Die Rose von Asturien
sie mühsam heraus.
»Übermorgen würde gehen, da der erhabene Emir an dem Tagdie Stadt verlassen will, um mit den Falken zu jagen. Er wird erst drei Tage später zurückkommen.«
»Wäre es möglich, dass ich diese drei Tage bei meiner Freundin bleiben könnte?«, fragte Ermengilda und wunderte sich, woher sie den Mut dazu nahm.
Diesmal dachte der Eunuch länger nach. »Ich werde fragen, ob dies erlaubt werden kann. Doch jetzt muss ich schauen, wo diese pflichtvergessenen Weiber bleiben. Sie hätten schon längst Sorbet und kandierte Früchte bringen sollen.« Damit stand er auf und ging.
Maite und Ermengilda sahen sich an und fassten einander an den Händen. »Beim Heiland, wenn es doch möglich wäre!« Ermengilda zitterte bei diesen Worten so, dass Maite mit ihr schimpfte. »Nimm dich zusammen! Du verrätst uns sonst noch, und dann ist alles verloren.«
»Ich bin so furchtbar aufgeregt. Wenn nur alles gutgeht! Ich will, dass mein Kind in Freiheit aufwächst und mit all den Ehren, die ihm als Verwandtem König Karls zustehen.«
Maite begriff, dass Ermengildas Gedanken mehr der Zukunft galten als den Gefahren der Flucht, die ihr selbst schier unüberwindlich erschienen. Da sie ihre Freundin nicht entmutigen wollte, verschwieg sie ihre Bedenken und lenkte, als der Eunuch mit zwei Mägden im Gefolge erschien, das Th ema geschickt auf die Gaumenfreuden, die ihnen aufgetischt wurden.
12.
A
n diesem Tag verzichteten die Knechte Fadl Ibn al Nafzis auf Wein und lasteten Konrad alle Arbeit auf, die sie nicht selbst tun mochten. Daher war es ihm nicht möglich, in den Garten zu gehen. Am nächsten Morgen schlich er gleich in derFrühe hin, bevor ihm anderes aufgetragen werden konnte, und begann, Unkraut zu rupfen. Am liebsten hätte er laut nach Maite gerufen, um von Ermengilda zu erfahren. Es gelang ihm jedoch, seine Ungeduld zu zähmen und zu warten, bis sie sich von selbst meldete.
Ein leiser Pfiff ließ ihn aufhorchen. Doch bevor er etwas sagen konnte, hörte er, wie nicht weit von ihm etwas auf den Boden fiel. Er blickte hin und entdeckte ein kleines, primitiv gefertigtes Beutelchen. Rasch bückte er sich danach, hatte aber genug Verstand, so zu tun, als zupfe er ein Unkraut aus und stecke es in einen Sack. Dabei schob er das Beutelchen unter seinen Kittel. Ihm juckte es in den Fingern, nachzusehen, was darin war. Da er jedoch keinen Verdacht erregen durfte, verzichtete er dar auf, sondern tat so, als suche er unter Maites Fenster nach Unkraut. Da hörte er sie leise rufen.
»Morgen ist der Tag der Entscheidung! Du musst sehr viel Wein besorgen. Wenn wir geschickt und schnell sind, wird unser Vorhaben gelingen.«
Mehr konnte Maite nicht sagen, da eine der Sklavinnen in ihre Kammer trat. Seit Tahir und seine Gehilfinnen gemerkt hatten, dass die neue Frau ihres Herrn nicht vorhatte, ihnen mit dem erbeuteten Dolch die Kehle durchzuschneiden, trauten sie sich wieder zu ihr und kamen zumeist in jenen Augenblicken herein, in denen es Maite überhaupt nicht passte. Nun hoffte sie, dass Konrad alles verstanden hatte und das Richtige in die Wege leitete. Dabei beantwortete sie freundlich die Frage, welche Speisen in der Küche für Ermengildas Besuch vorbereitet werden sollten.
Als die Sklavin nach vielem Nachfragen endlich ging, hatte Konrad den Garten bereits verlassen, und sie konnte nicht mehr tun als beten.
Maites knappe Auskunft hatte ausgereicht, Konrad die Situation begreiflich zu machen. Allerdings fielen ihm jetzt mindestensein Dutzend Gründe ein, weshalb ihr Vorhaben scheitern musste, und in einem Anfall von Kleinmut überlegte er bereits, ob er es nicht abblasen und auf eine bessere Gelegenheit warten sollte. Der Gedanke jedoch, dass Ermengilda bis dorthin dem Emir wie ein angetrautes Eheweib würde gehorchen müssen, fegte seine Bedenken schließlich hinweg.
Das erste Problem war, dass er Fadl Ibn al Nafzis Diener dazu bringen musste, ihn am nächsten Tag Wein holen zu lassen. Um das zu erreichen, unterbrach er immer wieder die ihm zugewiesene Arbeit und stöhnte zum Steinerweichen.
Schließlich wurde der Verwalter Zarif darauf aufmerksam.
»Was ist denn los mit dir?«, fragte er ärgerlich.
»Es tut so weh! Wenn es bis morgen nicht besser wird, muss ich wieder zum Juden!«
»Dann kannst du gleich unsere Medizin mitbringen«, rief einer der anderen Männer sofort.
Ein anderer verzog das Gesicht. »Ausgerechnet morgen, wenn die Leute vom Palast hier sind? Die würden doch mittrinken
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