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Die Quelle

Die Quelle

Titel: Die Quelle Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Larissa Cosentino
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seinem Geist freien Lauf und erforschte Sihldans Gedanken. Sein
Freund lief unruhig in seinem Zimmer umher. Etwas plagte ihn, doch, wie in den
vergangenen Tagen, konnte Leathan seine Gedankenwelt kaum lesen… Er musste
warten.
    Es verging fast eine ganze Stunde, ehe Sihldan endlich zu
Bett ging und fast augenblicklich einschlief. Endlich konnte sich Leathan an
dem schnarchenden Diener vorbei schleichen und das Zimmer betreten. Auch in der
Dunkelheit stach der Luxus dieser Suite hervor. Die weichen Polster der Couch
fielen Leathan vorrangig auf, da sie ihn einzuladen schienen, sich ebenfalls endlich
auszuruhen. Eine nur angelehnte, weitere Tür mahnte ihn jedoch zu Vorsicht
und Wachsamkeit, denn weitere Räume bedeuten möglicherweise Gefahr.
Leise inspizierte Leathan den als Wohnzimmer eingerichteten, einzigen
Nebenraum, den er fand. Mindestens zehn Männer hätten bequem hier
Platz finden können, was verriet, wozu dieser Raum gedacht war: als
Besprechungszimmer, auf dessen Verwendung Sihldan laut Leathans Wissen bislang
verzichtet hatte. Wachen oder Diener gab es hier keine und nun da sich Leathan
dessen versichert hatte, konnte er sich ganz seiner Aufgabe widmen.
    Er nahm einen Holzstuhl aus dem Besprechungsraum mit,
setzte sich darauf neben Sihldans Bett, um seinen schlafenden Freund zu
beobachten. Als er leise Klänge aufrief, um die Welt Sihldans Träume
zu betreten, bewahrheitete sich seine Vermutung und er seufzte erleichtert auf.
Dort wo die Träume geboren wurden, waren seine Gedanken nicht blockiert
worden. Nun musste er das, was er suchte, an die Oberfläche bringen.
    Sihldan durchlebte gerade einen klassischen Albtraum, was
nach den Erlebnissen dieser Nacht kaum verwunderlich war. Leathan würde
rasch eingreifen müssen, wenn er Sihldans Erwachen verhindern wollte. –Ein
Meeresungeheuer verfolgte ihn. Sihldan rannte den Strand entlang, um zu
entfliehen, doch plötzlich blieb er im Treibsand stecken.– Leathan
suggerierte an dieser Stelle die Anwesenheit Anthalions und lächelte, als
er sah, wie leicht es ihm gelang, den Traum zu beeinflussen.
    – Anthalions bösartiges Lachen hallte über
den Strand. Er war größer als das Ungeheuer und zog Sihldan aus dem
Sand heraus – erneut musste Leathan lächeln, doch diesmal schämte
er sich dafür, denn es war kaum angebracht, über das Unterbewusstsein
seines Freundes zu spotten. Es war im Grunde sogar anmaßend, seine
Traumwelt zu betreten, doch er hatte leider keine andere Wahl. Er ließ
die Traumgestalt Anthalions zu Sihldan sprechen und vermied es dadurch, Sihldan
länger frei träumen zu lassen. Möglicherweise konnte Leathan
dadurch verhindern, noch mehr über Sihldans Unterbewusstsein zu erfahren. –‚Erinnere
dich an unser Gespräch! Wenn du ein einziges Detail vergisst, werfe ich
dich dem Ungeheuer des Meeres zum Fraß vor’– Leathan konnte sehen,
wie sich das Traumszenario schlagartig veränderte. Sie waren zurück
an dem Tag, an dem Sihldan Anthalion getroffen hatte.
    *
    –Sihldan betrat den Raum in einer Mischung aus Freude,
Angst und Ehrfurcht. Er wagte kaum den Blick zu heben, um das Antlitz seines
Gottes zu betrachten.
    Aus dem Augenwinkel sah er ihn jedoch, wie er auf
einem Thron am anderen Ende des Raumes saß. Mit dem Gesicht gen Boden
kniete er nieder. Lange ließ ihn Anthalion in dieser Position verharren,
erst Minuten später, die Sihldan wie eine Ewigkeit vorkamen und seine
Furcht ins unermessliche wachsen ließen, erhob der Gott-König seine
Stimme. Messerscharf klang sie und Sihldan hatte das Gefühl, sie durchdrang
jede Faser seines Körpers.
    „Steh auf, Erbe Isentiens. Du wolltest also den Boten
der Hexer gegen deinen Bruder eintauschen? Keine schlechte Idee. Vielleicht
hätte ich mich sogar darauf eingelassen. Erklär mir, weshalb du den
Hexer jetzt doch als Krieger an deiner Seite möchtest.“
    Sihldan rang nach Worten, während er, verwundert
über sich selbst, die Kraft fand, aufzustehen. Anthalion blickte
gelangweilt aus einem der Fenster, als interessiere er sich nicht dafür,
die Antwort auf seine Frage zu hören. Seine rechte Hand strich über
den roten Samt, der die Armlehne seines Thrones zierte.
    „Mein Herr, es gibt dafür zwei Gründe. Mein
Bruder wird von meinen Kriegern nicht mehr akzeptiert und obwohl Histaliens
Kriegskunst die beste des Landes ist, wären wir durch diese Feindseligkeit
geschwächt. Leathan, der Bote von Ker-Deijas, ist ein guter Krieger und
seit er mein Leben gerettet hat, vertrauen ihm

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