Die Rose von Asturien
Raum traten, in demFadls Diener gefeiert hatten, schliefen diese so fest, dass nicht einmal ein Donnerschlag sie hätte aufwecken können. Nur Konrad stand noch auf den Beinen, aber er schien im Augenblick nicht recht zu wissen, wie es weitergehen sollte.
Als er die beiden verschleierten Frauen auf sich zukommen sah, nahm er an, es handle sich um zwei von Fadls Sklavinnen, und glaubte schon alles verloren. Da lüftete Maite ihren Schleier und stieß einen glucksenden Laut aus. »Du hast auch schon einmal klüger ausgesehen!«
»Maite? Und Ermengilda?« Als die Asturierin ebenfalls den Schleier hob, stürzte Konrad auf sie zu und schloss sie in die Arme. »Ich bin so glücklich, dich wiederzusehen!«
Früher hatte er Ermengilda nur aus der Ferne bewundern dürfen, und als er nun ihren warmen Leib in seinen Armen spürte, packte ihn ein fast unstillbares Verlangen nach ihr. Es war jedoch weder der richtige Ort noch die Zeit, sich seiner Leidenschaft hinzugeben, daher ließ er sie schnell wieder los.
»Ich bin froh, dass ihr den Harem verlassen konntet. Wenn ich die Tür hätte aufbrechen müssen, wäre der Lärm bis zu den Nachbarn gedrungen.«
»Rede nicht so viel, sondern sorg dafür, dass wir verschwinden können!«, fuhr Maite ihn an. Es ärgerte sie, dass Konrad nur Augen für Ermengilda hatte und sie völlig missachtete.
»Ich habe jüdische Tracht besorgt. In der können wir am unauffälligsten reisen. Wartet in dem Raum da drüben! Ich hole die Sachen, damit wir uns umziehen können.« Mit diesen Worten verschwand Konrad und betrat kurz darauf mit einem Korb in der Hand das genannte Zimmer.
Als er sie herausziehen wollte, legte Maite ihm die Hand auf den Arm. »Lass das! Geh und such dir einen Kittel, wie ihn die anderen Knechte hier tragen. Oder willst du, dass jemand, der zufällig sieht, wie wir das Haus verlassen, gleich angeben kann, in welcher Kleidung wir quer durch Spanien fliehen wollen?«
»Du hast natürlich recht!« Konrad senkte beschämt den Kopf und schlich davon, um seinen Sklavenkittel gegen ein Hemd und einen Mantel zu vertauschen.
»Du brauchst auch eine Kopfbedeckung«, rief Maite ihm nach und schlich noch einmal zu dem Raum hinüber, in dem Fadls Männer gezecht hatten. Dort lagen die Betrunkenen in wildem Durcheinander am Boden. Keiner von ihnen war in der Lage, auch nur ein Auge zu öffnen. Die Leute würden ihre Flucht nicht einmal wahrnehmen, geschweige denn, sie verhindern können.
»Konrad hat seine Sache besser gemacht, als ich erwartet habe«, lobte Maite den Franken, als sie wieder zu Ermengilda zurückkehrte. Dann sah sie, dass ihre Freundin sich mit einer Hand den Mund zuhielt und mit der anderen die Schwertscheide umklammerte, als gäbe sie ihr Halt.
»Das Ding hilft dir nicht! Nimm einem der Männer da drüben den Dolch ab, damit du nicht wehrlos bist«, riet Maite ihr.
Ermengilda nickte, blieb aber stocksteif stehen.
Maite seufzte, lief noch einmal hinüber und wählte den recht schmucklosen Dolch, der im Gürtel des Verwalters steckte.
»Der müsste gehen. Eine wertvollere Waffe könnte auffallen.« Sie reichte Ermengilda den Dolch und nahm ihr den juwelenbesetzten Säbel ab, den die Asturierin immer noch umklammerte. Besorgt musterte sie das Ding. Der Säbel stellte wahrlich keine Waffe für einen einfachen Reisenden dar.
»Wo Konrad nur bleibt? Er weiß doch, dass wir rasch handeln müssen.« Kaum hatte Maite die Worte hervorgestoßen, tauchte der junge Mann auf.
»Sollen wir die Sklavinnen und die Männer fesseln, damit sie unser Verschwinden nicht so rasch melden können?«
Maite schüttelte den Kopf. »Die kommen nicht so schnell zu sich, und wenn einer erwacht, wird er nur an seinen schmerzenden Kopf denken. Findet er sich jedoch in Fesseln wieder,weiß er, dass etwas Schlimmes passiert ist, und wird alles tun, um andere auf sich aufmerksam zu machen.«
»Du hast recht!« Konrad griff nach dem geschmückten Schwert, das sie ihm hinhielt, und wollte es an der Hüfte befestigen.
Doch Maite tippte sich an die Stirn. »Hast du noch alle fünf Sinne beisammen? Wenn jemand diese Waffe bei einem einfach gekleideten Mann sieht, wird er denken, sie sei gestohlen, und die Stadtwachen rufen.«
Konrad zog ein Gesicht, als hätte sie ihn eben geohrfeigt. Er wollte das Haus nicht ohne Waffe verlassen, außerdem reizte es ihn, dieses prachtvolle Schwert als Beute mitzunehmen. Es war mehr wert als der gesamte Besitz seines Vaters, und der galt bereits als einer der
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