Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die Quelle

Die Quelle

Titel: Die Quelle Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Larissa Cosentino
Vom Netzwerk:
den
Anblick, für den sich die Mühe gelohnt hatte. Der Turm war so hoch,
dass er einen Überblick über die gesamte Stadt bot. Die Sonne stand
bereits tief am Horizont und nahm allmählich ein leichtes Rot an, das sich
im Meer widerspiegelte.
    „Nun kleiner Bote, erhol dich von dem langen Aufstieg und
komm wieder zu Atem, ehe du antwortest.“
    Jetzt erst fiel es Leathan auf, dass er die ganze Zeit
geschwiegen hatte und eher auf den mühsamen Aufstieg konzentriert gewesen
war.
    „Verzeihung… Es war ein harter Tag, ich wollte durch mein
Schweigen nicht unhöflich sein.“
    Anthalion wandte sich ab, ohne auf die Floskel
einzugehen. Er legte seinen Stirnreif ab und ließ den kostbaren Schmuck
auf der Mauer der niedrigen Brustwehr liegen, als distanziere er sich durch
diese Geste von seiner Rolle als König. Einige Schritte weiter blieb er an
der Mauer stehen und sah in die Ferne, als erwartete er dort etwas.
    In respektvoller Distanz stelle sich Leathan zu ihm, doch
er schwieg weiterhin, denn er wusste nicht, wie er das Gespräch
führen konnte. War es jetzt angebracht, über die Quelle, Ker-Deijas
und das Volk der Wächter zu sprechen? Wohl kaum, dennoch war dies sein
einziges Anliegen. Was wollte Anthalion von ihm hören? Er schien sich nur
dafür zu interessieren, wer er war, doch diese Information hatte Leathan
nicht vor preis zu geben… Schließlich wandte Anthalion seinen Blick vom
Meer ab, um ihn eisig zu mustern. Eine leise Melodie klirrte durch die Luft und
verriet, dass der Gott-König Macht aufrief. Versuchte er einmal mehr in
seine Gedanken einzudringen? Ein Zucken durchfuhr die Hand des Herrschers und
seine Stimme klang diesmal ungeduldig, fordernd und zornig zugleich.
    „Jetzt hören wir mit dem Geplänkel und den
Höflichkeiten auf. Ich will wissen, wer du bist und ich warne dich, ich
bin nicht so naiv wie Loodera, zu glauben, du wärst der Geist einer
Jugendlichen.“
    Leathan spürte den Druck auf seinen Schläfen,
als Anthalion versuchte den Schutz seiner Gedanken zu sprengen. Er musste ihm
seine Frage beantworten, ehe es in einen Kampf ausarten würde.
    „Mein Geist war wirklich im Körper einer
Sechzehnjährigen geboren worden, doch ich denke, ich habe schon öfter
gelebt. Ich weiß es sogar, denn ich kann mich daran erinnern. Hier und
jetzt, bin ich als Bote gerufen worden. Als Stimme des Königs, den du un
deine Geschwister verflucht habt. Ich soll seine Botschaft überbringen,
mehr nicht.“
    Im Augenblick, da die Melodie lauter und wilder wurde,
wusste Leathan, dass er die falschen Worte gewählt hatte. Mit einer halben
Wahrheit gab sich Anthalion offensichtlich nicht zufrieden. Leathans Kopf
begann schmerzvoll zu pochen und ihm wurde warm, als würde das Blut in
seinem Schädel anfangen zu kochen. Anthalions Körper bebte, als
könne er selbst der Macht, die in ihm wuchs, kaum Einhalt gebieten. Seine
Stimme klang wie ein raues Echo seiner Seele.
    „Die Botschaft des Verdammten interessiert mich nicht!
Ich werde sein Volk zerstören und seinem betrügerischen Leben damit
ein Ende setzen. Ich will wissen, wer du bist! Ich will wissen, wer in meiner
Stadt die Göttin gespielt hat und es wagte, mich mit einer Botschaft zu
verhöhnen! Antworte!“
    Leathan senkte den Blick. Er bereute es jetzt, durch sein
Verhalten als Stella eine Fährte zu seiner wahren Natur gelegt zu haben. Er
hatte Anthalion zeigen wollen, dass er als als Gegner nicht zu
unterschätzen war, sich ihm als Kind der Quelle zu offenbaren, wäre
verhängnisvoll. Die Einmischung eines Kindes der Quelle hätte den
Gott zur Weißglut gebracht. Zusätzlich kam hinzu, dass Anthalion
seine wahre Natur mit Leichtigkeit gegen ihn auszuspielen vermocht hätte.
Zu gut kannten die Götter die Kinder der Quelle, um nicht auch zumindest
zu ahnen, welche ihre Schwächen waren... Leathan musste weiterhin
Anthalions Neugierde schüren; um am Leben zu bleiben, doch aus denselben
Gründen, nicht zu viel preisgeben... und doch....hatte er nicht bereits zu
viel von sich gezeigt? Möglicherweise wusste Anthalion längst, mit
wem er es zu tun hatte...
    Zu lange hatte Leathan gezögert... Sein beharrliches
Schweigen hatte Anthalions Geduld augenscheinlich überstrapaziert, denn
eine neuerliche Energiewelle erfasste Leathan. Schmerz brach durch seinen Kopf
hindurch in seinen gesamten Körper ein, als ziele der Herrscher nun
darauf, die Seele die sich darin verbarg herauszuzerren, auch wenn er ihn
dadurch töten würde. Leathan musste sich nicht nur

Weitere Kostenlose Bücher