Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08
endloser weiterer Frosttag vergangen war, wollte nicht aus irgendeinem Grund, den sie nicht verstand, am Ende der Welt erfrieren.
»Also gut«, sagte sie schließlich, »ihr könnt mir über den Mund fahren, wenn ich etwas Gefährliches sage. Aber dies ist nicht nur für euch schwierig. Auch ich leide darunter, und ihr habt wenigstens einen Plan.« Etwas, dem ihr erwartungsvoll entgegensehen könnt. »Ich bin nur orientierungslos. Ihr müsst wenigstens mit mir sprechen. Ich muss Stimmen hören.« Ihre Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Liand, Stave, den Ramen und sogar Anele war so quälend, dass sie Mühe hatte, ihre Tränen zurückzuhalten.
Obwohl Linden keine gesprochenen Worte hörte, schien Jeremiah sich mit Covenant zu beraten, dann sah er sie unbehaglich von der Seite an. »Okay, Mama. Du kannst fragen. Versuch nur, vorsichtig zu sein. Hört der Theomach uns, kann eine Frage ebenso schlimme Folgen haben wie eine Antwort.«
Seine Bereitschaft überraschte Linden. Betont vorsichtig erkundigte sie sich: »Was kümmert es den Theomach, was wir jetzt tun? Hat er denn nicht bekommen, was er wollte? Wenn mir nicht etwas entgangen ist ...«
Er hatte behauptet, sie wisse seinen wahren Namen, aber sie hatte keine Ahnung, wie er lautete.
Jeremiah nickte. »Mit uns ist er fertig.« Anscheinend sah er keine Gefahr darin, über den Insequenten zu sprechen. »Er ist, wo er sein muss. Wo er sein soll. Dort wäre er auf jeden Fall hingekommen, aber du hast es ihm leichter gemacht. Dafür sollte er dir dankbar sein. Aber er will weiterhin den Bogen der Zeit schützen. Wenigstens sagt er das. Er hat uns hierher gebracht. Das macht ihn für uns verantwortlich. Wenn man ihm glauben kann, versteht sich. Aber deinetwegen macht er sich keine Sorgen.« Jeremiahs Stimme klang ärgerlich, voller Zorn. »Dir vertraut er. Und er weiß, wann er für dich eintreten muss. Aber Covenant und mir ... traut er praktisch alles zu. Er versteht nicht ...« Jeremiah schluckte krampfhaft und verstummte. Covenant ritt mit in die Ferne gerichtetem Blick neben ihm, als interessiere ihn dieses Gespräch nicht.
Eintreten? »Was versteht er nicht?«, fragte Linden.
Jeremiah ballte die Hände, die seine Zügel hielten, impulsiv zu Fäusten. Aufgebracht stieß er hervor: »Er versteht nicht, wie sehr wir uns anstrengen, genau das Richtige zu tun. Mama, wenn wir so schlecht wären, wie er denkt, hätte Covenant mich überhaupt nicht erst zu dir gebracht. Das ist nicht nur kränkend, sondern so frustrierend ...« Er verstummte erneut, diesmal sichtlich bemüht, die Beherrschung zurückzugewinnen. Als er weitersprach, klang seine Stimme traurig, gequält: »Und für Covenant ist es viel schlimmer als für mich. Wir haben zu viel Erdkraft ertragen müssen. Er hält uns zusammen, aber das ist noch nicht alles. Er mildert ab, was mir tatsächlich passiert – was Foul meinem richtigen Körper antut ...« Ein Schauder durchlief ihn. »Er ist mein Freund. Er verhindert, dass ich durchdrehe.« Dann zuckte er unbehaglich mit den Schultern. »Ich habe dir ja gesagt, dass ich den Insequenten nicht mag.«
Jemand, der sich als der Vizard vorgestellt hatte, hatte ihn dazu gedrängt, eine Falle für die Elohim zu bauen ... Ihn jetzt sprechen zu hören ließ sie ihre Frage bedauern: »Entschuldige, Schatz«, murmelte sie. »Ich wollte dich nicht durcheinanderbringen. In gewisser Beziehung kann ich die Einstellung des Theomachs verstehen. Obwohl ich deine Mutter bin, vergesse sogar ich manchmal, wie sehr du leidest. Du erträgst alles so tapfer, du lässt dir nichts anmerken. Die Wahrheit ist ...« Sie durchsuchte ihre gemeinsame Verzweiflung nach Worten. »... viel schlimmer, als ich mir vorstellen kann.«
Jeremiah zuckte erneut mit den Schultern. »Ach, das ist schon in Ordnung.« Genau wie Covenant sah er sie nicht richtig an. »Covenant beschützt mich ziemlich gut.« Einen Augenblick lang vermittelte er ihr den unpassenden Eindruck, er zwinkere ihr zu.
Von dem Gedanken erschreckt, was der Verächter ihrem Sohn antun mochte, ließ sie die kalte Stille des Winters wieder über sich zusammenschlagen. Außer einzelnen schwachen Windgeräuschen waren die einzigen Laute die dumpfen Hufschläge ihrer Pferde: scharf, wenn sie auf harten Schnee trafen, gedämpfter, wenn sie in die Harschdecke einbrachen. Unter einem wolkenlosen Himmel und bei strahlendem Sonnenschein waren die Ebenen auf der einen und die Hügel auf der anderen Seite kältestarr. Als Linden den Himmel
Weitere Kostenlose Bücher