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Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08

Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08

Titel: Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen R. Donaldson
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Theomach schulterzuckend. »Dann fühlt Mama sich bestimmt besser.«
    Covenant behielt seine rechte Hand weiter grimmig in die Tasche gerammt.
    Mit einem wortlosen Salut wie zuvor bei Berek nahm der Theomach Schale und Lappen entgegen, die der leicht verwirrte Damelon ihm überließ. Seine ganze Art wirkte mitleidig, als er einen Lappen anfeuchtete und sich behutsam daranmachte, das geronnene Blut um das Auge herum und von Jeremiahs Wange abzutupfen. Eigentlich wäre das Lindens Aufgabe gewesen. Einen Augenblick lang verwandelte ihr Kummer sich in eine Art Wut, und sie zitterte unter dem Ansturm des Verlangens, ihren Gefährten wahre Antworten abzuringen. Aber sie beherrschte sich. Ein Gefühlsausbruch hätte ihnen nur Ärger beschert und ihr selbst sicherlich auch nicht weitergeholfen.
    Der Theomach säuberte weiter beflissen Jeremiahs Wunde, und ihr Sohn ließ seine Bemühungen verdrossen und resigniert über sich ergehen. Covenant trank mit empörter Miene große Schlucke von dem mit Honig versetzten Wein, als wolle er damit seine Kränkungen hinunterspülen. Dann spürte sie, dass Berek kam: seine Aura aus Erdkraft, Mitgefühl und Grimmigkeit eilte ihm wie ein Standartenträger voraus.
    Damelon schien die bevorstehende Ankunft seines Vaters fast gleichzeitig zu spüren. Der Knappe verbeugte sich vor ihr, murmelte »Meine Lady« und verließ eilig das Zelt. Als Berek erschien, trat er ein wie in ein Unwetter gehüllt. In den Tiefen seiner Augen zuckten zornige Blitze, und sein Gesicht war finster wie eine Gewitterwolke. Linden wäre zusammengezuckt, hätte sie auch nur eine Sekunde lang geglaubt, sein Zorn könnte ihr, Jeremiah oder Covenant gelten, doch sie erfasste instinktiv, dass ihnen keine Gefahr drohte.
    »Was hast du wegen Inbull unternommen, mein Lord?«, fragte Linden, ohne viel darüber nachzudenken. »Er ist ein Verräter. Aber das weißt du sicher?«
    Der Theomach erstarrte sichtlich, schwieg aber. Stattdessen tupfte er weiter Jeremiahs Auge ab, als habe er nichts Besorgniserregendes gehört.
    Berek ließ sich einen Augenblick Zeit, um wieder zu sich zu kommen. Er schenkte sich Wein ein, kostete einen Schluck und verzog in tiefem Bedauern das Gesicht. Als er sich dann wieder Linden zuwandte, war von seinem inneren Aufruhr kaum noch etwas zu sehen: »Der Streitwart hat uns verraten. Er verrät uns weiterhin. Deshalb ist er nützlich. Nur gut, dass du ihn nicht von Angesicht zu Angesicht beschuldigt hast. Er wähnt sich unentdeckt. Stattdessen habe ich ihn in dem Glauben gelassen, seine Brutalität finde insgeheim Anerkennung. Heute Nacht habe ich ihn in dieser Auffassung bestärkt.« Bei dem Gedanken daran kehrten Bereks Zorn und Misstrauen wieder zurück, aber er hielt sie eisern im Zaum. »Er hat eine Möglichkeit gefunden, Verbindung mit dem feindlichen Kommandeur aufzunehmen. Streitwart Vettalor ist ein Mann, den ich gut kenne. Wir haben miteinander gedient, ehe meine Königin sich mit ihrem König überworfen hat. Ich kenne seine Denkweise. Durch Inbull kann ich den Streitwart mit Lügen füttern ...« Diese Worte knurrte Berek förmlich. »... die er für bare Münze nimmt. Solange der Verrat unseres Streitwarts scheinbar unentdeckt bleibt, genieße ich einen Vorteil, von dem Vettalor nichts ahnt.« Verbitterung schlich sich in seine Stimme: »Ich hasse solche Täuschungsmanöver, aber mein Heer reicht nicht aus, um Vettalors Heer entscheidend zu schlagen. Und ich erhalte nur Nachschub von Schlachtfeldern, auf denen ich siegreich bin, und kümmerliche Verpflegung von Dörfern, die selbst hungern, während Vettalor sich immer weiter auf die reichen Hilfsquellen von Doriendor Korischew zurückzieht. Würde ich Inbulls Verrat nicht nutzen, würde ich meiner Königin, meinen Kriegern und meinem Schwur einen schlechten Dienst erweisen.«
    Linden verstand die Verzweiflung, die ihn trotz der Errettung durch die Feuerlöwen und der seitherigen Siege umgab. Nach seinen strikten Moralbegriffen opferte er seine Selbstachtung, um den Sieg zu erringen.
    Die Alt-Lords haben sich vor allem auf Verzweiflung verstanden. Damit haben sie einige ihrer größten Siege erzielt. Zumindest in diesem Punkt hatte Covenant ihr die Wahrheit erzählt. Und sie hat Berek gerettet.
    Am liebsten hätte Linden laut ausgerufen: Er hat meinen Sohn geschlagen! Aber sie beherrschte sich und entgegnete ruhig: »Ja, ich verstehe.«
    Sie wusste nicht, aus welchen Motiven der Theomach handelte, aber er hatte ihr einen guten Rat gegeben.

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