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Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08

Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08

Titel: Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen R. Donaldson
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würde, Berek von irgendetwas zu überzeugen.
    Der zukünftige Hoch-Lord betrachtete den Insequenten forschend. »Dann sprich!«
    Der Theomach zögerte nicht: »Mein Lord Berek, du wünschst Beweise für meinen Scharfblick, die ich folgendermaßen vorbringe:
    In deiner Verzweiflung am Donnerberg, dem alten Gravin Threndor, haben der Sage nach die Feuerlöwen oder der Berg oder sogar die Erde mit dir gesprochen. Trotzdem sagst du, es sei nicht wahr, dass du ihre Stimmen gehört hast. Das sei nur eine Fiktion, ein Mittel, um über etwas hinwegzukommen, das sich nicht erklären lässt. Die Wahrheit ist zugleich einfacher und tiefer. Von Angst und Verzweiflung getrieben, hast du um Hilfe gerufen und dafür deinen Schwur angeboten. Das hast du getan, weil dein Bedürfnis absolut war und du auf eine dir nicht erklärliche Weise gespürt hast, dass der Donnerberg ein Machtzentrum inmitten der irdischen Schönheit des Landes ist. Wie oder warum dein Hilferuf vernommen und erhört wurde, kannst du nicht sagen.«
    Berek bemühte sich sichtlich, seine Überraschung zu verbergen, aber sein wachsendes Staunen war trotz aller Selbstbeherrschung unverkennbar.
    »Trotzdem«, fuhr der Theomach fort, »hat es eine Art Kommunikation gegeben. Dir sind Wörter zugeflogen, die du nicht gehört hast und auch nicht verstehen konntest. Weil sie dich erreicht haben, hat ihre Macht auf der Hand gelegen. Und dir ist natürlich nichts anderes übrig geblieben. Also hast du sie laut ausgesprochen. Als die Feuerlöwen dir zu Hilfe gekommen sind, warst du so erstaunt wie deine Feinde.
    Seit jenem Augenblick jedoch sind diese Worte vergessen. Du erinnerst dich nur im Traum an sie, und wenn du aufwachst, bleibt lediglich ein Gefühl der Trauer zurück. Ist das nicht die Wahrheit, mein Lord?«
    Berek nickte geistesabwesend. Seine bedrückte Ehrfurcht bewies, dass der Theomach recht hatte.
    »Dann hör mir gut zu.« Die Stimme des Insequenten vibrierte nun vor Nachdruck. Sogar das Licht schien sich um ihn herum zu konzentrieren, als wollten die Lampen, die Kohlebecken und selbst die Luft ihm aufmerksam lauschen. »Die Wörter, sieben an der Zahl, lauten folgendermaßen:
    Das erste Wort ist melenkurion, das Bastion oder Ursprung heißt. Das zweite ist abatha, das Ausdauer oder das Bedürfnis nach Ausdauer bedeutet. Das dritte ist duroc, ein Hinweis auf Erdkraft, jenen feurigen Stoff, über den die Lady gebietet. An vierter Stelle kommt minas, das ebenfalls Erdkraft bedeutet – aber in einem ganz anderen Sinn. Es bezeichnet Erdkraft als ein Fundament, nicht als eine Form von Theurgie.«
    Während er sprach, schien jedes der Worte nachhallend anzuschwellen, bis es von innen gegen die Zeltleinwand drückte. »Das fünfte Wort ist mill; es lässt sich mit Menschenworten nicht definieren, muss aber trotzdem angerufen werden. Das sechste – harad – kann als Bannwort gegen Egoismus, Tyrannei, Bösartigkeit und andere Formen von Verzweiflung gesehen werden. Es verpflichtet den Benutzer dazu, Erdkraft stets nur so zu verwenden, dass sie der Reichhaltigkeit der Schöpfung dient oder sie erhält. Und zuletzt kommt khabaal, dem sich viele Bedeutungen zuschreiben lassen. Aus deinem Mund ist es eine Bestätigung oder Anrufung deines Schwurs, dem Land zu dienen.«
    Der Theomach hielt inne, als wolle er Berek – oder vielleicht auch Linden – Zeit lassen, das Gehörte zu verarbeiten. Im Zelt herrschte Schweigen. In Lindens Ohren hallten Echos nach; sie spürte die Gewalt der Worte, die weit außerhalb ihrer Begriffswelt lagen, erahnte in ihnen Möglichkeiten, die ihre Vorstellungskraft überstiegen. Covenant hatte die Sieben Worte ihr gegenüber nie erwähnt. Ob sie vor seiner ersten Versetzung in das Land verloren gegangen waren? Und nun wusste auch sie um ihren Klang ...
    Der Theomach fuhr fort: »Diese Sprache wird nur noch von einer Rasse gesprochen, die ich nicht nennen möchte, denn sie ist eigentlich die Sprache von Materie und Entstehung der Erde, nicht die eines ihrer Völker. Trotzdem kann sie von jenen, die tief nach Wissen schürfen – und es nicht für eigene Zwecke entstellen oder verbiegen wollen –, Wort für Wort entdeckt werden.«
    Dann wandte er sich unvermittelt Linden zu. Den Ausdruck seines verhüllten Gesichts konnte sie nicht erkennen, aber sie war sich sicher, dass er auch sie mit seinen Worten zu gewinnen versuchte.
    »Laut«, sagte er klar und deutlich, »werden die Sieben Worte folgendermaßen ausgesprochen: Melenkurion abatha. Duroc

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