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Die Rose von Asturien

Titel: Die Rose von Asturien Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Iny Lorentz
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solche Art reisten, standen nicht in demRuf, großzügig mit Geld ausgestattet zu sein, und wurden zumeist gar nicht wahrgenommen.
    Zunächst folgten die drei dem Lauf des Guadiato flussaufwärts, um das Gebirge zu überqueren. Dabei gerieten sie allerdings so weit nach Nordwesten, dass selbst Maite oft unsicher war, wie sie am nächsten Tag weiterziehen sollten. Das gebirgige Land mit seinen scharf eingeschnittenen Tälern bot nur wenige Wege, die in die gewünschte Richtung führten, und oft genug hörten sie von Einheimischen, dass diese irgendwo in abgelegenen Bergtälern enden würden.
    Da Maite als Einzige das Maurische flüssig sprechen konnte, fühlten sich ihre Begleiter hilflos, denn in dieser Gegend verständigten sich selbst die Christen in dieser Sprache. Wenn sie ausnahmsweise auf jemanden trafen, der das Romanisch des Nordens verstand, so verwendete derjenige einen so fremdartigen Dialekt, dass sie seinen Worten kaum zu folgen vermochten.
    Aus Angst, zu weit nach Westen zu geraten, wählte Maite einen Weg, der sie im Zickzack durch die Berge führte, und tatsächlich erreichten sie nach zehn Tagen die Heer- und Handelsstraße, die von Córdoba aus in die Heimat führte. Hier war es jedoch mit dem ruhigen Dahinziehen vorbei. Bislang waren sie nur selten anderen Reisenden begegnet, nun aber trafen sie ständig auf Menschen, die gleich ihnen nach Norden strebten oder von dort kamen.
    Als sie glaubten, immer wieder neugierige Blicke auf sich zu spüren, zogen die angeblichen Juden und ihre Mohrensklavin die Köpfe ein, denn sie fürchteten, rasch entlarvt zu werden. Mit der Zeit aber begriffen sie, dass sie im Strom der Reisenden aufgingen wie Fische in einem Schwarm. Mauren und Christen kümmerten sich nicht um sie, und wenn sie auf Juden trafen, wechselte Konrad mit ihnen die von Eleasar gelernten Grußformeln, hielt sich aber sonst von ihnen fern.
    Damit sein Verhalten keinen Verdacht erregte, gab Maite sich umso mitteilungsfreudiger und erzählte allen, die es hören wollten, dass ihr Herr ein Fremder sei, der mit Erlaubnis des Emirs Geschäfte in al Andalus getätigt habe und nun wieder in seine Heimat zurückkehren wolle. Mit einem Funken Bosheit machte sie Ermengilda zur Witwe seines Bruders, die zu heiraten er verpflichtet gewesen wäre, und jammerte, weil sie aus dem herrlichen Córdoba in die fernen, dunklen und kalten Wälder Germaniens verschleppt wurde.
    »Dort ist es so kalt, dass der Schnee, den wir hier im Winter auf den Bergen sehen, das ganze Jahr über liegen bleibt. Dort blühen keine Feigen, und es gibt auch keine Granatapfelbäume. Selbst Korn wächst dort nicht!« Auch an diesem Morgen redete sie mit Händen und Füßen auf mehrere Reisende ein, die gleich ihnen in der Herberge übernachtet hatten. Während die beiden Frauen ihr aufmerksam zuhörten, sattelten ihre männlichen Begleiter ihre Esel und ein Maultier.
    »Kommt jetzt! Wir müssen weiter«, raunzte einer von ihnen die Frauen an und versetzte ihnen mehrere Schläge mit der flachen Hand.
    »Leb wohl und viel Glück in der Fremde!«, rief eine Frau Maite noch zu, dann eilten sie und ihre Gefährtin zu den wartenden Eseln und stiegen mit Mühe auf deren Rücken. Die Gruppe verschwand durch das Tor der Umfriedung, und Maite atmete erst einmal auf.
    »So viel wie in den letzten Tagen habe ich noch nie gelogen«, sagte sie lachend und half Konrad, ihre beiden Esel zu tränken. »Hast du nicht Angst, dass du dir einmal widersprichst, wenn du so viel redest?«
    Maite schüttelte den Kopf. »Nein, ich kann das, was ich erzähle, ganz gut im Gedächtnis behalten. Selbst wenn ich heute mit jemandem spreche und dann wieder in drei Wochen, wird er von mir das Gleiche hören.«
    »Noch drei Wochen? So lange haben wir doch auf der Reise hierher nicht gebraucht!« Ermengilda fühlte ihre Schwangerschaft nun stärker und sehnte sich nach einem Ort, an dem sie ausruhen und sich auf das ungeborene Leben freuen konnte.
    »Wir reisen weniger als halb so schnell wie damals. Immerhin muss ich zu Fuß gehen, während wir dort auf Pferderücken sitzen konnten.«
    »Du meinst, in einem stickigen Karren. Außerdem musste Konrad damals auch laufen und wurde dabei noch schrecklich gequält!« Ermengilda klang so, als nähme sie es ihrer Freundin übel, dass diese weniger rasch vorankam als Konrad oder jene Maultiere, die Fadl Ibn al Nafzi vor den Wagen hatte spannen lassen.
    Maite ging nicht darauf ein, sondern zerrte den Esel von der Tränke weg und

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