathan erzählte von seinem Tod als Elena. Er
erzählte, wie er sich an den menschlichen Geistern festgekrallt hatte, bis
er einen Weg gefunden hatte, als Lisa geboren zu werden. Das alles war
unbewusst geschehen, doch was wäre passiert, wenn er die materielle Ebene
verlassen hätte? Hätte er es dann jemals geschafft, noch einmal
wiedergeboren zu werden, um die Prophezeiung zu erfüllen? Schon beim
ersten Mal, hatte er sich kaum dazu überwinden können, seine Seele in
den Körper eines Menschen zu sperren, doch diese Furcht vor der Existenz
als Mensch, verriet er dem König nicht. Er verriet ihm auch nicht, wie
machtlos er sich in diesem einengenden Körper fühlte... Wie lange
konnte er es noch ertragen, nun da die Rückkehr in seiner eigentlichen
Form zum Greifen nah war? Noch immer war Leathan in seine Gedanken versunken,
als der König aufstand, als versuche er die Distanz, die er in Leathans
Stimme und in seinem Verhalten erspürt hatte, nun auch für sich zu
gewinnen. Er fällte seine Entscheidung als König, nicht als der
Liebende, den Leathan zuvor geglaubt hatte, wieder zu finden.
„Ich möchte, dass du zu Anthalion gehst und ihn
kennen lernst. Ich will wissen, was genau er vor hat und was seine
Beweggründe sind. Vielleicht können wir ihn von seinen Plänen
abbringen. Nun, da er als Mensch geboren wurde, hat er vielleicht seine
Denkweise geändert. Nur wenn wir den Feind kennen, können wir
entscheiden, ob es einen Weg der Versöhnung gibt. Danach kommst du wieder
und wir entscheiden, was zu tun ist. Vielleicht ist sein Tod tatsächlich
die Lösung, doch wer weiß? Würde er dann nicht doch noch einen
Weg finden, wiedergeboren zu werden und uns erneut bedrohen? Wir wissen noch
nicht genug über ihn, über seine Macht, um zu
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