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Die Rose von Asturien

Titel: Die Rose von Asturien Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Iny Lorentz
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Fahrt.
    »Dort ist das Boot. Wir werden es ausschöpfen müssen«, sagte sie enttäuscht.
    »Aber erst während der Fahrt. Jetzt sollten wir zusehen, dass wir so rasch wie möglich verschwinden.« Konrad fasste das Seil und zog das Boot näher auf das Ufer zu, damit sie einsteigen konnten.
    »Hat das Ding überhaupt Riemen?«, wollte Maite wissen. Ihr war aufgefallen, dass sie in den anderen Booten keine gesehen hatte. Anscheinend hatten die Besitzer diese mit nach Hause genommen, um zu verhindern, dass jemand ihren Kahn ohne Erlaubnis benützen konnte. Als sie neben den alten Kahn trat und hineinsah, entdeckte sie in dem modrigen Wasser zwei noch recht gute Riemen, die mit Steinen beschwert waren, damit sie von draußen nicht bemerkt werden konnten, sowie eine alte Holzschüssel.
    »Die ist wohl zum Schöpfen gedacht. Dein Helfer ist ein kluger Mann! So rasch dürfte man dieses morsche Ding nicht vermissen,und wenn doch, wird jeder annehmen, der Strick wäre gerissen.«
    Maites Worte hielten Konrad davon ab, das Seil einfach durchzuschneiden. Er blickte sich rasch um, ob jemand ihn beobachtete, und teilte die morschen Fasern mit einem heftigen Ruck, damit es so aussah, als habe der Kahn sich von selbst gelöst. Danach hielt er das Boot fest, bis die beiden Frauen eingestiegen waren, stieß es vom Ufer ab und sprang hinein.
    Maite war bereits dabei, mit der Holzschüssel das ins Boot eingedrungene Wasser zu schöpfen. Mit dem Kinn wies sie auf die Riemen. »Du wirst rudern müssen, Konrad, und eine von uns muss sich ins Heck setzen und dir sagen, wohin du steuern sollst.«
    »Mach du das, Maite. Ich schöpfe lieber.« Da Ermengilda noch nie ein Boot benutzt hatte, fürchtete sie, das Falsche zu tun und damit die Flucht zu vereiteln.
    Maite hatte ebenfalls noch nie ein Boot geführt. Da sie auf der Reise Flüsse überquert und dabei Leute mit Kähnen beobachtet hatte, fühlte sie sich der Aufgabe jedoch gewachsen. Sie reichte Ermengilda das Schöpfgerät und forderte Konrad auf, sich in die Riemen zu legen.
    »Wir müssen zusehen, dass wir aus der Nähe der Stadt kommen. Mögen der Heiland und die Heilige Jungfrau uns beistehen!« Sie schlug das Kreuz und sah sich sogleich erschrocken um. Wenn jemand sich daran erinnerte, eine Christin auf dem Fluss gesehen zu haben, konnte er die richtigen Schlüsse ziehen und sie mit Fadl Ibn al Nafzis geflohener Sklavin in Verbindung bringen.
    Zu ihrem Glück befand sich das Boot bereits in der Mitte des Flusses, und die anderen Boote waren zu weit weg, als dass die Insassen ihre Geste hätten erkennen können. Erleichtert erteilte Maite Konrad die Anweisung, etwas mehr nach links zu steuern, und gab sich dann ganz dem berauschenden Gefühlhin, Córdoba und damit auch Fadl Ibn al Nafzis Harem entronnen zu sein.

18.
     
    D
ie Fahrt auf dem im Herbst flachen, aber tückischen Strom forderte die ganze Aufmerksamkeit der Flüchtlinge. Immer wieder mussten sie Untiefen und Kiesbänken ausweichen. Manchmal kamen sie dabei so nahe ans Ufer, dass sie sich unter den über das Wasser ragenden Zweigen ducken mussten.
    Nicht immer gelang es Maite, Konrad rechtzeitig zu warnen, und so schlug ihm ein Zweig hart ins Gesicht. Er stieß einen ärgerlichen Ruf aus und verriss dabei die Riemen. Dabei lief das Boot auf eine Kiesbank auf und drohte zu kippen.
    »Rasch! Beuge dich nach rechts«, rief Maite Ermengilda zu und versuchte verzweifelt, das Boot im Gleichgewicht zu halten. Da schob Konrad das Boot mit einem der Riemen von der Sandbank hinab, bis es wieder im freien Wasser schwamm.
    »Danke«, sagte Maite erleichtert.
    Konrad beachtete sie jedoch nicht, sondern brachte das Boot mit einem Ruder wieder auf Kurs. Mit der anderen Hand griff er sich an die Stirn. Als er sie zurückzog, klebte Blut an den Fingern.
    »Beim Heiland! Du bist verletzt«, rief Ermengilda panikerfüllt aus.
    »Nichts Schlimmes!«, antwortete Konrad und biss die Zähne zusammen. Bislang war er nur zu Hause mit einem kleinen Boot auf dem Fischteich herumgefahren, und für sein Gefühl stellte er sich äußerst ungeschickt an. Ohne Maites Hilfe wäre er keine hundert Schritt weit gekommen.
    Doch auch so war es hart genug. Schon bald spürte er, dass ihm die Arme erlahmten. Seine Verletzungen mochten durchEleasars Pflege verheilt sein, doch seine frühere Kraft hatte er noch nicht zurückgewonnen. Dabei war es wichtig, dass sie rasch vorwärtskamen. Kurz drehte er sich zu Ermengilda um, die am Bug des Bootes saß und noch

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