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Die Räder des Lebens

Die Räder des Lebens

Titel: Die Räder des Lebens Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jay Lake
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wo es mehr Bücher gibt als die Hand voll in meinem Dorf. Bibliotheken, Sir, richtige Bibliotheken. Mit gebildeten Menschen.«
    »Und was haben Sie bezüglich der Schöpfung logisch abgeleitet?«
    »Was man sehen kann, natürlich.« Sie empfand die Frage als etwas überraschend. »Das Wesen unserer Erde, ihren Durchmesser und ihre Umlaufzeit. Den Herzschlag der Schöpfung, jener Rhythmus, der alle Dinge am Leben hält. Die Bewegungen der Planeten. Grundlagen zur Hydraulik und Mechanik.«
    »Das Mädchen ist ein zweiter Newton«, polterte al-Wazir. »Soweit das meine Wenigkeit beurteilen kann.«
    »Oder ich«, stimmte Hornsby ein. »Ich habe weder den Verstand noch die Bildung, um es mit ihr aufzunehmen.«
    Der Kapitän betrachtete sie eine Zeit lang. »Du kannst den Herzschlag der Welt hören?«
    »Ja.« Paolina zog den Beutel des Schimmers aus ihrem Kleid hervor. »Ich habe dieses Messgerät gebaut, das die Stunden, meinen Herzschlag und den Rhythmus der Welt bestimmen kann.« Sie zeigte ihn ihm, hielt ihn aber fest in ihrer Hand.
    Ein seltsamer, entrückter Ausdruck huschte für einen Augenblick über das Gesicht des Kapitäns. »Im Namen der Räderung«, murmelte. Dann sprach er wieder lauter: »Ich bin Kapitän Hakeem Sayeed, Royal Navy, Befehlshaber des Dampfluftschiffs Ihrer Kaiserlichen Majestät Notus .« Er nickte und verbeugte sich knapp. »Ich werde Sie sofort mit nach Norden nehmen und Ihre Reise nach England garantieren. Ich muss Sie aber darauf hinweisen, dass es im besten Fall eine äußerst schwierige Fahrt wird. Luftschiffe verfügen nicht über großzügige Quartiere und sind in keiner Weise auf die Bedürfnisse oder die nötige Sittsamkeit von Frauen ausgerichtet. Wenn Sie aus eigenem Antrieb Unruhe stiften, dann werde ich Sie absetzen, wo immer auch wir uns gerade befinden, und ohne Sie weiterfahren.«
    Paolina presste den Schimmer an ihren Körper. »Wenn ich Unruhe stifte, dann habe ich auch nichts Besseres verdient. Ich bin Paolina Barthes, Sir.«
    »Das habe ich gehört.« Sayeed ließ seinen Blick über die drei schweifen. »Kann sie direkt mitkommen? Sind Sie bereit, sie gehen zu lassen?«
    »Ja«, sagte al-Wazir.
    Hornsby nickte. »Ottweill ist in seinem Tunnel. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt.«
    »Aber Boas –« Paolina zögerte und unterbrach sich. Sie hatte sich nicht von Boas verabschiedet. Aber sonst? Sie besaß nur ihre Kleidung und den Schimmer. Ihre anderen, bescheidenen Habseligkeiten hatte sie auf ihrer Reise an a Muralha entlang aufsammeln können. Sonst nichts. »Ich bin bereit.«
    »Dann bringen wir es schnell hinter uns.« Sayeed führte sie nach draußen.
    Al-Wazir
    Er sah eine knappe Stunde später, nachdem er das Mädchen hochgeschickt hatte, der Notus dabei zu, wie sie ablegte. Ottweill war nicht aufgetaucht, aber mehrere von Hornsbys Männern blieben mit abgestellten Gewehren in der Nähe des Bootsmanns.
    Erst als das anmutige Luftschiff über die glänzenden Baumspitzen des Dschungels im Norden glitt, dachte er darüber nach, was als Nächstes zu tun war. Er konnte erst einmal den Metallmann freilassen.
    Im Zelt saß Boas auf der Pritsche und starrte vor sich hin.
    »He, Herr Messing.«
    Der Metallmann bewegte sich nicht.
    »Sie ist fort. Auf dem Weg nach England. Ich bin gekommen, um dir zu sagen, dass dir die Tore offenstehen, wenn du gehen willst.«
    Immer noch keine Reaktion.
    Er wusste, wann jemand in Gedanken verloren war, selbst bei einer Kreatur wie dieser.
    »Du kannst gerne hierbleiben«, sagte al-Wazir, »aber ich kann dir nicht versprechen, dass dir niemand mit einem Hammer zu Leibe rückt, wenn du zu lange in der Gegend rumliegst. Du bist ein ordentliches Stück Metallarbeit, mein Junge.«
    »Einen Namen«, sagte Boas und sah al-Wazir endlich an. »Sie haben mir einen Namen gegeben.«
    Das überraschte den Bootsmann. »Nun, und ich war es auch, der dir deine Stirn mit Öl bemalt hat, du Narr. Was denn – warst du denn dein ganzes Leben nur Herr Messing?«
    »Ja. In Ophir heißen wir alle Messing.«
    »Also kommt ihr von der Mauer herab, um uns wegen unserer Namen anzugreifen?«
    »Sie verstehen das nicht.«
    Al-Wazir setzte sich auf den Zeltboden, wie er es auch auf einem Deck tun würde, obwohl es hier so heiß wie neben der Bilgenpumpe war. »Nein, tue ich nicht. Du schon. Du weißt mehr über die Mauer, als ich je erfahren werde. Wenn du uns also nicht durch das Tor da drüben verlässt, wäre ich dir sehr dankbar, wenn du mir das erklärst und

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