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Die schoenen Hyaenen

Die schoenen Hyaenen

Titel: Die schoenen Hyaenen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Olivia Goldsmith
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träumen.«
    »Ist Ihr Bild nie in einer Illustrierten erschienen?«
    »Einmal hat mich jemand beim Rodeo fotografiert. Aber der hat mir nie einen Abzug geschickt. Nein, so was hab ich nie gemacht.«
    »Möchten Sie es mal versuchen, Sharleen?«
    Sharleen dachte nach. Sie wollte vermeiden, daß Jake wieder auf ihr herumhackte, weil sie zuviel mit den Gästen redete und zu wenig auf ihre Arbeit achtete. Doch dieser Mann interessierte sie. Er war so anders, sprach auch anders. Besser. Wie jemand mit Geld. Doch sie warnte sich. Sie mußte vorsichtig sein.
    »Was führt Sie denn nach Bakersfield?« fragte sie ihn. »Suchen Sie Schauspielerinnen?«
    »Das hatte ich eigentlich vor. Doch mein Wagen hat eine Panne. Ich warte darauf, daß mich jemand abschleppt.« Sharleen sah erst jetzt das weiße Mercedes Cabrio. Dean würde zehn Dollar dafür geben, es nur berühren zu dürfen. »Ich bin Milton Glick und suche Schauspielerinnen für eine Fernsehserie. Ich könnte mir denken, daß Sie für eine Rolle in Frage kämen. Sind Sie interessiert?« Er wartete, gab ihr Zeit, sich mit der Neuigkeit vertraut zu machen.
    Der hält mich wohl für dümmer als Dean, dachte sie und wartete darauf, daß er ihr Reichtümer in Aussicht stellte. »Wieviel bringt mir das denn?« fragte sie.
    Milton kippelte auf dem Stuhl. Ihm begann die Sache Spaß zu machen. »Viel. Mehr, als Sie sich je hätten träumen lassen.«
    Sharleen kam einen Schritt näher. »Was muß ich tun, damit ich den Job bekomme?« fragte sie und verschränkte die Arme vor der Brust.
    »Nichts.« Er stand auf und bezahlte seine Rechnung. »Sie brauchen nur nächste Woche in das Besetzungsbüro zu kommen und einige Leute kennenzulernen, die ich interviewen werde. Ich garantiere Ihnen nichts. Doch es ist möglich, daß Sie bei einer Fernsehshow mitmachen können.«
    Glick gab Sharleen seine Karte. »Das ist kein Trick, Sharleen. Und Sie gehen auch keine Verpflichtungen ein.«
    Sie nahm die Karte. »Okay, Mr. Glick. Wenn ich mich entschließe, eine Schauspielerin im Fernsehen zu werden, rufe ich Sie an.« Sie verließ den Gast, weil sie Jakes Vorwürfen zuvorkommen wollte.
    »Überlegen Sie es sich, Sharleen«, rief Glick ihr nach. »Jedenfalls, wenn Sie sehr, sehr reich werden wollen.«

5.
    Jahne verließ das Star Drop Inn. Nicht um zu Pete zu ziehen. Sie hatte eine Wohnung gefunden, die sie sich mit zwei anderen Mädchen teilen konnte.
    Wieviel hatte sich für sie geändert! Sonnenschein begrüßte sie am Morgen. Sie hatte ein neues Gesicht, einen neuen Körper, einen neuen Namen. Jeden Morgen erwachte sie gutgelaunt, sprang aus dem Bett, zog sich mit Sorgfalt und Genuß an. Die Jeans glitten mühelos über ihre schlanken Schenkel. T-Shirts ließen ihre hübsche Brust zur Geltung kommen. Ein Blick in den Spiegel war wie eine Droge. Doch noch mehr genoß sie die Blicke, die sie auf sich zog.
    Sie gewöhnte sich Bewegungen an, eine Körpersprache, wie sie sie früher bei hübschen Frauen verachtet hatte, warf den Kopf zurück, streckte sich. Da es so gut ankam, konnte sie dieser Versuchung einfach nicht widerstehen. Es genügte schon, die schönen Lippen mit der Zunge zu befeuchten.
    Auch Frauen beobachteten sie, zwar nicht so direkt, doch aufmerksam. Sie gehörte einfach dazu. Früher hatte man sie abgeschrieben, weil sie ja keine Konkurrenz darstellte. Nun beneidete man sie ihres Aussehens wegen.
    Dank der Vermittlung von Petes Schwester konnte Jahne tatsächlich im Melrose Playhouse spielen. Das hatte den zusätzlichen Vorteil, daß dieses Theater bekannt genug war, um auch Agenten und Produzenten anzulocken.
    Jahne bekam die Hauptrolle in einer Neuinszenierung von Ibsens »Nora«. Vom Grundthema her hatte dieses Stück ja auch in moderner Zeit nichts an Aktualität verloren.
    Zwar verdiente sie mit dieser Rolle nur 175 Dollar pro Woche, soviel, wie das Arbeitslosengeld in New York betragen hatte. Doch für Jahne zählte nur, daß hier die Leute im Publikum saßen, auf die es ankam.
    Jahne trug ein formloses weißes Baumwollnachthemd und darüber einen billigen weißen Frotteebademantel, der ihr auch als Badetuch diente. Noch immer konnte sie sich nicht an die Narben gewöhnen. Sie würde sie nie jemanden sehen lassen, sah sie aber auch selbst nur höchst selten an. Sie verwendete nach wie vor Vitamin E. Obwohl alles gut verheilte, juckten die Narben gelegentlich. Wenn sie mit Pete schlief, geschah das immer im Dunkeln. Was sie einmal machen sollte, wenn sie einen anderen

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