Die Rose von Asturien
geschriebener Pass für einen jüdischen Sklavenhändler aus dem Frankenreich, der hier verstorben ist. Ich weiß mit dem Ding nichts anzufangen, aber dir könnte es nützlich sein. Der Name darauf lautet auf Issachar Ben Juda. Doch nun geh mit Gott! Ich höre den Jungen zurückkommen.«
»Und mein Geld?«, rief Konrad verzweifelt.
»Das wirst du im Nebenzimmer bei den Kleidern finden.« Mit diesen Worten schob Eleasar den Franken zur Tür hinaus und forderte ihn auf, die ersten Weinkrüge mitzunehmen.
14.
A
ls Konrad durch das offene Tor in den Innenhof von Fadl Ibn al Nafzis Anwesen trat, prallte er förmlich zurück. Fast zwei Dutzend Krieger aus der Garde des Emirs standen da, dazu sah er zwei Eunuchen geschäftig herumwieseln. Wie es aussah, war Ermengilda bereits eingetroffen. Für so viele Männer, wie hier versammelt waren, würde der Wein niemals reichen. Außerdem musste er damit rechnen, dass die Soldaten die Gesetze ihres Glaubens strenger auslegten als Fadls Gesinde. Noch während er wie versteinert dastand, schoss der Verwalter Zarif auf ihn zu.
»Da bist du ja endlich! Schaff die Medizin in den Keller und hilf dann mit, Sorbet an die tapferen Krieger des Emirs auszuschenken!«
In dem Augenblick fühlte Konrad eine eisige Hand an seinem Herzen. Der Mann würde doch nicht etwa jemand anderen losschicken, um den restlichen Wein zu holen? Dann war alles verloren.
»Aber ich habe doch nicht alle Medizin mitbringen können!«, rief er erschrocken.
»Die kannst du nachher holen. Unsere Gäste wollen zum Palast zurückkehren. Also tummle dich, damit sie ihre Erfrischungen erhalten.«
Konrad fiel ein Stein vom Herzen. Wenn die Soldaten des Emirs, die Ermengilda hierher eskortiert hatten, das Haus bald verließen, konnte der Plan gelingen. Rasch trug er den Wein in den kühlen Keller, und anschließend half er mit, den Fruchtsaft, den die Sklavinnen in aller Eile gepresst hatten, in Trinkgefäße zu füllen. Er gab ein wenig zerstoßenes Eis dazu, welches im Winter aus den nahen Bergen geholt und im untersten Keller gelagert wurde, und teilte die Becher aus.
Zu seiner Erleichterung hielten die Männer des Emirs sichnicht lange auf, sondern tranken hastig aus und folgten dann ihrem bereits ungeduldig werdenden Anführer.
»Wenn die Dame in den Palast zurückkehren will, schickt einen Boten«, rief der Mann Zarif noch zu, dann verschwanden die Soldaten wie ein Nebelstreif in der Sonne.
Nur die beiden Palasteunuchen blieben zurück, denn sie hatten von Tahir erfahren, dass es an diesem Tag einen ganz besonderen Genuss geben würde. Der Eunuch schickte Konrad auch sofort in den Keller, um den ersten Weinkrug zu holen. Danach gesellten die drei Verschnittenen sich zu Zarif und den Knechten, und Konrad musste mit seinem Krug herumgehen, um allen einzuschenken.
»Es ist gut, dass die Herrin Ermengilda die Nacht über bleiben will. Damit haben wir genug Zeit, um dieses köstliche Getränk zu genießen«, sagte einer der Eunuchen und schlürfte genüsslich den Wein.
Auch Zarif trank und hielt dann Konrad den leeren Becher hin. »Komm, Sklave, trödle nicht, sondern schenk ein.«
Konrad tat es, drückte dann aber den Krug Ermo in die Arme. »Schenk du weiter ein! Ich muss fort und den restlichen Wein holen. Eleasar will nämlich seine Kranken aufsuchen.«
»Dann lauf gefälligst!«, befahl der Verwalter ihm und trank seinen Becher ein weiteres Mal leer.
Erleichtert eilte Konrad zum Haus des Arztes und trat ein. Um nicht von einem Kranken überrascht zu werden, der Eleasar aufsuchen wollte, schob er den Riegel vor und hastete in den ersten Stock. Als er die Tür des Nebenzimmers aufdrückte, fand er die Kammer sauber aufgeräumt vor. Im ersten Augenblick glaubte er, der Arzt hätte ihn betrogen, doch dann wurde er auf eine Truhe aufmerksam, deren Deckel leicht schräg stand. Er öffnete sie und sah mehrere zusammengefaltete Kleidungsstücke darin. Als er diese herausnahm, rutschte ein aus Stoff gefertigter Beutel heraus und fiel auf den Boden.
Dabei klirrte es, und Konrad zuckte erschrocken zusammen. Er fasste sich jedoch wieder, hob den Beutel auf und steckte ihn unter sein Hemd. Wie viel Geld darin steckte, wusste er nicht, aber in dem Augenblick hätte er die Flucht sogar mit drei Dirhems in der Hand angetreten.
Die Kleidung unterschied sich kaum von der Tracht, die einfache Moslems trugen. Für ihn selbst gab es ein langes Hemd und einen ebenso langen Überrock. Dazu kamen ein Umhang für kalte
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