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Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)

Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)

Titel: Die Sommerfrauen: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mary Kay Andrews
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einen Kuss darauf, dann öffnete er die Wagentür und half ihr hinein. Er drehte sich um, winkte zum Haus hinüber, und der Vorhang zuckte erneut. Als Ty den Bronco die Auffahrt hinunterlenkte, merkte er, dass Ellis nervös in den Rückspiegel schaute.

    Er hatte ein Fischrestaurant in Duck ausgesucht, zwanzig Minuten nördlich von Nag’s Head. Am Ende einer Schotterstraße lag das unauffällige Lokal und bot einen Ausblick über die ganze Bucht. Es hatte verwitterte Wände aus Zedernholz, ein verrostetes Zinkdach und ein summendes Neonschild vor der Tür, auf dem Fish Food stand.
    »Lass dich von der Einrichtung nicht abschrecken«, sagte Ty, als er den Wagen parkte. »Hier gibt’s den besten Fisch auf den Outer Banks.«
    »Sieht nett aus«, sagte Ellis mit einem gewissen Staunen, als man sie an einen Tisch am Fenster führte, von dem aus man auf eine lange Reihe von Booten blickte. »Vor dem Urlaub habe ich das Informationspaket der Tourismuszentrale angefordert und sogar einen Reiseführer für die Outer Banks gekauft, aber in keinem habe ich einen Hinweis auf diesen Laden gefunden.«
    »Du hast ein Informationspaket angefordert?«, lachte Ty. »Wer macht denn so was?«
    »Ich«, sagte Ellis. »Ich mag keine Überraschungen. Außerdem sind da meistens Gutscheine drin. Weißt du, dann bekommt man eine Vorspeise oder ein Dessert umsonst.«
    »Ich dachte, alle Frauen mögen Überraschungen«, sagte Ty. »Na ja, Fish Food wirst du in keinem Führer finden. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie keine Gutscheine ausgeben. Dies ist ein Laden für die Einheimischen. Eddie, der Koch, hat früher in einem Restaurant gekellnert, wo ich während der Highschool gejobbt habe. Er hat einen etwas ausgefallenen Humor, aber in der Küche kennt er sich aus.«
    Die Kellnerin kam, und Ty fragte Ellis, ob sie etwas trinken wolle. »Ich nehme ein Bier vom Fass. Und sie nimmt …« Er schaute Ellis an und versuchte sich zu erinnern, was sie am Sonntagabend im Cadillac Jack’s bestellt hatte. »Einen Cosmopolitan, nicht?«
    Sie unterhielten sich zwanglos, bis die Kellnerin mit ihren Getränken und den Speisekarten zurückkehrte.
    »Was kannst du empfehlen?«, fragte Ellis mit Blick auf das fettbespritzte kopierte Blatt.
    Sie saß aufrecht auf ihrem Stuhl und fummelte an dem Band herum, das ihr Korsett vorn zusammenhielt. Wenn sie nicht gerade das Top hochzog, damit ihre Brüste nicht noch weiter herausrutschten, zupfte sie am Saum des kurzen Rockes, der jedoch ein hoffnungsloser Fall war – er bedeckte kaum ihre mit blassen Sommersprossen übersäten Oberschenkel. Auch auf Ellis Nase konnte Ty unter der Schicht Glitzerpuder Sommersprossen erahnen. Es juckte ihm in den Fingern, über den Tisch zu greifen und an den schwarzen Bändchen zu ziehen, nur um zu sehen, was dann passieren würde. War der rosa Spitzen-BH mit dem Miederteil verbunden, das sie drüber trug? Ty fand, dass das näher untersucht werden musste.
    »Ty? Du liebe Güte, bist du’s wirklich?«
    Er schaute auf. Kendra und Ryan standen im Restaurant und warteten darauf, an den Nachbartisch geführt zu werden. Ty spürte, wie alle Farbe aus seinem Gesicht wich. Jetzt kam Kendra sogar zu seinem Tisch herüber. Ryan, das Arschgesicht, zockelte hinter ihr her.
    Ty wäre am liebsten im Boden versunken.
    »Du bist es!«, sagte Kendra mit schriller Stimme. »Und richtig aufgedonnert im Sonntagsstaat.«
    Ty Bazemore hatte eine ordentliche Erziehung genossen, seine Mutter und seine Großmutter hatten darauf bestanden. Zwei Jahre Square Dance und Anstandsregeln hatte er über sich ergehen lassen. Man sprach ältere Menschen mit »Sir« und »Ma’am« an. Man erhob sich, wenn eine Dame den Raum betrat, und wenn man einen Herrn begrüßte, sah man ihm in die Augen, lächelte und drückte ihm fest die Hand. Widerwillig erhob sich Ty. »Hallo, Kendra«, sagte er mit ausdrucksloser Miene. Er nickte in Richtung des Arschgesichts. »Ryan.« Diesem Kerl würde er nicht die Hand geben. Wenn seine Mutter noch leben würde, hätte selbst sie das verstanden. Wenn seine Großmutter noch am Leben wäre, hätte sie sogar applaudiert oder dem Arschgesicht mit ihrer allzeit gegenwärtigen Fliegenklatsche möglicherweise in die Visage geschlagen.
    »Hey, Kumpel!« Der ahnungslose Ryan streckte die Hand aus, ließ sie aber sinken, als Kendra ihm einen vernichtenden Blick zuwarf.
    »Und, wie geht es dir?« Kendra stellte sich auf die Zehenspitzen, um Ty zu umarmen, und hüllte ihn dabei in eine

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