Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die Seele des Feuers - 10

Die Seele des Feuers - 10

Titel: Die Seele des Feuers - 10 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Terry Goodkind
Vom Netzwerk:
offenherzig war, aber zweifellos genoß er es, dabeizustehen und ihr beim Anziehen zuzusehen. Er hatte nicht damit gerechnet, dergleichen jemals zu Gesicht zu bekommen, schon gar nicht bei einer Anderierin.
    Nach der Art, wie sie sich keuchend aufrichtete, mußte Morley irgend etwas hinter ihr, oben unter dem Kleid, angestellt haben. Snip hätte ebenfalls gerne etwas angestellt, doch dann fiel ihm Dalton Campbell ein.
    Snip packte Claudine Winthrop am Arm und zerrte sie ein paar Schritte vor. »So, und jetzt verschwinde, los.«
    Sie warf Morley kurz einen verstohlenen Blick zu, dann sah sie Snip wieder an. »Ja, Sir. Danke.« Sie machte einen hastigen Knicks. »Vielen Dank, Sir.«
    Ohne ein weiteres Wort raffte sie ihr Kleid, eilte die Stufen hinunter und rannte über den Rasen in die Nacht.
    »Wieso hast du sie weggeschickt?« wollte Morley wissen. Er stemmte eine Hand in die Hüfte. »Wir hätten uns mit ihr amüsieren können. Sie hätte alles getan, was wir wollen. Und nachdem ich gesehen hatte, was sie zu bieten hat, hätte ich gewollt.«
    Snip beugte sich zu seinem verstimmten Freund hinüber. »Weil Meister Campbell nichts davon gesagt hat, wir könnten irgendwas dergleichen tun, deshalb. Wir haben Meister Campbell einen Gefallen getan, das ist alles. Mehr nicht.«
    Morley machte ein unzufriedenes Gesicht. »Schon möglich.« Er blickte zum Holzstoß hinüber. »Wir haben noch immer eine ganze Menge zu trinken.«
    Snip mußte an den verängstigten Ausdruck in Claudine Winthrops Gesicht denken. Er mußte daran denken, wie sie geheult und geschluchzt hatte. Natürlich wußte er, daß Hakenierinnen weinten, aber daß Anderierinnen weinten, hatte Snip bis dahin nicht einmal für möglich gehalten.
    Der Minister war Anderier, Snip vermutete daher, daß er nie etwas wirklich falsch machen könnte. Bestimmt hatte sie das alles mit ihrem tief ausgeschnittenen Kleid und ihrem Verhalten ihm gegenüber provoziert. Snip hatte mit eigenen Augen gesehen, wie sich viele Frauen ihm gegenüber aufspielten. Als hätten sie Spaß daran, wenn er sie nähme.
    Er mußte daran denken, wie Beata weinend auf dem Fußboden gehockt hatte. Er mußte an den erbärmlichen Ausdruck auf Beatas Gesicht dort oben denken, als der Minister sie herausgeworfen hatte, nachdem er mit ihr fertig war.
    Und Snip mußte daran denken, wie sie ihn geschlagen hatte. Das alles überstieg sein Begriffsvermögen. Im Augenblick wollte Snip nichts weiter, als sich bis zur Besinnungslosigkeit vollaufen zu lassen.
    »Du hast recht. Gehen wir und genehmigen wir uns einen. Wir haben eine Menge zu feiern. Heute abend sind wir zu bedeutenden Männern geworden.«
    Den Arm über die Schulter des anderen gelegt, schlugen sie den Weg zu der Stelle ein, wo ihre Flasche wartete.

20. Kapitel
    »Na, wenn das keine Überraschung ist«, raunte Teresa. Dalton folgte ihrem Blick und sah, wie sich Claudine Winthrop unschlüssig ihren Weg durch den Saal voller umherschlendernder Menschen bahnte. Sie trug ein Kleid, das er von früher kannte, als er noch in der Stadt gearbeitet hatte. Es war nicht dasselbe Kleid, das sie zuvor an diesem Abend getragen hatte. Vermutlich war ihr Gesicht unter der dicken Schicht rosafarbenen Puders aschfahl, und zweifellos bestimmte Argwohn jetzt ihren Blick.
    Menschen aus der Stadt Fairfield betrachteten, erfüllt von dem Bemühen, dies alles in sich aufzunehmen, um ihren Freunden bis in die kleinste Einzelheit von ihrem Abend auf dem prachtvollen Anwesen des Ministers für Kultur berichten zu können, staunenden Auges ihre Umgebung.
    Eine Einladung auf das Anwesen galt als große Ehre, und niemand wollte sich irgendein Detail entgehen lassen. Details waren wichtig, wenn man die Absicht hatte anzugeben.
    Zwischen den prächtig gefärbten, seltenen Teppichen, die der Länge nach in regelmäßigen Abständen über den gesamten Raum verteilt lagen, schimmerten Stellen edlen Parkettfußbodens durch. Das Gefühl luxuriösen, tiefen Einsinkens konnte unmöglich jemandem entgehen. Dalton vermutete, daß man für die girlandenartig vor den Reihen hoher Fenster mit ihrem von buntem Glas durchsetzten, komplizierten Ziergitterwerk zu beiden Seiten des Raumes aufgehängten Vorhänge Tausende von Metern feinsten Stoffes verwendet hatte. So manche Frau befühlte prüfend hier und da die überaus dichte Webart des Tuches. Die Ränder des himmelblau und goldweizenfarbenen Stoffes waren mit bunten Quasten verziert, so groß wie seine Faust. Die Männer bewunderten

Weitere Kostenlose Bücher