Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08
Yellinin dann vier Pferde gesattelt hatte und etwas abseits mit den Packpferden beschäftigt war, forderte Linden Covenant und Jeremiah ruhig auf, allein vorauszureiten.
Um Covenants Verdruss und Jeremiahs Besorgnis auszuräumen, erklärte sie ihnen: »Ich brauche etwas Abstand, damit ich meinen Stab nutzen kann. Keine Sorge, ich hole euch leicht wieder ein.« Die Fährte der beiden im verharschten Schnee würde unmöglich zu übersehen sein. »Ich möchte, dass Yellinin umkehrt. Aber es wird nicht einfach sein, sie dazu zu überreden. Ich muss ihr demonstrieren, dass wir sie nicht brauchen, und dazu ...«
Linden deutete schulterzuckend auf den Stab.
»Wird allmählich Zeit«, murrte Covenant, als habe er diese Entscheidung schon vor Tagen erwartet. »Aber Yellinin ist nicht zu trauen. Berek hat sie nicht mitgeschickt, damit sie uns hilft. Sie soll ihn warnen, falls wir heimlich umkehren. Teufel, er lässt uns wahrscheinlich noch jetzt von Spähern verfolgen – nur für den Fall, dass wir sie ermorden und ihn zu überrumpeln versuchen.«
Linden starrte ihn an, und einmal mehr stach ihr die Sehnsucht nach dem Thomas Covenant, den sie gekannt hatte, mitten ins Herz. Er konnte doch bestimmt sehen, dass Yellinin sich danach verzehrte, zu ihren Leuten zurückzukehren? Aber sie widersprach ihm nicht; sein Argwohn war zu stark. Erhob sie Einwände, würde sie ihn misstrauisch machen – und damit die Chance verspielen, dass er die Wahrheit über sich selbst preisgab.
»Reitet schon voraus«, forderte sie ihn steif auf. »Und seid darauf gefasst, dass ich den Stab benutze. Ich kümmere mich um Yellinin.«
Jeremiah versuchte ein wenig überzeugendes Lächeln. »Danke, Mama. Du tust wieder mal das Richtige. Der Theomach wird nicht widersprechen, Covenant. Er vertraut ihr jetzt.«
»Ich weiß«, seufzte der Zweifler, als Jeremiah und er sich auf ihre neuen Pferde schwangen. »Ich bin nur zu verdammt frustriert, um dafür dankbar sein zu können. Dies ist unser fünfter Tag, und wir sind dem Melenkurion Himmelswehr praktisch noch nicht näher gekommen. Diese verfluchten Verzögerungen bringen mich noch um.«
Jeremiahs Pferd wollte mit rollenden Augen ausbrechen, und Covenants dürrer Mustang stolperte unbeholfen, aber die beiden blieben im Sattel. Wenige Augenblicke später kamen sie hinter einer Hangkante außer Sicht.
Linden blieb, wo sie war, und genoss die schwindende Wärme des Lagerfeuers, während sie auf Yellinin wartete. Als die anderen Pferde marschbereit waren, näherte sich ihr die Kriegerin mit grimmiger Miene. Das Tageslicht unterstrich ihre Jahre ebenso wie ihre Müdigkeit: für eine Kriegerin wirkte Yellinin alt, von zahllosen Schlachten und Verwundungen gezeichnet. Und ihr Blick verriet Unbehagen. Sie erriet offenbar, weshalb Linden allein zurückgeblieben war, und ihr Pflichtbewusstsein Bereks Befehle betreffend lag im Streit mit der Sehnsucht nach ihren Kameraden und der gemeinsamen Sache. Als Linden sie jetzt studierte, entdeckte sie Yellinins Abneigung dagegen, für Leute zu sterben, die sich weigerten, ihre Loyalitäten oder ihre Absichten zu bekennen.
Als sie nicht gleich sprach, fragte Yellinin vorsichtig: »Was gibt es, meine Lady? Warum sind deine Gefährten schon abgeritten?«
Aus ihrem Tonfall hörte Linden heraus, dass Covenant wenigstens einen Aspekt von Yellinins Dilemma richtig benannt hatte. Die Kriegerin fürchtete, Covenant und Jeremiah – wenn auch nicht Linden selbst – könnten irgendeine unerklärliche Gefahr für Bereks Heer darstellen.
»Ich brauche Abstand«, antwortete Linden, die bei jedem Satz kleine Atemwolken ausstieß. »Ich werde meinen Stab benutzen. Für sie ist das zu gefährlich. Nun sind sie weit genug entfernt, ihnen droht keine Gefahr.«
Yellinin runzelte die Stirn. »Meine Lady, du weißt, dass ich Befehl habe, keine Fragen zu stellen. Aber unter Umständen begehe ich eine Pflichtverletzung, wenn ich nicht spreche. Deshalb frage ich dich, wie du dein Feuer gebrauchen willst.«
»Auf zweifache Weise.« Linden brachte es nicht fertig, einfach zu sagen: Ich will nicht, dass du dein Leben wegwirfst. »Mit deiner Erlaubnis tue ich, was ich kann, um dich und deine Pferde zu kräftigen. Und ich hoffe, dass ich dich dazu überreden kann, zu Lord Berek zurückzukehren.«
Noch ehe Yellinin Einwände erheben konnte, fuhr Linden rasch fort: »Du und deine Pferde haben schon schrecklich viel erlitten. Unabhängig davon, was ich tue, halten sie bestimmt nicht mehr
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