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Die Quelle

Die Quelle

Titel: Die Quelle Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Larissa Cosentino
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auch zu überleben, was ihm während des Turniers
nur gelingen konnte, wenn er halbwegs bei Kräften blieb. Trotz all seiner
Bemühungen hatte er keinen Weg gefunden, mehr über Anthalions
Absichten zu erfahren, doch er hatte seine Zeit genutzt, um den meisten
Eventualitäten entgegen treten zu können.
    Nun stand Balsik an seiner Seite und half ihm, sich
für seinen Auftritt vorzubereiten. Leathan ließ sich
gedankenverloren von seinem bemühten Diener die festliche Kleidung
überstreifen. Sihldans Frauen hatten für alle Krieger Isentiens
passende Kleidung mitgegeben, so stand Leathan in dem bestickten Gewand in
seinem Zimmer und fühlte sich verkleidet, was seiner Nervosität und
Unsicherheit noch verstärkte. Leathan hatte in den vergangenen Tagen viele
Gedanken von Gardisten, Priestern und auch von Dienern erforscht. Seine
Erkenntnisse daraus beunruhigten ihn zunehmend. Obwohl Sihldan und er
gleichermaßen zu den besten Kriegern gezählt wurden, galt Isentiens
Clan bei weitem nicht als Favorit des Turniers.
    Die Favoriten des diesjährigen Turniers waren die
Männer von Sulidians Clan. Die meisten, die über Insiderwissen
verfügten, hatten auf sie gewettet. Sulidians Krieger waren nicht nur alle
außergewöhnliche Kämpfer, sondern sie hatten auch die letzten
Jahre in den Kriegsgebieten am Rande von Anthalions Reich verbracht, wo sie
fast täglich gegen das verfeindete östliche Reich Gowiriali an der
Seite von Anthalions Armee gekämpft hatten. Inzwischen hatte Anthalions
Armee die Oberhand gewonnen, der Gott-König hatte allerdings noch keine
weiteren Befehle erteilt, seinen Siegeszug noch weiter gen Osten auszudehnen,
obwohl seine Armeen schon unmittelbar vor der Hauptstadt Gowiriali angekommen
waren.
    Die Kriegserfahrung von Sulidians Clan sprach eindeutig
für ihren Sieg während des Turniers. Hinzu kam ihr Wille endlich in
Frieden in dem nahrungsreichen Gebiet zu leben, in welchem derzeit Isentiens
Clan verweilte. Einen weiteren Vorteil hatten sie noch: ihr Anführer,
Sulidian, war im Gegensatz zu Isentien, selbst noch jung genug, um seine
Krieger durch das Turnier zu führen. Seine Ausstrahlung, seine
Autorität und seine strategischen Fähigkeiten waren fast schon
legendär. Er hatte Anthalions Armee selbst zu vielen Siegen geführt,
sogar Generäle suchten seinen Rat. Es war das erste Jahr in dem Sulidians
Krieger an dem Turnier teilnahmen, da sie sich dieses Vorrecht hatten erst
verdienen müssen, nachdem sie vor nur wenigen Jahren Anthalion die Treue
geschworen hatten. Hätte Leathan darauf Wert gelegt zu wetten, hätte
er sich vermutlich auch für Sulidians Clan entschieden.
    Den Prognosen zufolge würden die Zweitplatzierten
die Krieger aus Marindas Clan werden. Marinda war die einzige weibliche
Anführerin der Clans. Der eigentliche Clananführer Dirkindal war erst
vor kurzem verstorben. Seine Söhne waren allesamt zu jung, um die
Clanherrschaft zu übernehmen und seine Brüder hatten alle schon vor
ihm den Tod gefunden. Da die Nomadenvölker von einem streng patriarchalen
System geprägt waren, würde Marinda die Herrschaft nicht lange
beanspruchen dürfen. Um Machtkämpfe innerhalb des Clans zu vermeiden,
hatte sie zugesagt, den erfolgreichsten Krieger ihres Clans nach dem Turnier zu
heiraten und ihn somit zum neuen Clananführer zu machen. Das war ein
zusätzlicher Ansporn für jeden Krieger, doch insgeheim ahnten bereits
alle, wem diese Ehre gebühren würde. Sie hatten unter ihnen einen
Krieger, der für seine außergewöhnliche Größe und
Kraft bekannt war. Er war in einer direkten Konfrontation kaum zu besiegen,
zumindest laut den Gerüchten. Er war es auch, der die Krieger während
des Turniers anführte. Sein Name war Lidriak.
    Während er über seine Gegner nachdachte, sah
Leathan gedankenverloren zu seinem Diener Balsik, der noch ein letztes Mal den
Sitz seiner Kleidung prüfte. Der kleine Mann lächelte etwas
gezwungen, als teile er Leathans Sorgen. Seine Worte bestätigten es.
    „Mein Herr, du bist für die Parade bereit. Ich werde
zu Kegalsik beten und ihn darum bitten, dir gnädig zu sein.“
    Leathan lächelte dankbar zurück. „Ich danke
dir… Wann wolltest du eigentlich deine Freiheit erkaufen? Mit Sihldans Geld
hättest du es längst tun können.“
    Balsik errötete etwas, wohl fühlte er sich
ertappt. Wie auch hätte er ahnen können, dass Leathan über
Sihldans Bestechungsmaßnahme Bescheid wusste?
    „Mach dir keine Sorgen Balsik. Es wäre für dich
weniger riskant

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