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Die Räder des Lebens

Die Räder des Lebens

Titel: Die Räder des Lebens Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jay Lake
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es jemand anderen für sie tun lassen. Li …« Sie räusperte sich. »Eine andere Frau … eine andere Frau würde Wege finden, ihn auf andere Weise zu überzeugen.«
    »Sie würde ihre Entschlossenheit dadurch beweisen, dass sie Kehlen durchschneidet?«
    Childress brauchte einen Augenblick, um zu verstehen, dass Leung sie leicht aufzog. »Vielleicht.« Sie merkte, dass ihr Schweinefleisch kalt geworden war. »Ich glaube, ich möchte an das Feuer zurück.«
    »Alle Menschen brauchen das Licht«, sagte er zu ihr. »Selbst wenn sie damit nur der Dunkelheit ihre Grenzen aufzeigen wollen.«
    Die Five Lucky Winds stach mit dem ersten Sonnenlicht in See. Childress hatte es so verstanden, dass sie an der Oberfläche weiterfahren würden, solange das Wetter gut blieb, um das Unterseeboot säubern und instand halten zu können. Es schien ihr so, als ob sie über mehr Bewegungsfreiheit verfügte, und das schloss auch ein, sich oben auf Deck umzusehen. Schüchterne Matrosen hatten ihr nacheinander verschiedene Räume gezeigt – einen mit Kojen, eine Apotheke, in der reihenweise Gefäße mit Kräutern und Schlangen standen, Lagerräume, riesige, schwitzende Rohre, deren Nutzen sie nicht kannte, eine Küche, die kaum größer als die Apotheke war und wo die beiden alten Köche gemeinsam hineinpassten wie die Einzelstücke eines Puzzles, auf dem zwei Shar-Peis abgebildet waren.
    Nur die Brücke und der Maschinenraum blieben für sie tabu.
    Das war auch völlig in Ordnung. Sie war keine Spionin und daher auch nicht in der Lage, Geheimnisse anhand der Anordnung von Anzeigen oder im Licht des Kartentischs zu enträtseln.
    Childress verbrachte einige Zeit an Deck, aber wenn der Wellengang nur leicht zunahm, fühlte sie sich schon sehr unwohl. Das U-Boot war in jedem Fall nicht zur Bequemlichkeit möglicher Gäste konstruiert worden. Dennoch verlangte es sie nach Sonnenlicht. Jedes Mal, wenn sie auf Leung traf, lagen Fragen in seinem Blick.
    Wer war sie – die Maske Poinsard oder irgendeine tapfere Frau?
    Das war die Art Frage, die sich jeder gebildete Mensch stellen sollte. Allerdings war diese Frage nicht immer so wortwörtlich zu verstehen.
    Jedes Mal, wenn sie auf Choi traf, folgten ihre Gedanken einem anderen Muster. Es lag weder in Childress’ Natur noch in der Kraft ihrer Arme, einem Mann die Kehle durchzuschneiden, aber sie stellte sich ständig die Frage, was der Politoffizier seinen geheimen Meistern mitteilen würde, sobald er das Boot im Hafen von Tainan verließ.
    Konnte sie einen Mann töten, um sich selbst zu retten?
    Dass sie sich diese Frage überhaupt stellen konnte, machte Childress Angst.

Neun
    Paolina
    Nach zwei Tagen war es Paolina langweilig. Es wurde ihr nicht erlaubt, unbegleitet durch das Lager zu streifen, und sie durfte auf gar keinen Fall in die Nähe des Tunnels oder der Palisaden. Dieselben Einschränkungen galten auch für Boas, aber er schien damit zufrieden zu sein, ruhig in ihrer Unterkunft zu sitzen. Sie erinnerte sich daran, dass er ja auch jahrelang auf diesem Weg gestanden hatte. Für die Messing schien die Zeit anders abzulaufen.
    Die Männer, die hier arbeiteten, gingen ihr aus dem Weg. In gewisser Hinsicht war das gut. Sie hatte schon in Praia Nova genug von Männern gehabt, und es gab für sie keinen Anlass zu glauben, dass die Arbeiter in al-Wazirs Lager Frauen freundlicher gesinnt waren als die fidalgos . Es wäre aber auch interessant gewesen, sich mit ihnen zu unterhalten.
    Ob sie nun Zauberer waren oder nicht, diese Engländer kümmerten sich um al-Wazirs große Maschine, die sich immer tiefer in die Mauer hineinfraß, wie ein Parasit, der sich nichts mehr wünschte, als sich in das Herz eines Hundes zu verbeißen. In der Zwischenzeit arbeiteten sie in kleinen Werkstätten und Schmieden, kümmerten sich um die kleineren Maschinen, die immer noch so groß wie das Haus ihrer Mutter waren und laut schnauften und keuchten, und betranken sich. Wenn sie ein Junge gewesen wäre, dann hätte Paolina das vermutlich für das perfekte Leben gehalten.
    Unter den gegebenen Umständen aber wünschte sie sich einfach nur jemanden, mit dem sie reden konnte. Doch nur al-Wazir und Hornsby sprachen mit ihr. Sie hatte dem großen Engländer die Wagen innerhalb der Mauer erklären wollen und auf was ihr Tunnel stoßen würde, wenn sie sich weiter durchfraßen, aber er war zu beschäftigt gewesen, um ihr wirklich zuzuhören.
    Sonst näherte sich niemand ihrem Zelt. Sie ging davon aus, dass die Männer im

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