Die Rose von Asturien
Nächte sowie feste Sandalen und eine Filzmütze, um die ein Tuch gewickelt war. Es war die Gewandung eines Mannes, der es gewohnt war zu reisen. Konrad fand auch eine zweite Männerbekleidung, legte diese aber beiseite und suchte sich nach dem Vorbild der für ihn zurechtgelegten Frauentracht noch eine weitere zusammen. Jetzt musste er die Kleidung nur noch in Fadl Ibn al Nafzis Haus schmuggeln. Kurzerhand steckte er alles in einen leeren Korb und stellte die restlichen Weinkrüge darauf. Er wollte das Haus schon verlassen, als ihm der Saft einfiel, mit dem man seine Haut dunkler färben konnte. Es dauerte einen Augenblick, bis er sich daran erinnerte, wo dieser sich befinden sollte. Dann fand er ihn auf Anhieb, steckte ihn zu den anderen Sachen und verließ vor Anspannung zitternd das Haus. Auf dem Rückweg dachte er bedauernd, dass er sich nicht von Eleasar hatte verabschieden können. Aber er verstand, dass der Mann jeden Verdacht vermeiden wollte, sein Mitwisser oder gar Helfer zu sein.
15.
I
n Fadls Haus war die Zecherei unterdessen in vollem Gange. Die Männer begrüßten Konrad lärmend und forderten ihn auf, ihnen nachzuschenken. Ermo saß bei ihnen, als gehöre er seit Urzeiten dazu. Jetzt aber stand er auf und drängte Konrad,als dieser die übrigen Weinkrüge in den Keller tragen wollte, gegen die Wand.
»Wie viel Geld hast du dem Juden abgeluchst?« Dabei tastete er nach Konrads Gürtel. Dieser schob die Hand energisch zurück.
»Ich habe dem Arzt alles gegeben und dafür Wein bekommen! Du kannst ihn ja morgen fragen.«
Ermo sah Konrad an, als zweifle er an dessen Verstand, und ließ ihn mit einer verächtlichen Geste los. »Du hast wohl nicht begriffen, dass das hier die beste Gelegenheit für uns ist! Diese Heiden saufen so, dass sie vor morgen nicht erwachen werden. Bis dahin aber sind wir längst über alle Berge. Geh jetzt und sorge dafür, dass den Kerlen der Wein nicht ausgeht. Vergiss aber auch die Weiber nicht. Ich habe nämlich keine Lust, dass die Sklavinnen Alarm schlagen, wenn sie entdecken, dass wir verschwunden sind.«
Daran hatte Konrad noch gar nicht gedacht. Fadl Ibn al Nafzis Sklavinnen konnten ihn und die beiden Frauen zwar nicht aufhalten, aber verraten. Daher mussten auch sie ausgeschaltet werden.
»Ich bringe den Weibern einen Krug«, versprach er Ermo. Dieser nickte zufrieden. »Tu das. Und sieh zu, dass alle trinken!«
Mehr konnte Ermo nicht sagen, denn Zarif rief erneut nach Wein. Konrad packte einen Krug und schenkte dem Verwalter ein. Ermo setzte sich wieder zu den Knechten und tat so, als halte er kräftig mit. Konrad aber sah, wie er den Wein heimlich in die Ecke des Sofas fließen ließ, auf dem er saß. Als die Flüssigkeit schließlich auf den Boden tropfte und sich vor dem Sofa ausbreitete, lachten alle schallend.
Nur Zarif maß Ermo mit einem ärgerlichen Blick. »Wie es aussieht, verträgst du den Wein nicht, Franke, da du ihn nicht bei dir behalten kannst. Du wirst nachher hier alles aufwischenund das Sofa reinigen! Und jetzt verschwinde und schlag dein restliches Wasser woanders ab.«
Im ersten Augenblick wollte Ermo auffahren. Doch im nächsten Moment begriff er, dass der Befehl des Verwalters ihn davon befreite, weiter mittrinken zu müssen, und zog scheinbar schuldbewusst ab.
Konrad verließ ebenfalls die Zecher, nahm aber einen Weinkrug mit, den er zu den Sklavinnen bringen wollte. Er durchquerte dabei die Räume, die Fadl Ibn al Nafzi bewohnte, wenn er in Córdoba weilte, und klopfte schließlich gegen die schmucklose Tür, die den Harem abtrennte.
Einige Augenblicke lang tat sich nichts, dann hörte er, wie innen der Riegel zurückgeschoben wurde. Eine der Sklavinnen öffnete die Tür einen Spalt und steckte den Kopf heraus. Als sie Konrad sah, wurde ihre Miene abweisend.
»Du hast hier nichts verloren!«
»Verzeih, aber Zarif schickt mich. Er und seine Freunde feiern ein Fest und wollen nicht, dass ihr darben müsst.«
»Was hast du in deinem Krug?«, fragte die Frau immer noch verkniffen.
»Den Saft aus den Beeren des Paradieses. Trinkt ihn, dann werden eure Herzen leicht, und all euer Kummer vergeht.« Da er nur wenige Worte Maurisch beherrschte, verwendete Konrad die Sprache der christlichen Spanier. Zum Glück verstand die Sklavin ihn und nahm ihm den Krug ab. Als sie ihn verabschiedete, klang sie weitaus freundlicher.
Konrad hörte, wie sie den Riegel vorschob, und hoffte, dass er die Türe später nicht würde aufbrechen müssen. Das
Weitere Kostenlose Bücher