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Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08

Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08

Titel: Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen R. Donaldson
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schweigend neben den beiden her und duckte sich zusammen, um ihren Mut zu bewahren, genau wie sie sich in ihrem Gewand verkroch, um es wärmer zu haben. Covenant hatte angedeutet, er könne abends bereit sein, ihre Fragen zu beantworten – darauf musste sie vorbereitet sein. Seine eigentümliche Macht verstärkte ihr Gefühl der Verwundbarkeit. Sie war völlig von Covenant abhängig. Ließ er sie im Stich – oder wandte er sich gegen sie –, konnte sie sich mit dem Stab warm halten. Sie würde es vielleicht sogar schaffen, am Leben zu bleiben. Aber ohne seine Hilfe konnte sie unmöglich in ihre eigene Zeit zurückkehren. Und deshalb hielt Linden sich zurück, während die Pferde in elender Verfassung den Ausläufern der Letzten Hügel folgend nach Nordwesten trotteten. In unregelmäßigen Abständen machten ihre Gefährten und sie halt, um die Tiere zu füttern und an einem der wenigen nicht zugefrorenen Bäche zu tränken, während sie selbst aus einem von Yellinins Bündeln aßen und dazu mit Wasser verdünnten Wein tranken. Aber diese Marschpausen waren kurz. Covenant schien begierig zu sein, eine möglichst weite Strecke zurückzulegen, und Jeremiah spiegelte die zunehmende Vorfreude oder Anspannung seines Freundes wider. Keinen der beiden schien es zu kümmern, dass sie ihre Pferde zuschanden ritten, obwohl sie noch unbestimmbar weit vom Melenkurion Himmelswehr entfernt waren.
    Jeremiah hatte angedeutet, Covenant und er würden ihre geheimnisvolle Magie gebrauchen, um irgendwie eine. Ortsveränderung zu bewirken. Und Covenant hatte eingestanden, das sei gefährlich. Linden, die sich mit aller Anstrengung beherrschte, hielt an diesem ganzen langen, elenden Tag den Mund. Sie bat Covenant bewusst nicht um mehr Wärme, aber Jeremiah hielt ihn dazu an, wenn ihr Zittern unbeherrschbar wurde. Ebenso wenig erwähnte sie, dass ihr geringer Hafer- und Heuvorrat für die Pferde höchstens noch für einen Tag reichen würde. Stattdessen fütterte sie die Tiere so reichlich, wie sie es brauchten. Sie konnte es nicht ertragen, ihnen das Futter vorzuenthalten – und sie hatte zu viele andere Sorgen. Notfalls würde sie von ihren Gefährten später mehr Mitgefühl einfordern.
    Endlich kamen sie in vorzeitige Abenddämmerung, als die Sonne hinter den Hügeln versank, und Covenant überraschte Linden mit der Mitteilung, dass sie bald ihr Nachtlager aufschlagen würden. Sie hatte erwartet, dass sie möglichst lange weiterreiten würden, aber stattdessen murmelte er: »Es ist irgendwo hier in der Nähe. Wir werden es in ein paar Minuten finden.«
    Kurze Zeit später deutete Jeremiah nach vorn, und Covenant, der mit zusammengekniffenen Augen in die von den Hügeln geworfenen Schatten spähte, nickte zustimmend. Als Linden hinsah, erkannte sie nur eine enge Schlucht zwischen steilen, dick mit Eis besetzten Felswänden. Weshalb Covenant und Jeremiah ihre Aufmerksamkeit gerade auf diese Schlucht konzentrierten, blieb rätselhaft. Seit sie Bereks Lager verlassen hatten, waren sie an zahllosen ähnlichen Schluchten vorbeigekommen.
    Trotzdem lenkte Covenant sein stolperndes Pferd jetzt in diese Richtung. Mit Jeremiah und Linden hinter sich ritt er den vereisten Abhang hinauf und in den tiefen Einschnitt zwischen den Steilwänden hinein, und sobald die drei ein kleines Stück weit in die Schlucht gelangt waren, deren Windungen im Dunkel verschwanden, machte Covenant halt. Sein Tonfall klang befriedigt, als er sagte: »Hier sind wir geschützt.« Dann schwang er sich aus dem Sattel.
    Geschützt?, fragte Linden sich benommen. Hier? Der Boden, der tagsüber kaum Sonne bekam, war eisenhart gefroren. Unter einer Steilwand schlängelte sich ein Bachbett dahin. Sie konnte Wasser hören, das unter dem Eis ganz leise gurgelte. Aber Schutz? Der schlauchförmige enge Einschnitt kanalisierte die draußen auf der Ebene wehende leichte Brise zu einem messerscharfen Wind, der ihr ins Fleisch zu schneiden schien. Hatte Covenant vor, die Nacht hier zu verbringen, würde er Linden und die Pferde morgen früh steif gefroren wie den Boden der Schlucht auffinden. Aber sie protestierte nicht. Stattdessen glitt sie unbeholfen aus dem Sattel, blieb vor Kälte zitternd neben dem erschöpften Tier stehen und wartete auf eine Erklärung.
    »Felsbrocken«, verlangte Covenant, als der Junge sich zu ihm gesellte. »Einen großen Haufen. Am besten stapelst du sie gleich am Bach auf. Dann kommen wir gleichzeitig auch ans Wasser.«
    Jeremiah machte sich gehorsam

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