Die Quelle
sagt? Die Nomaden
könnten auch ohne Anthalias Wellenbrecher Fische aus dem Wasser ziehen,
stattdessen verhungern sie… Warum tut er das? Weshalb verschweigt er dieses Wissen?“
Leathan antwortete ohne zu zögern.
„Ich weiß, dass Anthalion dein König und dein
Gott ist, aber glaube mir, die Hungersnöte der Menschen interessieren ihn
nicht. Sein Ziel ist es, Gebete zu erhalten. Um sich diese zu sichern, will er
den See der Quelle zerstören, um das Volk der Wächter seiner Macht zu
berauben und die Quelle dann zum Versiegen zu bringen. Auf diese Weise werden
die Menschen weiterhin von den Göttern abhängig sein, um magische
Kräfte zu erhalten. Nur aus diesem Grund hat Anthalion menschliche Gestalt
angenommen und nur aus diesem Grund hat er die Unterstützung der anderen
Götter erhalten. Ich denke, einen Teil seines Planes durchschaut zu haben.
Er wird vom Land aus Ker-Deijas angreifen lassen. Während mein Volk sich
gegen diese Angriffe verteidigt, wird er einen Teil seiner Armee über das
Meer segeln lassen und so unbemerkt zum See der Quelle gelangen. Wer erwartet
schon einen Angriff aus dem Meer?“
Sihldan wirkte nachdenklich und schließlich nickte
er austimmend, ganz in seiner Welt des Krieges und des strategischen Denkens
eingetaucht.
„Das wäre eine gute Strategie, was kaum erstaunlich
ist, wenn man bedenkt, dass diese von einem Gott stammt. Wenn dein Volk jedoch
davon erfährt, ist sie fast wertlos, denn der Überraschungseffekt ist
in diesem Fall der Schlüssel zum Sieg. Wenn die Überraschung
misslingt, würde sich dann der Krieg in einer gewöhnlichen Schlacht
an zwei Fronten entscheiden. Wie stark ist eigentlich eure Armee?“
„Mit der Macht der Quelle ist sie mächtig genug, um
zu siegen… vermute ich…“ Noch immer war sich Leathan dessen unsicher, denn er
vermochte nicht einzuschätzen, wie viele Priester Anthalions Armee
begleiten würden und ebenso wenig wusste er, was sie während einer
Schlacht anrichten konnten. Noch immer wusste er nicht genug über diese
Welt, dennoch war sein bisher in Erfahrung gebrachtes Wissen so wichtig, dass
er bereits darüber nachdachte, wie er Mehana eine Botschaft
übermitteln könnte.
„Sich mit Vermutungen auf einen Krieg vorzubereiten, ist
nicht weise. Sogar den Plan Anthalions glaubst du nur zu kennen. Wir sollten
noch mehr in Erfahrung bringen, ehe du zu deiner Stadt zurückkehrst…“
Leathan lächelte, als er Sihldans Worte hörte.
„Sagtest du gerade wir?“
„Natürlich habe ich das.“, antwortete Sihldan mit einem
freundschaftlichen Lächeln, „Du hast mir alles anvertraut, damit mein Clan
dir hilft oder gibt es dafür einen anderen Grund?“
Leathan versuchte in den Gedanken seines Freundes zu
erkennen, wie ehrlich er es meinte, doch noch immer gab es dort nichts
Aufschlussreiches zu lesen.
„Ich habe dir alles erzählt, weil ich wusste, dass
du mich nicht verraten würdest...“, wagte Leathan zu antworten. Sihldans
Gesichtsausdruck verriet nicht, ob diese schmeichelnden Worte ihn mit
schlechtem Gewissen belasteten. „...Nach allem, was du für mich getan
hast, schulde ich dir zumindest Ehrlichkeit. Auf Unterstützung zu hoffen,
hätte ich nicht gewagt.“, fügte Leathan wahrheitsgemäß
hinzu.
Ein Gähnen Sihldans erinnerte Leathan daran, wie
spät es bereits war.
„Nun, ich kann doch schlecht einen Herrscher
unterstützen, der sein Volk verhungern lässt, nur um ein anderes auszulöschen.
Ich bin mir sicher, dass mein Vater das genauso sehen wird. Ich denke, unsere
Unterstützung hast du.“ Mit diesem Worten stand Sihldan auf, streckte sich
und ging zur Tür. Offensichtlich war für ihn das Thema beendet. „Wir
sehen uns morgen, mein Freund.“, sagte er noch, während er die Tür
öffnete und hinausging.
„Ja, bis morgen…“, log Leathan ihn an, denn kaum fiel die
Tür zurück in das Schloss, sprang Leathan aus seinem Sessel hoch. Er
musste schnell handeln, nun, da Sihldan all sein Wissen teilte. Er spürte
die Anwesenheit Balsiks vor der Tür, sandte müde Gedanken zu ihm und
nur wenige Sekunden später schlief der Diener einmal mehr auf seinem Stuhl
ein.
*
Obwohl auch er erschöpft war, war Leathan froh um
die späte Stunde, denn so konnte er entlang der Flure bis vor Sihldans
Zimmer eilen, ohne jemanden anzutreffen. Sihldans Diener hatte auf einer
schmalen Bank vor Sihldans Tür bereits ohne sein magisches Zutun die Welt
der Träume betreten, so konnte Leathan unbeobachtet davor stehen bleiben.
Er ließ
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