Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08
brach sie das Schweigen und sagte mit gespielter Nonchalance: »Ich bin nur neugierig. Was habt ihr beiden mit Inbull angestellt?«
Ich will ihm diese Schmerzen heimzahlen.
Dieses Verhalten Covenants passte so wenig zu ihren Erinnerungen an den Mann, der er einst gewesen war, wie seine Lügen und Täuschungsversuche.
Er leerte den Weinschlauch, warf ihn beiseite und wischte sich den Mund mit dem Handrücken ab. »Nicht viel.« Nebenbei bemerkte Linden, dass ihm jetzt ein Bart wuchs. Seine körperliche Präsenz war solid, mit Händen greifbar, aber trotzdem unvollständig. »Jeremiah hat ihn festgehalten, während ich zugetreten habe. Ich wollte ihm ein paar Rippen brechen. Aber der Kerl ist aus Eisen. Ich habe ihm nur ein paar blaue Flecken verpasst.« Der Zweifler schnaubte ein Lachen. »Damelon hat das überhaupt nicht gefallen. Für einen Krieger ist er noch ziemlich zartbesaitet. Das muss er sich abgewöhnen, wenn er ein guter Hoch-Lord werden will. Aber er hat nicht zugelassen, dass irgendwer sich einmischt.«
Linden beobachtete ihn scharf, verfolgte den Wechsel von Glut und Schatten in seinen Augen. Dies war zweifellos nicht der Mann, den sie einst gekannt hatte. Er hatte diese Veränderung auf seine Jahrtausende als Bestandteil des Bogens der Zeit zurückgeführt; aber sie war immer weniger geneigt, ihm zu glauben. Der Unterschied zwischen seinen beiden Persönlichkeiten war einfach zu groß.
Es gelang ihr kaum, ihre Stimmung zu tarnen, als jetzt sie das Thema wechselte: »Ich denke ständig darüber nach, was in Bereks Lager geschehen ist. Das macht mir Sorgen. Stimmt es wirklich, dass wir die Geschichte des Landes nicht verändert haben? Wie ist das möglich? Ich habe zu viele Menschen geheilt, in zu viele Leben eingegriffen. Wie kann das ohne Auswirkung auf ...«
»Höllenfeuer, Linden«, unterbrach Covenant sie ungewohnt jovial. »Damit solltest du deine Zeit nicht vergeuden. Such dir etwas Lohnenderes aus, wenn du dir Sorgen machen willst. Für dieses Problem ist der Theomach zuständig. Er hat uns hergebracht, also muss er nach uns sauber machen. Wie er das anstellen will, weiß ich nicht. Ich könnte es herausfinden, aber wozu soll ich mir die Mühe machen? Er ist genau dort, wo er hingehört. Wo er wäre, wenn er sich nicht in meine Angelegenheiten eingemischt hätte. Jetzt muss er dafür sorgen, dass es keine Schäden gibt. Immerhin meint er es ernst, wenn er davon spricht, die Integrität der Zeit erhalten zu wollen. Ihm geht es in erster Linie darum, die Elohim nicht auf sich aufmerksam zu machen. Das würden sie, wenn er zuließe, dass der Gang der Geschichte verändert wird. Alles wie geplant ablaufen zu lassen dürfte nicht allzu schwierig sein«, brummte er nachdenklich. »Schließlich ist er jetzt Bereks Lehrer und noch mehr. Klar, du hast ein paar Dinge verändert, aber das musst du dir wie einen losen Faden vorstellen. Findet er eine Möglichkeit, dein Handeln wieder in den Bildteppich zukünftiger Ereignisse einzuweben, ist nichts zu befürchten.«
»Wie kann er das tun?«, fragte Linden. Covenants Sorglosigkeit beunruhigte sie. Er hatte zu rasch Erklärungen bei der Hand ...
»Teufel, Linden«, sagte er gedehnt, »du hast gesehen, wie wirkungsvoll eine Story sein kann. Der Donnerberg hat nicht tatsächlich zu Berek gesprochen. Oder nicht auf eine Weise, die er verstehen konnte. Er hat nur geblutet, war restlos verzweifelt und hat irgendwelchen Unsinn gemurmelt, den er selbst nicht verstanden hat. Aber er sagt, der Fels habe zu ihm gesprochen, und die Leute glauben ihm, weil die Feuerlöwen ihm zu Hilfe gekommen sind. So erzählt er eine Geschichte, die ihn zu der Art Helden macht, für den sein ganzes Heer zu sterben bereit ist.«
Unsinn ...? Sie biss sich auf die Unterlippe, war entschlossen, ihm nicht zu widersprechen, ihn auf keine Weise zu reizen. Aber sie wusste, dass die Sieben Worte kein Unsinn waren.
»Ist der Theomach auch nur ein bisschen clever, wenn er von dir spricht«, fuhr Covenant fort, »kann er alles so hindrehen, dass es zu den alten Legenden passt. Und ich will nicht mal erwähnen, wie erbärmlich unwissend Berek ist.« Er schnaubte verächtlich. »Im Lauf der Zeit wird der Theomach ihm helfen, Hoch-Lord zu werden, aber allein könnte Berek sich niemals genügend Wissen und Macht aneignen. Er ist noch weit davon entfernt, der Mann zu sein, der den Einholzbaum finden und einen Stab des Gesetzes anfertigen kann. Deshalb wird er alles glauben, was der verdammte
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