Die Rose von Asturien
an.«
Ermo grinste, denn solange der Arzt Konrad behandelte, konnte er hierbleiben und gleich einen ganzen Krug auf Eleasars Kosten trinken. »Du musst dich nicht beeilen! Mit einem vollen Becher in der Hand warte ich gerne.«
Da Amos gerade mit einem bauchigen Tongefäß durch die Tür trat, hielt Ermo ihm den Becher hin.
Eleasar beachtete ihn nicht mehr, sondern forderte Konrad auf, nach oben zu gehen und sich auszuziehen.
»Deine Wunden heilen gut, aber wenn ich sie nicht mit einer bestimmten Salbe einreibe, bleiben harte Narben zurück, die dich behindern würden.« Mit diesen Worten nahm er den Tiegel, öffnete ihn und begann, Konrad damit einzuschmieren. Dabei stellte er die Frage, die ihn schon die ganze Zeit beschäftigte.
»Weißt du schon, was du tun wirst? Solange dieser Kerl dich begleitet, wirst du nicht an Geld kommen.«
»Geld ist kein so großes Problem. Allerdings müssen wir Perlen und kleine Edelsteine verkaufen«, erklärte Konrad.
Eleasar hob überrascht die Augenbrauen. »Edelsteine, sagst du? Dann hat die Dame wohl etwas verstecken können. Biete das Geschmeide nicht irgendeinem Juwelier an, sondern bringe es zu mir. Wenn ich es für dich verkaufe, erlöse ich einen besseren Preis.«
»Ich danke dir! Es sähe auch seltsam aus, wenn ein Sklave Edelsteine verkaufen will. Ein Juwelier würde mich wahrscheinlich an meinen Herrn verraten. Deine Hilfe soll nicht umsonst sein. Du kannst ein Viertel des Wertes behalten.«
»Du bist großzügig, Sklave. Allerdings ist die Freiheit auch ein Gut, das jeden Preis wert ist.« Eleasar lächelte. Er hätte diesem Mann auf jeden Fall geholfen, um dem Berber eins auswischen zu können, aber gegen einen kleinen Zusatzverdienst hatte er nichts einzuwenden.
»Höre mir gut zu, Franke«, sagte er. »Ich weiß nicht, wie viel Zeit uns noch bleibt. Daher lehre ich dich jene Worte meiner Sprache, die ein Mann meines Volkes im Umgang mit Moslems und Christen verwendet. Zum Glück sind es nicht viele. Da du selbst des Maurischen nicht mächtig bist und auch die Sprache der christlichen Spanier nicht wie ein Einheimischer beherrschst, solltest du dich als Jude aus dem Norden ausgeben. Am besten spielst du einen Sklavenhändler, der auf der Heimreise ist. Da die Mauren dringend Sklaven benötigen, werden sie dich nicht behelligen.«
»Ich mag aber nicht als Sklavenhändler gelten!« Empört über den Vorschlag, antwortete Konrad schärfer, als der Arzt es verdient hatte.
»Aber es ist die beste Lösung! Ihr Franken macht auf euren Kriegen viele Gefangene und übergebt sie meinen Glaubensbrüdern, damit die sie für euch verkaufen. Da die Mauren am besten zahlen, werden diese Sklaven zumeist nach Spanien gebracht. Wenn du dich über die Händler erheben willst, so denke daran, wer ihnen die menschliche Ware aufnötigt!«
Konrad spürte Eleasars Verstimmung und lenkte ein. »Es tut mir leid. Ich wollte weder dir noch deinen Freunden Böses nachsagen.«
»Das habe ich auch nicht angenommen.« Eleasar forderte Konrad auf, sich umzudrehen, damit er ihm Gesicht, Brust und die Vorderseite seiner Schenkel einreiben konnte. Während er es tat, nannte er ihm Worte seiner Sprache, erklärte ihm ihre Bedeutung und ließ Konrad sie so lange wiederholen, bis er mit der Aussprache zufrieden war.
»Du wirst ein Boot brauchen, denn es ist besser, wenn du die Stadt auf diese Weise verlässt. Ich könnte dir dazu verhelfen, ebenso zu einem oder zwei Eseln. Kein Händler, der es sich leisten kann, reist diese lange Strecke zu Fuß oder lässt gar sein Weib laufen. Außerdem kannst du damit eure Verfolger täuschen. Die halten gewiss nicht nach einem Juden Ausschau, der gemächlich seines Weges zieht.«
Eleasar entwarf einen so ausgeklügelten Plan, dass Konrad vor Staunen der Mund offen stand. Der Arzt vergaß jedoch nicht, dass sie vorsichtig sein mussten. Daher beendete er das Gespräch, als er mit der Behandlung der Wunden fertig war, und befahl Konrad, sich anzuziehen und ihm nach unten zu folgen. Dort wusch er sich die Hände und sah zu, wie Amos den Korb mit etlichen Weinkrügen füllte.
Unterdessen hatte Ermo den dritten Becher geleert und hielt einen vierten in den Händen. Nun grinste er so breit, als wären der Arzt und Konrad seine besten Freunde. Er tätschelte Amos den Kopf und hängte sich dann bei Konrad ein, obwohl dieser den schweren Korb tragen musste. Während sie durch die engen Gassen gingen, redete er ununterbrochen auf ihn ein.
»So lässt sich das
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