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Die Räder des Lebens

Die Räder des Lebens

Titel: Die Räder des Lebens Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jay Lake
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Lager mit einer Kugel oder Schlimmerem zu rechnen hatten, wenn sie sie belästigten. Also bat sie um Bücher und erhielt einige Ausgaben des Punch ; sie stammten aus den Bänden 117 und 118 des August 1901 und des Frühjahrs 1902. Sie waren eindeutig als humorvoll zu erkennen. Die Artikel eröffneten ihr neue Ausblicke auf das Leben in England, die viel aktueller und weitreichender waren als das, was Dickens ihr hatte vermitteln können.
    Sie verbrachte auch Zeit damit, dem Rattern der Tunnelmaschine zuzuhören, berechnete, wie lang sie lief und wie lange sie dann ihr Graben unterbrach, und versuchte herauszufinden, wie tief der Tunnel schon war, indem sie die Minuten zählte, die die Männer brauchten, um hineinzugehen und wieder zurückzukehren. Es gab eine Menge zu berechnen.
    Paolina fragte sich, was al-Wazir tun würde, wenn seine Maschinen durch die rotierenden Messingscheiben stieß, die innerhalb von a Muralha als Gegengewichte zur Erddrehung aufgehängt waren. Sicherlich hatte er einen Plan. Engländer hatten immer einen. Dickens und Davies hatten ihr das beigebracht. Al-Wazir hatte nichts getan, um sie eines Besseren zu belehren.
    Gegen Mittag am dritten Tag ihres Aufenthalts im Lager kämpfte sie sich gerade durch eine besonders tendenziöse Januarausgabe, als sie draußen lautes Geschrei hörte.
    »Geh nicht nach draußen«, sagte Boas. »Du kennst ihre Gepflogenheiten nicht.«
    »Etwas stimmt nicht«, protestierte Paolina, obwohl sie wusste, dass er recht hatte.
    »Ich habe nicht das Recht, dir Befehle zu erteilen, aber mir wurde deutlich gemacht, was hier unsere Aufgabe ist.«
    Sie setzte sich wieder hin, war verärgert und hasste sich auf der anderen Seite dafür, so ungnädig zu sein. Sie versuchte, über ein Individuum namens Floyd Gorges weiterzulesen, der angeblich Premierminister von Rummelstadt war. Paolina hatte noch nicht ganz herausgefunden, wie der geistliche Aspekt ins Gesamtbild passte, aber sie ging davon aus, es mit der Zeit zu verstehen.
    Weiteres Geschrei störte sie beim Lesen, aber sie versuchte, es zu überhören. Sie ignorierte auch die lauten Dampfpfeifen und Schüsse. Es reichte nicht aus, um es als Hinweis auf einen ernst zu nehmenden Angriff zu interpretieren. Als das Gedröhn aber von oben herabschallte, warf sie das Magazin hin, in dem sie denselben Satz immer und immer wieder gelesen hatte, und rannte nach draußen.
    Ein großes Luftschiff setzte zur Landung im Lager an.
    Bassett , dachte sie, aber dann fiel ihr ein, dass al-Wazir ihr erzählt hatte, wie das Schiff verloren ging. Vermutlich eins seiner Schwesterschiffe, mit diesem langen, aufgeblasenen Beutel, unter dem ein schiffsartiger Rumpf hing. Auf beiden Seiten trieben Motoren Propeller an, während die Segel ordentlich auf den Spieren aufgezogen waren. Der Beutel war in Netze eingehüllt, und eine riesige britische Flagge war in ihn eingearbeitet worden.
    England kam, um sie abzuholen!
    Sie rannte wieder hinein, um es Boas zu erzählen.
    Paolina verbrachte den Rest des Tages unter Bewachung. Der Mann vor dem Zelt trug ein Gewehr und sagte kein Wort, außer um ihr den Befehl zu erteilen, wieder ins Zelt zurückzukehren. Boas saß ruhig da und schien so in Gedanken versunken, dass er den Eindruck erweckte, erneut angehalten worden zu sein.
    Ihre Gedanken rasten. Sie könnte irgendwie den Schimmer nutzen oder sich einfach an der Zeltrückseite hinausschleichen. Sie könnte sich herausreden oder um Hilfe schreien. Sie schmiedete einen Plan nach dem anderen, aber jeder einzelne war sinnlos.
    Sie war immerhin die einzige Frau im Lager. Niemand würde sie als etwas anderes ansehen. Sie könnte niemals darauf hoffen, in der Menge zu verschwinden. Sie konnte sich wohl auch kaum unbemerkt auf das Schiff schleichen. Seine Besatzung bestand aus kampferfahrenen Offizieren und Seeleuten, und es hatte über einem Lager bewaffneter Männer festgemacht.
    Sie war eingesperrt und musste al-Wazir und Hornsby gehorchen.
    Dieser Gedanke machte sie wütend. Doch Wut brachte ihr nichts.
    Schließlich ging sie zu Boas und kniete sich neben ihn.
    »Du scheinst nicht mehr weiter zu wissen, mein Freund?«, fragte sie sanft.
    Er sah sie an, und seine Messingaugen weiteten sich. »Du wirst das Schiff besteigen und gehen. Ich werde allein im Lager meiner Feinde zurückbleiben, ein Verräter an meiner Obrigkeit.«
    »Was ist mit deinem Namen?«
    »Nichts hat sich verändert.«
    »Hast du erwartet, dass ein Blitz vom Himmel herabfährt?« Sie beugte

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